29.12.05

(Finanzen) Jahresende – Zeit des Ausblicks

Jetzt überschlagen sich die (Finanz-) Medien wieder in ihren Ausblicken aufs kommende Jahr. Erste Feststellung dazu: Wie stets überwiegt der Optimismus, denn mit schlechten Nachrichten sind in diesem Mediensegement zumindest keine guten Geschäfte zu machen – denn «only bad news is news» oder «bad news sells» gilt hier für einmal nicht.

Sodann kann man zweitens auf das vergangene 2005 verweisen. Rekordumsätze einerseits, sowie wieder steil ansteigende Aktienkurse spielen die Musik. Nur schon bei den Schweizer Werten wurde eine durchschnittliche Gewinnsteigerung von rund 30 Prozent erzielt. Sie übertraf die verbreiteten Prognosen von anfangs Jahr bei weitem. Keiner der Analysten hatte dem Schweizer Börsenindex SMI mehr als 6500 Punkte zugetraut. Er steht aktuell auf über 7500.

Nun raten sie zu teilweisen Gewinnmitnahmen – einen allgemeinen Rückgang der Kurse sagt aber niemand voraus – siehe oben. Was bleibt zu tun? Sich einerseits lösen von diesen fixen Bilanzierungen zum Jahresende. Dieses ist letztlich ein für die Börse willkürlich gewählter Stichtag. Vielmehr vertrauen auf langfristige Überlegungen. Zum Beispiel darauf, dass sich die Schwellenländer weiterhin stark entwickeln. Länder wie Brasilien, China und Indien dürften die Nase weiterhin vorne haben. Für Russland muss man wegen der politischen Entwicklungen und der einseitigen Rohstofffixierung vorsichtiger sein. Sodann: Kleineren Unternehmen gehört die Zukunft. Für die Schweiz oder auch Europa und Japan auf einen entsprechenden Fonds zu setzen, dürfte langfristig kaum falsch sein. Ob allerdings Ende 2006 ein gutes Resultat rausschaut, ist so unsicher wie jede andre Börsenprognose – und letztlich irrelevant, siehe nochmals oben.

24.12.05

(Finanzen) Fondssparplan unter den Weihnachtsbaum

Noch eine letzte Idee für ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk gefällig? Dank eines Fondssparplans für Kinder (und Erwachsene) lassen sich mehrere nützliche Dinge miteinander verbinden! Und der Möglichkeiten für einen Abschluss sind zwar noch nicht so viele, wie wünschenswert. Aber das Angebot lässt genügend Spielraum für eine sinnvolle und individuell zugeschnittene Wahl.

Nicht zum ersten Mal werden hier Fondssparpläne der Post, also von deren Finanzdienstleister Postfinance, propagiert. Neben den posteigenen (ein gutes Dutzend) stehen 30 Fonds verschiedenster spezialisierter Fondsgesellschaften zur Verfügung. Nach einer Ersteinlage von 2000 CHF – dies ein Vermouthstropfen beim sonst so günstigen Angebot – sind Folgeeinlagen im Gegenwert schon von 100 CHF möglich, auch in fremden Währungen wie dem Dollar und dem Euro und vor allem bei Fonds, die sich sonst der Sparplanidee verschliessen oder sie nur schwierig realisieren lassen.

Zum Beispiel der Swisscanto Green Invest: Dieser Fonds des Zusammenschlusses der Schweizer Kantonalbanken erlaubt, gemäss den Vorstellungen eines nachhaltigen Investments zu investieren. Damit sind gewisse Problembereiche wie etwa Rüstung, Atomkraft, Tabak usw. ausgeschlossen. Dabei sind dafür beispielsweise Firmen der erneuerbaren Energien – jenes Investmentsektors, der im ablaufenden Jahr bei weitem die besten Renditen einfuhr. Was dem erwähnten Fonds 2005 selbst eine Spitzenrendite von über 30 Prozent eintrug! Doch sei gewarnt: Solches ist auch in vielversprechenden Aktienmärkten nicht Jahr für Jahr zu erwarten!

Von wegen Renditen: Auch andere Fonds, die Postfinance als Sparplan anbietet, waren im ablaufenden Jahr äusserst erfolgreich, etwa jene der Deutschen Bank für Japan und Osteuropa. Wer also jetzt den Schritt macht und in Zukunft regelmässig in kleinen Beträgen sparen und dabei den Aktienmarkt nicht aussen vor lassen möchte, hat in Fondssparplänen der Postfinance eine gute Möglichkeit.

17.12.05

(Medien) Zensur in China übermächtig

In der Volksrepublik China erscheinen mittlerweile über 2.000 verschiedene Zeitungen, über 8.100 Zeitschriften, es gibt über 300 Radiostationen und 360 Fernsehsender. Ein Zeichen für Pluralismus, Presse- und Informationsfreiheit? Leider nicht. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wird in China die Presse vom Staat umfassend überwacht und zensiert. Das gilt nicht nur für die Printmedien und das Internet, sondern auch für Fernsehen und Rundfunk. Soweit bekannt, ist die Zahl der Verhaftungen von Internet-Autoren und Dissidenten seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Hu Jintao sogar noch gestiegen.

Das oberste Ziel und der Daseinsgrund der Medien in China ist es, das Image der Kommunis-tischen Partei und des Staates zu erhalten und die „soziale Stabilität“ des Landes zu sichern. Die Medien unterliegen ganz offiziell der Aufsicht der staatlichen Presse- und Publikations-verwaltung, die von der Propagandaabteilung (sic!) der KP Chinas gelenkt wird. Die Fernseh- und Rundfunkanstalten des Landes sind alle in staatlicher Hand. Ausländischen Unternehmen ist ausdrücklich untersagt, in China Kabelfernsehen zu betreiben. Schon im Oktober 1993 verabschiedete die Regierung eine neue Regelung, die den Zugang zu ausländischem Satelli-tenversehen erschwerte. Journalisten, die den Vorgaben der KP nicht folgen und unabhängig berichten wollen riskieren Entlassung, Einschüchterung und Verhaftung – selbst im Autono-miegebiet Hongkong. Auch eMails und SMS von Privatpersonen werden nach „kriminellen“ Inhalten gefiltert. Zu den „kriminellen“ Inhalten gehören die Wörter „Tibet“, „Tienanmen“, „Taiwan“ und „Falun Gong“.

Die Angaben über die Zahl der Sicherheitsbeamten, die das Internet kontrollieren, schwanken zwischen 30.000 und deutlich über 40.000. Mehrere hunderttausend „subversive“ Internet-seiten sind in der Volksrepublik gesperrt. Dazu gehören nicht nur die Seiten von Menschen-rechtsorganisationen. Auch viele westliche Medien sind betroffen, wie die BBC, aber auch die Hong Kong Voice of Democracy, praktisch alle taiwanesischen und tibetischen Seiten, sehr viele Seiten mit christlichen Inhalten und alle Seiten über die buddhistische Meditationsschule Falun Gong. Wer in China einen Internetanschluß privat nutzen will, muss sich vorher bei der Polizei registrieren lassen. Internetnutzer müssen außerdem einen Vertrag unterschreiben, der sie verpflichtet, den Internetzugang nicht für „illegale“ Aktivitäten zu verwenden. Ansonsten drohen hohe Haftstrafen. Zehntausende der öffentlichen „Netzbars“, wie Internet-Cafés in China genannt werden, wurden in den vergangenen Jahren geschlossen.

Alle „Internet Service Provider“ (ISP) in China unterliegen einer engen staatlichen Kontrolle. Aber auch internationale Webportale unterstützen die chinesische Regierung bei ihrer Web-zensur. Die Suchmaschine „Yahoo“ beispielsweise unterzeichnete bereits im Juli 2002 einen Vertrag, in dem sie sich zur freiwilligen Selbstzensur verpflichtete. Berichten zufolge scheint sich auch die Rivalin „Google“ für diesen Weg entschieden zu haben, nachdem sie bereits einmal vollkommen von der chinesischen Regierung gesperrt worden war. „Google“ und „Yahoo“ versuchen beide, den chinesischen Markt zu erobern, und sie gehen dabei Kompro-misse ein, die direkt die Pressefreiheit in China gefährden. Trotz des enormen Aufwandes ist es der KP China bisher dennoch nicht gelungen, das Internet völlig frei von unzensierten In-formationen zu halten. Nach einer Untersuchung der Chinesischen Akademie für Sozialwis-senschaften verbringt die junge chinesische Generation nicht nur mehr Zeit im Internet, sondern betrachtet des Netz sogar als ihre erste und glaubwürdigste Informationsquelle. Quelle: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte 2005 / www.sonnenseite.com

14.12.05

(Finanzen) Von der Usurpation der Alternative

Hedge Funds, berühnt geworden durch die UBS-Krise Ende der 90er Jahre, haben sich ein Etikett zugelegt, das ihrem Wesen kaum gerecht wird. Um sogenannte alternative Geldanlagen soll es sich handeln, wenn ohne Transparenz die unmöglichsten Finanzmarktkonstrukte zum Einsatz gelangen, vereinfacht gesagt, wenn den spekulativen Schleusen keine Grenzen gesetzt sind.

Das Wort Alternative - lässt uns der klassische Duden wissen – meint die «Entscheidung zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten» sowie unter der Eigenschaft alternativ «als menschen- und umweltfreundlich angesehen». Davon kann bei Hedge Funds keine Rede sein. Sie bieten zwar andere Möglichkeiten des Investierens, doch selbst die Investoren verlieren mitunter den Überblick, wenn es ums Verständnis der Mechanismen geht. Einer, der viel Geld auf diese Weise gemacht hat, der ungarisch-amerikanische Multimilliardär George Soros weist unterdessen auf die Gefahren hin, die solches Tun für die internationalen Finanzmärkte und letztlich für die Menschheit beinhaltet.

Da hört es spätestens auf mit dem alternativen Charakter der Hedge Funds. Sie sind eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Die Investorengemeinde, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat, ist aufgerufen, für Ihren Anlagestil das Wort alternativ zurückzuerobern. Denn Anlagen, die Augenmerk auf umweltrelevante und soziale Belange richten und schädliche wirtschaftliche Auswirkungen aussen vor lassen, sind die wirklich alternativen.

10.12.05

(Finanzen) Jahresbilanz an den Weltbörsen

Die Feststellung kontrastiert zwar mit den sonstigen Meldungen zur Wirtschaftspolitik im flächengrössten Land der Welt. Aber die Russen waren, zumindest was die Börsenperformance im abgelaufenen Jahr betrifft, am erfolgreichsten – von einigen Exotenbörsen einmal abgesehen. Da mag der Prozess gegen den einst reichsten Mann Russlands ebenso wenig daran deuteln wie die Quasiverstaatlichung des grössten Ölkonzerns. Besser ins Bild passt der Einsitz von Deutschlands Ex-Bundeskanzler Schröder im Vorstand der grössten russischen – ebenfalls staatlich dominierten – Gasgesellschaft Gazprom. Trotz aller Bedenken gilt wohl: Der russische Markt ist – ebenso wie der chinesische und der indische – derart riesig, dass schon die schiere Masse den InvestorInnen Mut zu machen scheint und die Börsenkurse munter weiter in die Höhe treibt.

Das galt 2005 für die indische Börse ebenso, die knapp 30 Prozent zulegte im ablaufenden Jahr. Ihr ist am ehesten auch im Neuen eine gleich bleibende Leistung zuzutrauen, obwohl die politischen Gegebenheiten für einige Instabilität sorgen. Was umso mehr für den östlichen und noch mächtigeren Nachbarn China gilt. Legte dieser doch in einem stark staatlich beeinflussten Markt gar nicht zu. In den letzten Monaten sah es allerdings freundlicher aus, was eine Fortsetzung des Aufwärtstrends möglich macht.

An den europäischen Börsen war ein Aufwärtstrend unverkennbar – und Europa gilt unter den entwickelten Börsenmärkten auch fürs kommende Jahr als Favorit. Denn die Aufholjagd fand in erster Linie in kleineren Volkswirtschaften statt – wie erfreulicherweise in der Schweiz mit einem Plus von rund einem Drittel. Ebenfalls die Wiener Börse glänzte. Doch jene in Frankfurt, Paris und London zeigen ein vergleichsweise bescheidenes Plus von um die 20 Prozent – und damit nach den früheren happigen Verlusten durchaus nochmals Potenzial. Wie natürlich auch Japan, das die jahrelange Depression vergessen machte und mit einem Drittel im Plus liegt. Und Alle wollen noch mehr.

Was für die Amerikaner erst recht gilt, war doch in den USA 2005 an den Börsen kaum Geld zu verdienen. Politisch bedingt, fehlt hier das Vertrauen in ein Erstarken im kommenden Jahr. Aber mitunter kümmert sich die Börse ja auch auffällig wenig um die Politik. Plötzlich könnten also die Amerikaner wieder als Gewinner dastehen und damit aus dem Schatten ihrer südlichen Nachbarn treten, die mit Ausnahme Argentiniens ein glänzendes Jahr hinter sich haben. A propos aufstrebende Märkte: So unterschiedlich die jeweils nationalen Bedingungen sind, so einheitlich zeigt der Trend derzeit in fast all diesen Gebieten nach oben. Der Anlagetipp für das kommende Jahr lautet also: Rund ein Drittel der frei anlegbaren Mittel in einen Fonds stecken, der in den sogenannten Emerging Markets investiert. Stark vertreten sollten dabei die Regionen Osteuropa, Südostasien und Lateinamerika sein.

2.12.05

(Umwelt) Nachhaltigkeit braucht klare Standards

Labels und Ratings zu Fragen rund um die Umweltverträglichkeit im weitesten Sinne gibt es eine Reihe. Der nachhaltige Wirtschaftsverband der Schweiz (WIV) entwickelt nun ein spezielles Instrumentarium zur Beurteilung von Klein- und Kleinstbetrieben. An einer Veranstaltung in Bern stellte er das Konzept zur Diskussion. Ist auch schon so einiges vorhanden in diesem Bereich, so eignet es sich in erster Linie entweder für grössere, gar börsenkotierte Betriebe oder deckt nur Teilbereiche verschiedener Dimensionen der Nachhaltigkeit ab. Rolf Iten, Geschäftsführer des Planungsbüros Infras in Zürich, welches für die inhaltliche Konzeption vom WIV beauftragt wurde, machte an der Veranstaltung in Bern klar: Für Unternehmen mit wenigen MitarbeiterInnen gibt es keine Möglichkeit, die eigene Nachhaltigkeit mit vertretbarem Aufwand und doch genügendem Tiefgang zu untersuchen.

Das fanden VertreterInnen von Kleinbetrieben aus der Region Bern schon fast skandalös – aber auch Ausdruck einer Politik, die sich für solche Fragen im kommunalen Bereich gar nicht interessiert. Mit anderen Worten, die Initiative des WIV stösst auf Zuspruch. «Es wäre toll, neben den verkauften nachhaltigen Produkten auch den eigenen Betrieb auf solche Aspekte hin abklopfen zu können», meinte etwa Kathrina Keller, Geschäftsführerin des claro-Weltladens in Bern. Aber auch auf Seiten eines produzierenden Betriebs wie der cuboro AG (Spielwarenproduktion und –handel) sah Matthias Etter Bedarf.

Thomas Vatter vom gleichnamigen ökologischen Warenhaus in Bern skizzierte Eckpunkte, die die vom WIV angestrebte Checkliste umfassen müsste: Neben einer Eigenbewertung sollten die sogenannten Stakeholders zum Zuge kommen, Lieferanten wie Kundinnen wären also zur Beurteilung aufgerufen. Sodann sollte der dynamische Teil des Prozesses besonders betont werden, was Rolf Iten mit dem Schlagwort des lernenden Unternehmens umriss. Während Vatter auch noch Wert darauf legte, dass Nachhaltigkeit kein Selbstbedienungsladen sei, in dem jeder grad mal den Aspekt rauspicke, der vorteilhaft für den eigenen Betrieb ausfalle.

Auf einen besonders heiklen Punkt wies die PR-Beraterin Ursula Marti hin, als sie fragte: «Inwieweit sind Nachhaltigkeitsaspekte auf Seiten der Kundschaft in meine Beurteilung einzubeziehen, schliesst das beispielsweise die Arbeit für gewisse politische Parteien aus?» Diskussionsleiterin Claudia Nielsen, freischaffende Ökonomin und SP-Kommunalpolitikerin aus Zürich, wies darauf hin, dass die WIV-Initiative nur in Zusammenarbeit mit den Verbandsmitgliedern erfolgreich zu gestalten sei.

26.11.05

(Medien) Konsumkritik mit Kick-Ass-Marketing

In Kanada weht ein anderer Wind. Seit Michael Moore in der Dokumentation "Bowling For Columbine" auf weltoffene und friedliche Kanadier stieß, ist diese Tatsache selbst den trägen Alteuropäern bekannt. Jenseits der nördlichen Grenze der USA ist in den letzten Jahren nicht nur ein Großteil der globalisierungskritischen Dokumentarfilme entstanden, auch die Adbusters Media Foundation operiert von hier aus in ihrem Kampf gegen Konsumwahn und die Ü-bermacht von Konzernen.

Die Adbusters bilden seit ihrer Gründung 1989 einen lauten und bunten Stamm innerhalb der sozialen Bewegungen des Informationszeitalters. Alle zwei Monate veröffentlichen die Pioniere unter den Medienaktivisten ein weltweit vertriebenes Magazin. Sie betreiben die Website www.adbusters.org und initiieren internationale Kampagnen wie die "TV Turnoff Week" und den "Buy Nothing Day" an dessen eintägigem Konsumverzicht sich jährlich über eine Millionen Menschen beteiligen. Das in Deutschland auch "Kaufnix-Tag" genannte Event findet an diesem Samstag zum zwölften Mal statt.

Vor allem aber sind die selbst ernannten "Guerilla-Semiotiker" für ihre konsumkritische Anti-Werbung bekannt. In einer ihrer Anzeigen werden die Sterne der amerikanischen Flagge durch Konzernlogos ersetzt, da die USA schon lange zur Marke verkommen seien. Ein anderer "Werbespott" zeigt das Kamel aus der Zigarettenwerbung als sterbenden Krebspatienten. Als "Demarketing" oder "Rebranding" bezeichnen die Adbusters diese gegenkulturellen Be-deutungsumkehrungen. Dabei nutzen sie die Allgegenwärtigkeit von Logos, um auf ihre ma-nipulative Vermarktung und prekäre Produktionsbedingungen aufmerksam zu machen. Quelle auszugsweise: www.spiegel.de

19.11.05

(Finanzen) Nichts Neues vom berühmtesten CH-Börsenorakel

Wieder einmal lässt sich Felix W. Zulauf vernehmen. Der Innerschweizer Börsenstar wurde bekannt durch seine Voraussagen der Debakel an den Weltbörsen in den Jahren 1987 und ab 2001. Hierzulande allerdings erfährt man seither kaum etwas von Zulaufs Gnaden. Denn seit Jahren verweigert er Schweizer Medien den Kontakt. Sie dürfen allenfalls einen seiner Partner zitieren, wie nun wieder im Zürcher Tages-Anzeiger geschehen (Akonto-Beilage vom 18.11.05).

Erneut prophezeit Zulauf ein Massaker an den Weltbörsen und erneut geschieht dies parallel zu den Äusserungen seines Comapagnons Daniel Köppel direkt im US-Anlegermagazin Barron’s. Denn dort nimmt Zulauf an einer halbjährlichen Diskussionsrunde teil, die die Börsenaussichten thematisiert. Und kommt - gemäss Tages-Anzeiger zitiert nach Barron’s... - zum Schluss: «Das Risiko eines potenziellen Massakers (an der Börse) wächst.»

Zulauf positioniert sich damit neben Marc Faber als zweiter Dauerwarner vor dem grossen Absturz und als zweiter Schweizer im Fach Doomprognosen. Doch kann man diese getrost vergessen, wenn man auf eine ganz einfache Börsenweisheit setzt: Nichts ist an den Börsen so sicher wie das Auf und Ab der Kurse. Viel präziser waren Zulauf und Faber bislang kaum. Im Gegensatz zu den beiden sei hier prophezeit, dass Europa sehr wohl noch eine Aufholphase vor sich hat. Dagegen ist der Einschätzung zuzustimmen, dass sich die US-Wirtschaft auf dünnem Eis bewegt und auch die Schweizer Werte unterdessen ein erhebliches Einbruchspotenzial aufweisen. In sechs bis zwölf Monaten also sei hier eine Überprüfung angekündigt und insbesondere die unterschiedliche Einschätzung zur Entwicklung in Europa seziert. Dass langfristig alle Kurse auch wieder einmal sinken werden, ist aber doch zu allgemein, als dass man solche Voraussagen zur Richtlinie eigener Investitionen machen sollte.

9.11.05

(Umwelt) China übernimmt Vorreiterrolle

Der deutsche Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat die Ergebnisse der Internationalen Konferenz für erneuerbare Energien in Peking als "Meilenstein" für den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien und für den globalen Klimaschutz gewertet. "Die Schlusserklärung von Peking unterstreicht die Verpflichtung der internationalen Gemeinschaft zu verstärkten Anstrengungen beim Ausbau erneuerbarer Energien", sagte Trittin zum Abschluss der zweitägigen Konferenz in der chinesischen Hauptstadt. Von Peking gehe zudem ein wichtiges Signal nach Montreal, wo Ende November der nächste Klimaschutzgipfel stattfindet. Peking hat gezeigt, dass erneuerbare Energien eine unmittelbar verfügbare Technologie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen sind. Deshalb wird der Fortschritt beim weltweiten Ausbau der Erneuerbaren in Montreal ein wichtiges Thema sein", so Trittin.

Trittin hob die postive Rolle Chinas in diesem Prozess hervor. "China hat den politischen Willen, die weltweite Nutzung erneuerbarer Energien voranzubringen und gleichzeitig eine internationale Vorreiterrolle dabei zu übernehmen", sagte Trittin. Dies zeige sich nicht nur daran, dass China die Ausrichtung der Folgeveranstaltung zur "Renewables 2004" in Bonn übernommen habe, sondern auch an den ehrgeizigen Ausbauzielen, die sich das Land gesetzt habe.

Auf der "Beijing International Renewable Energy Conference" (BIREC) erhöhte der chinesische Vize-Energieminister nochmals die chinesischen Ausbauziele, die er im letzten Jahr bei der "Renewables"-Konferenz in Bonn verkündet hatte: Nunmehr plant China, bis zum Jahr 2020 seinen Anteil erneuerbarer Quellen am Gesamtenergieverbrauch auf 15 Prozent zu steigern. Allein die Windkraftkapazität soll bis 2020 auf 30 Gigawatt (GW) ausgebaut werden. Das wäre fast das Doppelte der derzeit in Deutschland installierten Kapazität. Hinzukommen sollen weitere 20 GW aus Bioenergie und 4 GW aus Solarenergie. Zusammen mit großen Wasserkraftanlagen will China bis 2020 insgesamt mehr 30 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Dies zeigt die enormen Wirtschaftspotenziale und Chancen gerade für die deutschen Unternehmen auf, die in diesem Markt weltweit führend sind.

Bei der BIREC wurde erstmals ein umfassender Überblick über den Stand der erneuerbaren Energien weltweit vorgestellt. Danach kommt gut ein Sechstel des weltweiten Primärenergieverbrauchs (17 Prozent) aus regenerativen Quellen. Diese verteilen sich auf sogenannte "neue Erneuerbare" (kleine Wasserkraft, Wind, Solar, Biomasse: 2 Prozent), große Wasserkraft (6 Prozent) sowie traditionelle Nutzung von Biomasse in Entwicklungsländern (9 Prozent).

Derzeit werden weltweit 160 GW Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energien (ohne große Wasserkraft) bereitgestellt. Das entspricht einem Anteil von 4 Prozent. Knapp die Hälfte davon befindet sich in Entwicklungsländern. Hinzu kommen 16 Prozent aus großen Wasserkraftanlagen. Die Technologien der neuen Erneuerbaren wachsen weltweit am rasantesten, davon Solarenergie mit einer Zuwachsrate von 60 Prozent pro Jahr seit 2000 sowie Windenergie mit knapp 30 Prozent Zuwachs in den letzten Jahren.

Die Investitionen für erneuerbare Energien steigen seit Jahren und erreichten 2004 weltweit mit 30 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand. Gut 1,7 Millionen Menschen arbeiten in diesem Sektor, davon 900.000 bei der Produktion von Biotreibstoffen. Biotreibstoffe haben derzeit bereits einen Anteil von weltweit 3 Prozent am Treibstoffverbrauch. Weltmarktführer ist hier Brasilien mit einem Anteil von 44 Prozent des Gesamtverbrauchs an Ottokraftstoff. Weltweit haben 45 Länder besondere Politiken und Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren einschließlich konkreten Ausbauzielen, darunter 10 Entwicklungsländer.
In der heute verabschiedeten "Pekinger Erklärung" wird von den Vereinten Nationen die Einrichtung eines Überprüfungsmechanismus" gefordert, um Klarheit über Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu schaffen. Die Erklärung unterstreicht die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie fordert daher Regierungen, Wirtschaft und andere Akteure auf, ihre Anstrengungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Förderpolitik, Finanzierung und Entwicklung von Märkten national wie international zu verstärken. Quelle: Deutsches Bundesumweltministerium 2005

8.11.05

(Medien) ZeitungsleserInnen wandern ab

Die Tageszeitungen in den USA geraten zunehmend unter Druck. Immer zahlreicher wandern die Leser zu Online-Medien ab. Und besorgte Anleger melden bereits erste Bedenken an. Gemäss einem Bericht von Spiegel Online ging allein in den vergangenen sechs Monaten die Auflage der US-Blätter im Durchschnitt um 2,6 Prozent zurück. Die Zahl der verkauften Sonntagszeitungen fiel sogar um 3,1 Prozent.

Glimpflich kamen noch die Großen der Branche davon. "USA Today", die größte der US-Tageszeitungen verlor lediglich 0,6 Prozent, das "Wall Street Journal" kam mit einem Minus von 1,1 Prozent davon. Die "New York Times" konnte trotz der jüngsten Skandale um gefälschte Reportagen oder die parteiliche Berichterstattung von Starreporterin Judith Miller zum Irakkrieg sogar um 0,5 Prozent zulegen. Dagegen musste der "San Francisco Chronicle" einen Einbruch seiner Auflagenzahlen um satte 16,4 Prozent hinnehmen.

Damit setzt sich ein Trend fort, die die Auflagenwächter schon seit Jahren beobachten: vor allem jüngere Leser finden kaum noch Interesse an der Zeitungslektüre. Wer die neuesten Nachrichten erfahren will, schaut Kabelfernsehen oder er ruft das Internet auf. Schärfere Regeln für die Werbewirtschaft haben es überdies immer schwieriger gemacht, neue Abonnenten zu gewinnen. Der Rückgang der Auflage hat aber noch wesentlich weiter reichende Auswirkungen. Denn die Anzeigenpreise sind direkt an die Zahl der Leser gekoppelt. Entsprechend sinken auch hier die Einnahmen der Verlage. Hinzu kommt, dass die Preise für Papier und Druck in der jüngsten Vergangenheit überproportional gestiegen sind.

5.11.05

(Finanzen) Nicht nur Shanghai und Peking

Der angekündigte Augenschein in China hat bestätigt: Die Volkswirtschaft des wieder erwachenden Riesenreichs im fernen Osten ist kräftig am Aufholen. Und der Aufschwung ist, allen Problemen zum Trotz, breit abgestützt und erfasst das ganze Land, das nach Russland und Kanada auch flächenmässig das drittgrösste der Erde ist.

Stärker aber fällt zweifellos der Bevölkerungsreichtum und damit ein riesiger Markt ins Gewicht. 1,3 Milliarden Menschen besiedeln China, ein starker Trend zur Verstädterung und Bildung riesiger Ballungsgebiete ist unverkennbar. Zum Beispiel Kunming, die Hauptstadt der südlichsten Provinz Yunnan, einst Partnerstadt von Zürich beim Aufbau einer intakten Wasserversorgung. Heute bietet sich die auf rund 2000 Metern über Meer gelegene Metropole als blühendes Wirtschaftszentrum, dessen Skyline keinen Vergleich mit jeder europäischen Stadt zu scheuen braucht. Wohnhaft sind unterdessen über zwei Millionen Menschen in Kunming und erschlossen ist die Stadt nicht nur durch einen internationalen Flughafen – in diesem Fall allerdings noch auf bescheidenerem Niveau als derjenige Zürichs – sondern auch durch ein bereits bestehendes und noch auszubauendes dichtes Netz von Autobahnen.

Man mag über den Autoboom und die dazu gehörige Strasseninfrastruktur denken, was man will. Beide sind unverkennbar Merkmale des Wirtschaftsaufschwungs, der eben gerade auf der Forcierung der Infrastruktur beruht. Die riesigen Projekte haben sowohl unzählige Arbeitsplätze geschaffen wie auch die Voraussetzung beispielsweise für einen Tourismus, der im laufenden Jahr wieder neue Rekordmarken erreicht. Rund 90 Millionen Übernachtungen von Überseetouristen wurden in den ersten neun Monaten gezählt.Was wie in den meisten anderen Wirtschaftssektoren zweistellige Wachstumsraten bedeutet.

Eben hat sich Staatspräsident Hu Jintao auf einer Polittagung mit seinem Ziel durchgesetzt, auch in den kommenden zehn Jahren ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von über sieben Prozent jährlich anzustreben. Bedeutend für den Finanzsektor: Trotz seiner manigfachen Probleme wird nun eine der vier grössten Banken bereits an der Börse gelistet. Man geht kaum fehl in der Annahme, dass das Regime den Bankensektor auf keinen Fall crashen lässt – damit stünde einfach zu viel auf dem Spiele. Mit anderen Worten: Wer sich über einen Anlagefonds, etwa den seit Jahren erfolgreichen der HSBC, an Chinas Wirtschaft beteiligen möchte, kann aufgrund fundamentaler wirtschaftlicher Veränderungen mindestens mit einer Verdoppelung seines Einsatzes in den kommenden zehn Jahren rechnen. Kurzfristige Einbrüche sind dabei nicht auszuschliessen – ich würde aber gar auf eine stärkere Wertvermehrung der chinesischen Börsen wetten!

20.10.05

Erstaunliches im Suedwesten Chinas

Die Provinz Yunnan, in der Schweiz am ehesten bekannt durch die Partnerschaft ihrer Hauptstadt Kunming mit Zuerich, bietet eine erstaunliche Vielfalt. Sie eroeffnet sich uns anlaesslich einer mehrwoechigen Reise, die bislang Guiling und Yanshou (noch zu Guanxhi gehoerig)sowie eben Kunming und jetzt ganz im Sueden Jinghong in der Region Xisangbanna beruehrt. Hier sind wir nahe der Grenze zu Myanmar - das Gebiet gilt als Hochburg des Drogenschmuggels.

Aber nicht nur - hier offenbart sich neben landschaftlicher Schoenheit eine unglaubliche Bodenfruchtbarkeit. Wir sahen neben den vielen Reisfeldern, die dreimal jaehrlich abgeerntet werden vor allem Zuckerrohr und Teestauden, sodann grosse Bananenpflanzungen. Wir hoeren vom neuen Anbau von Kaffeepflanzungen, offenbar finanziert mit Geld aus Taiwan. Und essen zu Tisch einfach alles, was die Natur so bieten kann.

Die Region ist auch dank dem Tourismus zu Reichtum gekommen - auch wenn dieser anders bedingt sein mag in erster Linie. Sitzt doch der Provinzchef seit kurzem wegen Unterschlagung und unlauterer Bereicherung im Gefaengnis. That is China....

8.10.05

(Allgemein) Augenschein in China

Pause im Tipp-Blog – und vielleicht gelegentlich doch ein Bericht aus dem neuen Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nicht aus den USA also, sondern aus China, werde ich in den kommenden Wochen eventuell das eine oder andre Mal berichten – abhängig auch von dortigen Internetmöglichkeiten. Aus einem Land also, das sich nunmehr auch den internationalen Finanzmärkten öffnet. So oder so – ordentliche Tipp-Blogs dann wieder ab Anfang November.

5.10.05

(Umwelt) Grosses wirtschaftliches Potenzial

Umweltschutz wird oft für die schleppende wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz verantwortlich gemacht. Doch dieses Bild entspricht nicht der Realität. Im Gegenteil: die Schweizer Wirtschaft profitiert in vielerlei Hinsicht. Denn Massnahmen zum Schutz der Umwelt senken die Betriebskosten, eröffnen neue Marktchancen, lösen Innovationen aus, schaffen Arbeitsplätze und vermeiden Gesundheitskosten.

Heute beläuft sich der wirtschaftliche Wert aller Umweltschutzmassnahmen in der Schweiz auf jährlich rund 6,7 Milliarden Franken oder 1,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Zudem exportiert die Schweizer Wirtschaft jährlich Umweltschutzgüter im Wert von rund 1,4 Milliarden Franken. Doch das wirtschaftiche Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. So ermittelt eine Studie für den naturnahen Tourismus in der Schweiz eine potenzielle Wertschöpfung von 2,2 Milliarden Franken bei jährlichen Wachstumsraten von 10 bis 40 Prozent.

Ein Dossier des Magazins «Thema Umwelt» zeigt anhand von konkreten Beispielen aus dem In- und Ausland auf, wie das wirtschaftliche Potenzial des Umweltschutzes genutzt werden kann. Voraussetzung dafür ist ein optimiertes System von Umweltauflagen und -abgaben, das einerseits klare Belastungsgrenzen setzt und andererseits den verschiedenen Akteuren möglichst viel Raum für Eigeninitiative lässt. (Quelle: www.umweltschutz.ch)

2.10.05

(Medien) Bedeutende Begegnungen – nicht nur mit Robert Frank

«Eine grosse Geschichte, die vorbei ist – oder ein Haufen von Bildern.» So kommentiert der Gesprächsleiter auf der einen, Robert Frank auf der andren Seite sein umfassendes Werk, das derzeit im Winterthurer Fotomuseum gezeigt wird. Kommt er oder kommt er nicht? Das war bei der Vernissage die Frage. Damals erschien er nicht, eine Woche später kam Frank dann doch an die Ausstellung und bot auch dem Schweizer Fernsehen die Möglichkeit für ein Gespräch, das am Sonntagabend nach Mitternacht wiederholt wird.

Was der widerspenstige Frank auch noch sagte: «Man schreibt nicht über Fotografie, man macht Fotografie!». Das zeichnet seine Haltung aus, wenn auch gerade über seine klassischen Arbeiten wie «The Americans» oder «In the Bus» und «Flowers» in Paris so viel geschrieben wurde. «Ich war immer auf der Seite», und letztlich auch fremd in der Schweiz, wohin zurückzukehren er für immer ausschliesst - «I don’t know, ich wollte immer eher allein sein». Alles, was Frank berührt, wird zum Klassiker (und er sitzt sprachlos daneben), das wurde über seine Filme gesagt. Später kehrte er zurück zum Bild trotz allem, aber zum reflektierenden, das sich einem, wie die Filme vielleicht weniger erschliesst. Seine grossen Fotoreportagen bleiben aber ein Markstein der Fotografie, der noch bis Ende November in Winterthur zu besichtigen und zu erfahren ist.

Marksteine hat zweifellos auch Georg Gerster mit seinen Flugbildern gesetzt, die bis in den Spätherbst im Zürcher Landesmuseum zu sehen sind. Auch er ein grosser der Schweizer Fotografie, die so viele wunderbare Künstler zählt – wie die frühen drei S (Schuh, Schulthess, Staub), Werner Bischof und den Che-Guevara-Fotografen René Burri. Zweifellos aber auch Robert Frank und Georg Gerster und viele mehr, die für bedeutende künstlerische Fotoarbeiten in der Gegenwart sorgen.

29.9.05

(Umwelt) Auszeichnungen für Bürgerrechtler und Umweltschützer

Noch vor den ordentlichen Nobelpreisen (ab nächster Woche) sind die Alternativen Nobelpreise an Personen und Organisationen aus Mexiko, Kanada, Malaysia und Botswana vergeben worden. Unter den Geehrten sind Menschenrechtler, Umweltschützer und ein Künstler. Die Kanadier Maude Barlow und Tony Clarke erhielten den Preis für den weltweiten Einsatz für gerechten Handel und die Anerkennung des Grundrechtes auf Wasser, wie die Stiftung "Right Livelihood Award" heute in Stockholm mitteilte. Die Malaysierin Irene Fernandez bekam die Auszeichnung für ihr Engagement gegen Gewalt gegen Frauen sowie für ihr Eintreten gegen den Missbrauch von Einwanderern und armen Arbeitern.

Mit einem weiteren Preis wurden die Gruppe First People of the Kalahari und ihr derzeit inhaftierter Gründer Roy Sesana geehrt. Die Organisation setzt sich gegen die Vertreibung von Menschen in Botswana von ihrem angestammten Land zur Wehr. Die drei Preise sind mit insgesamt zwei Millionen schwedischen Kronen (rund 213.000 Euro) dotiert. Der mexikanische Maler Francisco Toledo erhielt den nicht dotierten Ehrenpreis für sein Engagement bei der Bewahrung und Erneuerung des architektonischen und kulturellen Erbes in seiner Heimat Oaxaca.

Den "Right Livelihood Prize" ("Preis für richtiges Leben") hatte der Deutsch-Schwede Jakob von Uexküll 1980 ins Leben gerufen. Er wollte damit ein Zeichen gegen das eigentliche Nobel-Komitee setzen, das seiner Ansicht nach "viele Leistungen, die wichtig für die Zukunft der Menschheit sind, ignoriert". Uexküll hatte damals seine weltbekannte Briefmarkensammlung verkauft, um mit dem Erlös die Preisgelder zu finanzieren. Der Preis soll am 9. Dezember im Schwedischen Reichstag verliehen werden. (Quelle: www.spiegel.de)

26.9.05

(Finanzen) Langläufer mit Erfolg

Man mag gelegentlich zweifeln, ob Aktienfonds auf lange Frist wirklich so positive Resultate zeitigen, wie das die Werbung der Finanzindustrie immer wieder glauben macht. Aber es gibt erstaunliche Beispiele in der Realität, wie unlängst das Magazin Finanztest der deutschen Stiftung Warentest belegte. In der Septemberausgabe werden Fonds vorgestellt, die in den Aktienmarkt des nördlichen Nachbarlands investieren. Und siehe da, die Spitze ziert der Fond Adig Fondak. Aber dieser Fonds steht etwa nicht nur im Renditevergleich der letzten Jahre an vorderster Stelle. Nein, er hat vor allem in seiner Entwicklung über Jahrzehnte hinweg überzeugt. 1950 als einer der ersten Aktienfonds in Deutschland gegründet, weist er seither eine Wertsteigerung von über 33'000 Prozent auf. Mit anderen Worten, wer damals 10'000 Mark investierte, ist heute 330 mal reicher respektive nennt 3,3 Millionen Mark oder den entsprechenden Gegenwert in Euro sein Eigen.

Wird sich eine solche Entwicklung wiederholen, die einer jährlichen Rendite von rund 11 Prozent entspricht? In reifen Börsenmärkten wohl kaum. Dort sind erfahrungsgemäss in den vergangenen Jahren und im Langfristvergleich Renditen von 6 bis 8 Prozent möglich gewesen. Und nicht wenige Börsianer sagen voraus, dass selbst diese Renditen in Zukunft nicht zu halten sind. Eher möglich wird die entsprechende Entwicklung aber mit den Papieren kleinerer Unternehmen, die naturgemäss die grösseren Wachstumschancen in Prozent aufweisen – und eben auf diese prozentuale Entwicklung kommt es an den Börsen ja an. Also haben die Fonds, die beispielsweise in Deutschland in Aktien des M-Dax (mittlere) oder des Tec-Dax (technologisch-orientierte Firmen) investieren, auch künftig grosse Wachstumschancen.

Ungleich grösser sind sie aber in den sich entwickelnden Märkten, BRIC ist hier das Stichwort, das die Aktienmärkte von Brasilien, Russland, Indien und China umfasst. Die Risiken sind dort allemal grösser. Vergegenwärtigt man sich aber, dass die Börsenkapitalisierung dieser vier künftigen Wirtschaftsgrossmächte heute je etwa halb so gross ist wie jene der kleinen Schweiz, so ermisst sich das brachliegende Potential. Ob es schliesslich erschlossen wird, wissen wir in rund 50 Jahren, wenn klar ist, ob sich eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie jene der deutschen Wirtschaft wiederholt hat.

24.9.05

(Umwelt) Vorfahrt für Erneuerbare Energien

Schweden und Spanien setzen voll auf Erneuerbare Energien. So kündigte der schwedische Ministerpräsident Göran Persson in dieser Woche an, sein Land mit Erneuerbaren Energien innerhalb von 15 Jahren unabhängig von Öl, Gas und Kohle zu machen. In Spanien beschloss das Kabinett Ende August, den Anteil Erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch innerhalb der nächsten fünf Jahre zu verdoppeln.

Um ihre Ziele zu erreichen, möchte man in beiden Ländern vor allem den Ausbau von Wind- und Bioenergie vorantreiben. Bis 2010 will die Regierung in Madrid so den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung von derzeit 19,8 Prozent auf 30,3 Prozent steigern. "Damit würde sie ihr EU-Ziel sogar um fast einen Prozentpunkt übertreffen", kommentiert Dr. Simone Peter, Leiterin der Informationskampagne für Erneuerbare Energien in Berlin. Der Beitrag von Biosprit am gesamten Kraftstoffverbrauch in Spanien wird sich dem Plan nach in den nächsten fünf Jahren gegenüber heute sogar versechsfachen: 5,8 Prozent der Kraftstoffe sollen im Jahr 2010 aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Das gesamte Programm zur Förderung der Erneuerbaren Energien kostet dem von der spanischen Regierung vorgestellten "Energieplan 2005-2010" zufolge 23,6 Milliarden Euro. Den größten Anteil davon soll die Industrie finanzieren. Noch ehrgeiziger sind die Pläne der Regierung in Stockholm: Bis 2020 soll Schweden komplett aus der Stromerzeugung mit fossilen Rohstoffen aussteigen.

Im Wärmebereich setzt die Regierung in Stockholm zur Offensive an: Mit Steuererleichterungen will sie in mehr als 250.000 der 3,8 Millionen schwedischen Haushalten den Umstieg von Heizöl auf Erneuerbare Energien fördern. Mit einer ähnlichen Initiative solle ebenfalls der Umstieg von Elektroheizungen auf umweltfreundlichere Formen des Heizens unterstützt werden, heißt es in der Regierungserklärung. Stockholm kündigte zudem Programme an, um die Forschung im Bereich Erneuerbare Energien zu fördern sowie den Export von entsprechenden Anlagen zu verstärken. (Quelle: www.sonnenseite.com)

22.9.05

(Finanzen) Mehr Nachhaltigkeitsfonds

Die Alternative Bank ABS ermöglicht, auf eine breitere Palette von Nachhaltigkeitsfonds zuzugreifen. Neben Angeboten der Basler Bank Sarasin sind bei der ABS nun auch die entsprechenden Fonds der Raiffeisengruppe zu haben. Deren erfolgreiche Futura-Fonds werden aufgrund eines Ratings von inrate zusammengestellt, die wiederum mit der Bank Vontobel zusammen arbeitet.

Eine insgesamt sinnvolle Möglichkeit also, getrübt allerdings durch einige Vermouthstropfen. So beträgt die Ausgabekommission 2,5 Prozent und damit mehr als bei manchen anderen Fondsverkäufern in der Schweiz. Da hilft die ABS-Praxis, 0,5 Prozent an den Verein kritischer Aktionäre weiter zu leiten, nur bedingt weiter. Auch sind die Investitionssummen mit mindestens 10'000 Franken (Erstanlage) und 5000 Franken (Folgeanlagen) relativ hoch.

Schliesslich löst auch das ABS-Angebot ein allgemeines Dilemma der CH-Fondsszene nicht. Es sind nämlich kaum Fondssparpläne möglich, die ein ratenweises Einzahlen kleinerer Beträge ermöglichten. Genau diese Sparart ist es aber, die sich für das Fondssparen als besonders geeignet erweist. Bei tiefen Fondspreisen werden dann relativ viele Anteile und umgekehrt bei höheren Preisen wenige erworben. Was auf die Dauer einen durchschnittlich tiefen Einkaufspreis ergibt. Das bieten für Nachhaltigkeitsfonds derzeit nur Postfinance (für den Swissca Green Invest) und die Raiffeisengruppe selbst für ihre eigenen Fonds. Trotz des ABS-Angebots ist die Fondspalette in der Schweiz also auch im Bereich der Nachhaltigkeit leider weiterhin dürftig.

17.9.05

(Medien) Ringier liquidiert klammheimlich

Die Wirtschaftszeitung Cash liefert ein Beispiel, wie Schönfärberei im Medienbusiness je länger je häufiger das Mass der Eigenberichterstattung ist. Heisst es doch im neuesten Editorial; «Die Leserschaftszahlen bestätigen die Führungsposition von Cash unter den Schweizer Wirtschaftszeitungen – trotz eines leichten Rückgangs.» Was Chefredaktor Schütz auch noch festhält betreffs der Steuersituation in der Schweiz («die Gefahr ist offenstichtlich, dass sie ihren Vorsprung verspielt») müsste betreffs der eigenen Positionierung wohl ebenso gelten. Angesichts von immerhin sieben Prozent Leserschaftsschwund und vor allem, weil er ein anderes Faktum verschweigt.

Während nämlich Neulancierungen bei Ringier jeweils gross angekündigt und gefeiert werden, erfolgen Blatteinstellungen klammheimlich. So wieder beim Vermögensmagazin VALUE, das bislang monatlich dem Wirtschaftsblatt Cash beilag und auf Ende Jahr eingestellt wird. Die Themen würden künftig ausführlich in der (nur noch zweibündigen) Zeitschrift abgehandelt – soweit die dürre unternehmensinterne Verlautbarung. Gegenüber der Öffentlichkeit Funkstille, siehe Cash-Editorial. Das war schon vor zwei Jahren so, als die damals noch hausinterne VALUE-Redaktion eliminiert wurde und rund ein Dutzend Leute ihre Anstellung verloren. Wochenlang hatte es im Ringier-Intranet nur geheissen, die Betroffenen können sich um das Outsourcing bewerben. Darunter befand sich auch der Schreibende.

Somit ist auch die letzte der neueren Schweizer Lancierungen ein Flop. Besser geht es Ringier nur im Ausland, wo das deutsche High-Level-Magazin Cicero herauskam oder in Osteuropa, wo gerade erst eine Gratiszeitung angekündigt wurde. Doch der Schweizer Markt ist für Ringier offenbar tot. Da helfen die Überlebensübungen mit dem Lifestyleheft Bolero wenig. Oder ist es ganz einfach das hiesige Management, das ideenlos an Projekten von gestern herumbastelt und ein Unternehmensführer, der bei den ersten Anzeichen eines Flops gleich die Segel streicht? Dabei ist trotz allen sportlichen Vorlieben des Michael Ringier nicht bekannt, dass er auch noch segeln ginge (neben Tennis und Skilanglauf). Personalia wie Geschäfte bleiben so oder so besser unter dem Deckel, siehe nochmals Cash und VALUE.