14.5.05

(Finanzen) Top-Fondsinfo

Die US-Fondsratingagentur Morningstar ist in der Schweiz mit dem Anlegermagazin Stocks eine Medienpartnerschaft eingegangen. Über www.stocks.ch/morningstar sind nun ausführliche Ratings für verschiedenste Anlageklassen sowie allgemeine aktuelle Fondsinformationen abrufbar. Ausführliche Marktkommentare ergänzen das vielfältige statistische Zahlenmaterial – das sich übrigens zu eigenen Vergleichen zusammen führen lässt. Eine gute Seite für Fondsinteressierte, mit derzeit folgenden Aktualitäten:

Die Top-Ten-Liste der erfolgreichsten Fonds der letzten drei Jahre sieht den Indienfonds von HSBC an der Spitze. Gleich mitgeliefert wird ein ausführlicher Artikel über das Wirtschaftswunder in Indien, welches noch immer im Schatten des chinesischen abläuft, aber nicht minder heftig ausfällt. Nicht wenige Finanzanalysten sehen derzeit Indien gegenüber China gar im Vorteil, wenn auch beide Volkswirtschaften riesigen Strukturproblemen gegenüber stehen.

Ein weiterer aktueller Kommentar der Site widmet sich der Entwicklung der Rohstoffmärkte und stammt ebenfalls aus der Analyseabteilung von Morningstar. Darin heisst es unter anderem: «Rohstoffkörbe haben mit Blick auf Aktienmärkte eine Korrrelation nahe null (Rentenmärkte und Rohstoffe korrelieren leicht positiv). Die Bewegungen an den Kapitalmärkten haben somit deskriptiv statistisch keinen Einfluss auf die Entwicklung der aggregierten Rohstoffpreise und umgekehrt. Damit punktet die Asset Klasse unter Diversifikationsgesichtspunkten. Die Schwankungsanfälligkeit eines Wertpapierdepots nimmt durch die Beimischung von Commodoties ab.

11.5.05

(Umwelt) Schizophrene Reisebranche

Mit Zuschlägen ist die Reisebranche jeweils schnell zur Hand, wenn der Ölpreis wie unlängst in die Höhe schnellt. Selbst Frühbucher werden gestraft, indem noch eine Preiserhöhung nachgeschoben wird. So geschehen Mitte April für Charterflüge. Oder wer hat sich nicht schon über die im Kleingedruckten geltend gemachten Zuschläge geärgert, die den ursprünglichen Billigtarif zum normalen Flugtarif verkommen lassen?

Absurd mutet an, dass nur in diesem Falle die Kosten weiter gereicht werden. Für die längst bekannten, ökologisch bedenklichen wie finanziell beträchtlichen negativen Auswirkungen der Fliegerei scheint demgegenüber ein Zuschlag unmöglich. Immer wieder wehrt sich die Branche mit dem Hinweis auf die internationale Konkurrenz gegen jedwede Art von Kerosinsteuer.

Bleibt nur die eigene Tat, etwa im Rahmen von CliPP, der Climate Protection Partnership. Das Projekt leitet einen freiwillig entrichteten Zuschlag an Klimaschutzprojekte weiter (www.clipp.org). Ein leicht billigeres Angebot gibt es über die studentische Initiative www.myclimate.org.

8.5.05

(Medien) Neue soziale Perspektiven

«Arbeit schaffen statt Rente zahlen» ist das Anliegen der Zürcher Sozialpolitik. Eine neue Schrift aus der Edition Sozialpolitik zeigt, wie die grösste Schweizer Metropole das Anliegen umsetzen will. Gestärkt werden soll damit vor allem die soziale Komponente nachhaltigen Wirtschaftens. Die Zürcher Sozialamtsvorsteherin Monika Stocker macht es in einem einleitenden Interview klar: «Das Sozialwesen ist nicht so gut, dass keine Verbesserungen mög-lich wären, aber auch nicht so schlecht, wie es gewisse PolitikerInnen sehen wollen.» Und die nötigen Verbesserungen haben laut Stocker eine klare Stossrichtung. Es gilt ins Soziale zu investieren und dann wird es uns allen besser gehen.

Ins Soziale investieren bedeuten vor allem, Perspektiven für die Betroffenen zu eröffnen. Damit wird der Übergang möglich von der reinen Sozialhilfe zu einer teilweise an Leistung gekoppelten Entlöhnung. Umgekehrt gibt es laut Stocker in unserer Gesellschaft an sich genügend Arbeit. Viele Dienstleistungen können aber nicht mit voll bezahlten Hochleistungsarbeitsplätzen erbracht werden. Hier kommt dem sogenannt ergänzenden Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle zu. Monika Stocker zeigt auch auf, wie sich die Arbeitsgesellschaft ständig wandelt und die kommunale Sozialpolitik parallel gefordert ist. Während früher Integration arbeitsloser Jugendlicher, Randständiger und Asylsuchender eher gelang, scheint solches angesichts einer radikal veränderten Arbeitswelt kaum mehr umfassend möglich. So wird es zur zentralen Frage, wie das Wirtschaftssystem mit dem Wandel der Arbeitsgesellschaft umgeht.

Nachhaltigkeit im sozialen Bereich bedeutet neben der Gestaltung der Arbeitswelt zuallererst auch das Schaffen von Arbeitsplätzen, die vielleicht nicht immer auf alle Zeiten abgesichert sind – die aber für gewisse Zeit Beschäftigung und Einkommen ermöglichen und damit Chancen und Perspektiven eröffnen.

Buchtipp: «Neue Perspektiven der Arbeitsintegration», Edition Sozialpolitik Nr. 11, hrsg. vom Sozialdepartement der Stadt Zürich; zu beziehen über info@sd.stzh.ch

3.5.05

(Umwelt) Neue Solarkraftwerke: Kommt die Superzelle?

Kann es sein, das sogenannte Konzentratorzellen künftig 800-Mal mehr Solarstrom erzeugen als konventionelle Solarzellen aus Silizium? Das behauptet "Die Zeit" in einem Energie-Spezial vom 28. April 2005.

Die Erfinder dieser neuartigen Zellen, das deutsche Physiker-Ehepaar Inge und Nikolaus Laing, leben seit 27 Jahren in Südkalifornien, in San Diego, wo die Sonne scheint wie in Nordafrika. "Wir wollen die Erzeugung von Elektrizität aus Sonnenkraft revolutionieren", sagt Nikolaus Laing, Chef eines fünf-köpfigen Forscherteams, das vom US-Energieministerium unterstützt wird. In Deutschland war zuvor Forschungsfeld für private Forschung abgelehnt worden. Damals wurde in Deutschland Geld überwiegend in staatliche Institute oder in Großkonzerne wie Siemens investiert. Also gingen die Laings in die USA. Bis heute haben sie 1000 Patente angemeldet. Allein in den USA wurden über 200 Patente erteilt. Über 66 Anmeldungen werden kommerziell genutzt.

Das 78 und 82 Jahre alte Ehepaar Laing hoffen, den Bau der ersten kommerziellen Kraftwerke mit Konzentratorzellen noch zu erleben. Der höhere Wirkungsgrad wird durch die Bündelung des Sonnenlichts, die permanente Neuausrichtung der Anlage nach dem Stand der Sonne und mit speziellen Solarzellen erreicht. Die Laings versprechen, dass die neuen Kraftwerke künftig Kohle- und Atommeiler ersetzen können.

Das Kraftwerk mit den neuen Zellen schwimmt in einem kreisrunden Bassin und orientiert sich immer an der Sonne. Deshalb kann das Kraftwerk 80 Prozent der auf die Brenngläser treffenden Sonnenstrahlen nutzen. Auch Hermann Scheer glaubt an die künftigen Superzellen, schränkt jedoch ein, dass sie wegen des großen Gewichts der Wasserkühlung nicht auf Flachdächern montiert werden könnten. Die neue Technik sei vor allem für Wüstenland geeignet, wo es viel freie Fläche und noch mehr Sonne zur Gewinnung von Energie gibt. (Quelle: www.sonnenseite.com)

30.4.05

(Finanzen) Leibrente ist auch ein Risiko

Statt nach der Pensionierung vorhandenes Eigenkapital selbst zu verwalten, liegt der Abschluss einer Leibrente nahe. Sie garantiert ab sofort oder mit aufgeschobenem Leistungsbeginn ein sicheres monatliches Einkommen bis zum Tode. Je nach Abschluss erhalten die Erben gar – ganz im Gegensatz zur Pensionskassenrente – allenfalls vorhandenes Restkapital ausbezahlt (sogenannte Rückgewähr). Und eine Leibrente lässt sich, so ein weiterer Vorteil, auch auf zwei Leben abschliessen. Der Einbezug des Ehepartners ist also problemlos möglich.

Soweit zu den Vorteilen dieses auf den ersten Blick bestechenden Instruments finanzieller Altersvorsorge. Wie das Magazin K-Geld in seiner neuesten Ausgabe (2/05) belegt, ist die Sache so einfach aber auch wieder nicht. Wer eine Leibrente abschliessen möchte, sollte unbedingt mehrere Vorschläge einholen. Frühere Vergleiche verschiedener Gesellschaften helfen wenig, da diese selbst ihre Konditionen laufend verändern.

K-Geld kommt im aktuellen Vergleich per April 2005 zum Schluss, dass die garantierten Jahresrenten von 14 Gesellschaften so weit nicht auseinander liegen. Sie betragen nach einer Einmaleinlage von 300'000 Franken für ein Ehepaar leicht über 11'000 Franken. Der Haken liegt jedoch bei den nichtgarantierten Überschüssen, die sich pro Jahr um Tausende unterscheiden – und eben, sie sind nicht garantiert, sondern vom erzielten Finanzergebnis abhängig. Änderungen der Überschüsse bei Lebensversicherungen sind den VersicherungsnehmerInnen in schlechter Erinnerung.

Zu den finanziellen Unsicherheiten kommen noch steuerliche Belastungen, die die Leibrente wenig attraktiv erscheinen lassen (40 Prozent sind als Einkommen zu versteuern). Und doch: Wer gar nichts mit seinem frei verfügbaren Kapital zu tun haben möchte, mag sie wählen. Eine Auszahlung des Pensionskassenkapitals, nur um eine Leibrente zu erwerben, scheint hingegen in den wenigsten Fällen sinnvoll. Konkret am besten gemäss Aufstellung von K-Geld schnitten die Angebote der Raiffeisenbanken und von CS/Winterthur ab.

23.4.05

(Finanzen) Nestlé ist nicht das Letzte!

Wer geglaubt hätte, die Eskapaden der Nestlé-Führung hätten die Topshots des Nahrungsmittelmultis der Leaderschaft in Bad Governance überführt, sieht sich durch die Wirtschaftszeitung Cash jetzt eines besseren belehrt. Deren neueste Ausgabe belegt, dass die beiden Chemiegiganten aus Basel, Novartis und Ciba, Nestlé locker übertrumpfen. Ins Auge stechen dabei die Praxis, unverhältnismässig hohe Löhne – auch ohne Leistungsausweis – an die Oberen zu entrichten sowie das Doppelmandat, das auch die Basler Spitzen bezüglich Geschäftsleitung und Verwaltungsrat kennen.

Nach der Arena-Diskussionssendung von Freitagabend wissen wir auch oder vermuten mit gutem Grund, warum der geschiedene Nestléboss Rainer E. Gut die Auseinandersetzung mit Dirk Schütz, Chefredaktor von Cash, scheute. Schütz argumentiert äusserst geschliffen und stellt all die Argumente der Doppelmandatsträger wie der Hochlohnbezüger spielend in die Ecke. Beispielsweise könne auf keinen Fall von einem Markt für die Topshots gesprochen werden, der die 20-Millionengehälter bedinge. Denn des gebe keinen einzigen europäischen Spitzenmanager in den USA und kaum einen erfolgreichen amerikanischen in Europa. Auch dürfe man nicht ständig – wie von Nationalrat Spuhler wiederholt versucht – das angelsächsische System als Begründung beiziehen für hohe Löhne - um es flugs wegen seiner Andersartigkeit als ungeeigneten Bezugspunkt zu etikettieren, wenn es um Transparenzrichtlinien geht.

Da mag das Bekenntnis des Schreibenden hilflos wirken – und doch ist es die letztmögliche Tat. Ich habe in den letzten Tagen meine – aus einer Erbschaft stammenden - Novartisaktien abgestossen und damit den letztmöglichen Schritt der Aktionärsdemokratie wahrgenommen. Auch Pensionskassen sollten diesen Weg beschreiten, wenn er bei den Schwergewichten der CH-Börse zugegebenermassen auch schwierig bis ins Letzte zu verfolgen ist.

20.4.05

(Finanzen) Beteiligungsgesellschaft SPG in Bedrängnis.

Instrumente für das nachhaltige Investieren gibt es unterdessen zahllose. So führt eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für den europäischen Raum deren 112 Fonds auf, die insgesamt rund 5,3 Milliarden Euro an Investitionen vereinen. Daneben gibt es weitere Finanzinstrumente, hierzulande unter anderem die Beteiligungsgesellschaft Sustainable Performance Group (SPG), die am heutigen Mittwoch in Zürich ihre Generalversammlung abhielt.

Zu berichten gab es den AnlegerInnen, die rund 200 Millionen Franken investiert haben, wenig Erfreuliches. Während in früheren Jahren der Vergleichsindex doch in der Mehrzahl der Fälle übertroffen wurde, war dies 2004 nicht der Fall. Die negative Performance blieb deutlich hinter dem MSCI-Index zurück. Verwaltungsratspräsident Ernst A. Brugger bezeichnete die Entwicklung auch für die Verantwortlichen als «frustrierend». Zurückzuführen sei sie auf das schlechte Abschneiden einiger Kerninvestitionen, etwa des Chemieriesen Pfizer, der Elektronikfirma SEZ oder des Windturbinenherstellers Vestas.

Unterdessen hat der Verwaltungsrat eine Kurskorrektur vorgenommen. So sollen die Engagements künftig vornehmlich bei mittleren und nicht mehr in grosskapitalisierten Unternehmen erfolgen. Ausnahmen wie Toyota vorbehalten, denn den Autohersteller sieht man bei SPG nach wie vor als grossen Innovator wie auch Leader seiner Branche mit Potenzial. Zudem vertraten die Verantwortlichen den Standpunkt, den Vergleich mit Fonds nicht scheuen zu müssen. Für die AnlegerInnen sei mehr Transparenz gegeben und Mitsprache möglich. Auch die Performance liege für SPG immer noch im Bereich der besten Nachhaltigkeitsfonds. Die Statistiken sprechen allerdings eine andere Sprache. Lag doch die Performance der SPG seit 2001 regelmässig hinter jener der grossen Nachhaltigkeitsfonds, die in der Schweiz auf dem Markt sind (Swisscanto Green Invest, UBS Eco Performance, CS Global Sustainability).

17.4.05

(Finanzen) Genug von Nestlé?

Der Schweizer Nahrungsmittelmulti hat sich in den letzten Wochen nicht mit Ruhm bekleckert. Die Auseinandersetzung um das Doppelmandat an der Spitze des Unternehmens zieht auch noch nach der Generalversammlung ihre Kreise. So machte die NZZ am Sonntag bekannt, dass der annähernd allmächtige Nestléboss Peter Brabeck nun auch noch für das Vizepräsidium im VR der Credit Suisse kandidiert. Weil er bei der CS schon bisher unter anderem für die Vergütungen höchster Kader mitverantwortlich zeigte, kommt der allfälligen Wahl wiederum hohe Bedeutung zu. Die Anlagestiftung Ethos, die schon die Opposition bei Nestlé anführte, hat ihren Widerstand bereits angekündigt.

Unschön auch, was die Sonntagszeitung enthüllt: Dass nämlich der Postchef Ulrich Gygi entgegen dem Beschluss der Pensionskassenleitung seines Unternehmens die Ethos-Vorschläge bei Nestlé nicht unterstützte. Das wird zweifellos noch für Gesprächsstoff sorgen und rückt das Eingeständnis von Rainer E. Gut in der Arena-Diskussion in ein besonderes Licht. Hatte er dort doch zugegeben, bei Gygi interveniert zu haben.

Wem damit endgültig der Kragen platzt in Bezug auf ein finanzielles Engagement bei Nestlé, der sei daran erinnert, dass verschiedene Nachhaltigkeitsfonds ein nicht unerhebliches Engagement beim Nahrungsmittelmulti aufweisen. Dazu gehören gemäss www.nachhaltiges-investment.org unter anderem nicht nur der Ethos-Fonds, sondern auch der Pictet Funds Sustainable Equities Switzerland, der Wasserfonds des gleichen Anbieters und der Dexia Allocation Sustainable Europe. Die Website ist übrigens eine hervorragende Quelle, um für bestimmte Firmen zu eruieren, in welchen Nachhaltigkeitsfonds sie vertreten sind.

(Finanzen) Blick auf die Weltbörsenindizes

In den vergangenen Tagen hat sich an den Weltbörsen eine Entwicklung akzentuiert, die sich seit Jahresanfang abzeichnete. Die US-Märkte gehören zu den Verlierern, erstaunlicherweise ausgerechnet in einer Phase, während der die Ölpreise nachzugeben scheinen und die Rekordmarken vorderhand zumindest ausgebremst scheinen. Womit ja auch die Prophezeiungen eines Ölpreises von über 100 US-$ zumindest vorderhand widerlegt sind. Woher die schlechte Performance der US-Werte stammt, sei dahin gestellt – auch wenn die Versuchung einer politischen Wertung nahe liegt, so im Sinne: Endlich wird sich das Land und die ganze Welt der verhängnisvollen Politik des US-Präsidenten gewahr....

Noch erstaunlicher: die anhaltend guten Werte in fast ganz Europa, wo sich die Indizes vieler wichtiger Börsen nahe an ihren Höchstwerten der letzten Jahre herumhangeln, so ja auch in der Schweiz. Was ist mit der viel gescholtenen Wachstumsschwäche Europas? Oder wird sie sich dank der wirtschaftlichen Entwicklung der osteuropäischen Staaten lösen, die allesamt noch bessere Werte aufweisen und die seit Jahresbeginn teils bereits ein zweistelliges prozentuales Wachstum hingelegt haben? Dazu gehören die Börsen von Prag, Budapest und Moskau.

Wer sich als Contrarian im Investmentgeschäft betätigen will, halte sich nun also eher an US-amerikanische Titel oder Fonds und steige umgekehrt aus den europäischen aus. Allerdings – dem Verfasser von tipp.ch scheint der Schritt verfrüht, die Lage vielmehr fundamental in die gleiche Richtung wie bis anhin zu weisen. Also doch ein Investment in europäische Papiere und selektiv in die aufstrebenden Märkte der Staaten des Südens. Dort sind derzeit rückläufige Preise zu beobachten, die Gefahr ausgerechnet bei einem Allzeithöchst einzusteigen ist derzeit vor allem in Asien nicht vorhanden.

14.4.05

(Umwelt) Die AutoTram® macht mobil

Eine Straßenbahn, die keine Schienen braucht, sondern wie ein Bus über die Straßen fährt – ein neuartiges Fahrzeugkonzept macht es möglich. Die AutoTram® kombiniert die Vorzüge von Bahnen und Bussen: Sie kann bis zu 300 Fahrgäste transportieren und ist dennoch so flexibel wie ein Bus. Weiterer Vorzug: Die AutoTram® wird umweltfreundlich mit einer Brennstoffzelle angetrieben. Das deutsche Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden stellte anfangs April auf seinem Versuchsgelände das neuartige Erprobungsfahrzeug dem Fachpublikum vor.

Wie eine Bahn schlängelt sich das dreiachsig gelenkte Fahrzeug spurtreu durch enge Innenstädte. Dennoch sind weder Schienen, noch ein teures Oberleitungsnetz zu sehen. Der 18 m lange Gelenkzug rollt auf Gummirädern durch die Strassen. »Möglich macht das die optische Spurführung«, erläutert Matthias Klingner, Leiter der Abteilung Verkehrssystemtechnik. Sensoren erkennen die gängigen Fahrbahnmarkierungen und helfen so dem Fahrer der AutoTram® exakt die Spur zu halten. Es lassen sich Züge mit einer Länge von bis zu 56 m bilden, die etwa 300 Fahrgäste befördern.

Weitere Besonderheit der AutoTram®: Das Fahrzeug fährt mit Brennstoffzellenantrieb. Energie für die Fahrmotoren liefert eine 80 kW Brennstoffzelle der Ballard Power Systems AG – ähnlich wie beim F-Cell von DaimlerChrysler. Obwohl die AutoTram® etwa 14mal schwerer ist als die F-Cell Fahrzeuge, ist die Größe des mit Wasserstoff betriebenen Aggregats für maximalen Fahrtkomfort völlig ausreichend. Denn die Forscher nutzen einen kompakten 325 kW Schwungradmassespeicher mit einer Speicherkapazität von 4 kWh. Damit können die im städtischen Verkehr typischerweise hohen Leistungsschwankungen abgedeckt werden. (Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

10.4.05

(Finanzen) Fund Lab der Credit Suisse ausgebaut

Drei weitere prominente und auch erfolgreiche Fondsgesellschaften bieten ihre Produkte nun über das Fund Lab der Credit Suisse Group an. Wie den Fund Lab News zu entnehmen ist, sind seit diesem Frühling Barings Group, Gartmore Group und Capital International Funds dabei. Und weil es sich beim Fund Lab um ein äusserst effektives Instrument der Fondsanlage bietet, sei hier dem Werbespruch Raum gegeben: «Fund Lab bringt seit fünf Jahren Transparenz in den Fondsmarkt. Dank Fund Lab können Sie mehr als 2400 Fonds von über 55 Anbietern mit Hilfe von Chart-Tools, Fact Sheets und vielem mehr miteinander vergleichen und die besten Anlagefonds auswählen und über Direct Net kaufen.»

Und noch ein paar Informationen zu den neu im Fund Lab vertretenen Gesellschaften: «Baring AM has more than € 26 billion of assets under management and operate from offices in Europe, Japan, North America and the Far East offering a wide range of equity and fixed income funds in both domestic and international markets. Over 100 investment professionals regularly visit companies around the world in order to seek out those companies that they believe will both perform well and deliver the returns investors demand. Capital International Funds is part of the Capital Group Companies, a privately-owned global investment management organisation. Founded in Los Angeles in 1931, the organisation has over 70 years experience managing money for institutions and individuals. The group employs over 6,500 people worldwide.

Die Gartmore Group schliesslich ist eine internationale Vermögensverwaltungsorganisation, deren Zielsetzung es ist, durch einen disziplinierten Investmentprozess maximale Erträge zu erwirtschaften. Das Angebot umfasst eine breite Palette an Investmentprodukten und Dienstleistungen. Die Gartmore Group verwaltet ein Vermögen von 59,8 Mrd. Euro.

7.4.05

(Umwelt) Bio nach wie vor ein Renner

Bio-Produkte sind bei Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten nach wie vor gefragt. Der Gesamtumsatz im Bio-Markt lag 2004 bei 1,19 Mrd. Franken, dies gegenüber 1,15 Mrd. Franken im Vorjahr. Der Boom, Betriebe auf "Bio" umzustellen, ist vorbei. 160 Franken gaben Herr und Frau Schweizer pro Kopf im Durchschnitt für Bioprodukte aus, wie Bio Suisse in Bern mitteilte. Nach wie vor beliebt seien Frischprodukte wie Fleisch, Milchprodukte, Brot, Eier, Gemüse, Früchte. In diesem Bereich wurde ein Umsatz von 692 Mio. Franken erzielt und ein Marktanteil von rund 7 % erreicht. Der Eier-Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 15 % auf rund 40 Mio. Franken. Vor allem in der Romandie wuchs die Nachfrage: Der Umsatz mit Bio-Eiern war in der Westschweiz um 39 % höher als 2004.

Die gesamtschweizerisch höchsten Zuwachsraten verzeichneten laut Bio Suisse » neben Eiern Bio-Rahm und -Gemüse. Die Umsätze mit Milch und Brot blieben stabil. Neue Impulse gaben neue Angebote wie Fische, UHT-Kaffeerahm, regionale Produkte und Convenience-Produkte. Der Boom, Betriebe auf biologische Produktion umzustellen, ist laut Bio Suisse vorbei. Ende 2004 trugen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein 6320 Betriebe das Zertifikat; 142 weitere in beiden Ländern wollen die Produktion 2005 umstellen.

Die Zahl der Betriebe mit dem Knospe-Label würde damit um insgesamt 2,2 %Prozent steigen. Erfahrungsgemäß sei die effektive Zunahme aber tiefer, weil rund 10 Prozent der Umstellungen abgebrochen und bisherige Betriebe - ob konventionell oder biologisch - aufgegeben würden, schrieb Bio Suisse dazu.
2004 stieg die Zahl der Knospe-Betriebe in der Schweiz und in Liechtenstein um 0,6 % und 2003 um 2,6 %. Die stärkste Zunahme seit 1993 wurde 1997 (71 %) registriert. Werden alle für 2005 geplanten Umstellungen realisiert, werden 11,2 % der Schweizer und 32,3 % der Liechtensteiner Betriebe nach Bio-Kriterien bewirtschaftet. In Deutschland sind es lediglich stark 4 % und in Österreich etwa 10 %. (Quelle: www.bluewin.ch)

6.4.05

(Finanzen und Medien) Nachhaltigkeit im Web überprüft

Die Site www.nachhaltiges-investment.org sorgt für den umfassenden Überblick bei nachhaltigen Geldanlagen. Wenn auch deutscher Herkunft, bringt die Site viele für die Schweiz relevante Informationen. So sind die wichtigsten Indizes zum nachhaltigen Investieren ausführlich dargestellt und jede einzelne Firma kann überprüft werden, zu welchem Index sie derzeit gehört. Besonders interessant: Aufgeführt ist auch, in welchen Fonds eine Unternehmung derzeit zu den Top-Ten-Investments gehört – Nestlé beispielsweise im Frühjahr 2005 beim Ethosfund, beim Pictet Sustainable Equities Switzerland und auch beim Wasserfonds des gleichen Anbieters.

Rund die Hälfte der Finanzdienstleister, die www.nachhaltiges-investment.org unterstützen, stammen aus der Schweiz, nämlich die Bank Sarasin, die Credit Suisse Group, die EPS Value Plus, Inrate, New Value und die Zürcher Kantonalbank. Ebenso zählen beim Research die Inrate, die ZKB und das Centre Info Schweizer Institutionen zu den wichtigsten Trägern.

Die Fondssuche schliesslich erlaubt das Aufstöbern aller im deutschsprachigen Raum vertretenen Nachhaltigkeitsfonds, deren genaue Beschreibung den Investitionsentscheid erleichtern. Sowohl Investitionsprozesse wie allfällige Positiv- oder Ausschlusskriterien der Fonds sind dargestellt. Wirklich eine gute Hilfe für AnlegerInnen, die auch schon zum Schluss gekommen sind, dass es ein nachhaltiges Investment sein muss. Wen ein einzelnes Investment überzeugt, der kann übrigens gleich auch die Unterlagen anfordern!

4.4.05

(Umwelt) Weltweit erfolgreichstes Gesetz für sauberen Strom

Das Deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde am 1. April fünf Jahre alt. Innerhalb dieser Zeit konnte die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Deutschland verdoppelt werden. "Damit ist das EEG das erfolgreichste Gesetz zum Ausbau der Erneuerbaren Energien weltweit", so Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Die Kosten für den sauberen Strom wurden dabei Jahr für Jahr gesenkt - allein für die Windkraft in diesen fünf Jahren um fünfzehn Prozent.

Lackmann: "Das Gesetz hat geschafft, wofür uns andere Länder beneiden. Ausbau und Kostensenkung gehen in Deutschland Hand in Hand. Währenddessen müssen Länder wie Großbritannien und Italien feststellen, dass ihre Instrumente zu deutlich geringerem Ausbau bei höheren Kosten führen. Deswegen übernehmen immer mehr Staaten wie zuletzt Tschechien, China und Frankreich das deutsche EEG." "In Deutschland hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz dazu geführt, dass sich eine innovative mittelständische Industrie entwickeln konnte", so Lackmann. Der Großteil der 130.000 Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbare Energien sei auf das EEG und seinen Vorläufer, das Stromeinspeisegesetz zurückzuführen. (Quelle: www.oekonews.at)

3.4.05

(Umwelt) Beyond Petroleum!

Greenpeace und der Europäische Photovoltaik Verband (EPIA) haben die Studie "Solar Generation II" vorgestellt. Danach soll bis 2009 die Photovoltaik-Branche weltweit pro Jahr um 29 Prozent und danach bis 2020 um jährlich 34 Prozent wachsen.

Bis 2020 sollen 205 Gigawatt Solarstrom produziert werden - heute sind es 2,4 Gigawatt - also mehr als eine Verhundertfachung. Damit können mehr als eine Milliarde Menschen mit Solarstrom versorgt und pro Jahr 169 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das Weltmarktvolumen würde pro Jahr 62 Milliarden Euro erreichen gegenüber 2,6 Milliarden heute und weltweit wären nach dieser Studie bis 2020 über 2,25 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden - durch Produktion, Vertrieb und Service der Photovoltaikanlagen.

Und wer das alles für Hirngespinste hält, orientiere sich vielleicht an einer der weltgrössten Ölfirmen: BP stand früher für British Petroleum. Doch ihr Geschäftsfeld erstreckt sich längst nicht mehr nur aufs Öl, Solarpanels und ganze Solarfabriken tragen schon das Label BP. Vor einem Vierteljahr hat sich die Firma nun offiziell einen neuen Namen gegeben – Beyond Petroleum, das Nach-Öl-Zeitalter ist eingeleitet.

1.4.05

(Finanzen) Hände weg von Leibrenten

Leider kein Aprilscherz, was Versicherungsspezialist Hansruedi Berger im Tages-Anzeiger vom 1.April nachweist: Leibrenten sind ein schlechtes Geschäft! Nicht für die Versicherer natürlich, sondern für die Versicherten. Über die Gesellschaften weiss man wie stets wenig. Wie bei all ihren Produkten ist auch der Geschäftsbereich Leibrenten kaum zu durchschauen. Die Versicherten haben aber ihre klaren – und bitteren – Erfahrungen gemacht. Das heisst: Was versprochen wurde, wird von den Geselllschaften heute nicht gehalten und mahnt zur Vorsicht für die Zukunft.

Leibrenten sind lebenslänglich und regelmässig ausbezahlte Beiträge der Versicherer. Finanziert wurden sie durch eine Einmaleinlage oder regelmässige Zahlungen – die private AHV quasi. Und einst als sinnvolle Ergänzung der doch ach so unsicheren staatlichen Vorsorge gepriesen. Den Versicherten wird ein garantierter Betrag als Rente plus ein Überschuss in Aussicht gestellt, abhängig vom Geschäftsergebnis. Und da dieses in den letzten Jahren schlecht ausfiel, wurde munter an den Überschüssen «abgezwackt».

Leibrenten sind somit eine denkbar schlechte Variante der Altersvorsorge und nur nach genauesten Abklärungen empfehlenswert! Wenn schon Risiko bei der Anlage: Dann doch lieber Aktienfondsanlagen über einen längeren Zeitraum. Dort winkt neben dem Risiko der minderen Rente wenigstens auch die Chance eines zusätzlichen Gewinns.

31.3.05

(Finanzen) Vanguard, na endlich!

In das Schweizer Fondsgeschäft kommt – endlich wieder – Bewegung. Einer der weltgrössten und erfolgreichsten Anbieter sogenannter Indexfonds bringt, der Schwyzer Kantonalbank sei als Kooperationspartnerin gedankt, seine Produkte in die Schweiz. Wie die Finanzzeitung Cash in ihrer neuesten Ausgabe vermeldet, wird Vanguard insgesamt deren elf Indexfonds anbieten.

Mit den Vanguard-Indexfonds wird es für sieben Aktien- und vier Obligationenmärkte möglich sein, an deren Auf und Ab zu günstigen Bedingungen zu partizipieren. Denn darin liegt das Erfolgsgeheimnis der Indexprodukte. Sie bilden massstabgetreu einzelne Märkte ab. Beträgt also beispielsweise die Börsenkapitalisierung einer Aktie zehn Prozent des Gesamtwerts dieses Marktes, so werden sich auch die Mittel des Indexfonds zu einem Zehntel in dieser Aktie investiert.

Dieses Abbilden des Marktes benötigt keine aufwändige Analyse, entsprechend billiger sind die Fondsverwaltungskosten. Was sich wiederum in der Rendite eines Fonds bemerkbar macht, vor allem zu Zeiten tieferer Erträge. Ins Gewicht fällt zudem, dass von Fonds, die den Index eben nicht abbilden und damit hohe Kosten verursachen, doch nur ein Bruchteil eine bessere als die Marktentwicklung nachweisen können. Also lohnt sich für AnlegerInnen, zumindest einen guten Teil der Investments in Indexfonds zu investieren – und da bieten die neu zugänglichen Vanguardprodukte eine ideale Möglichkeit.

27.3.05

(Medien) Der ultimative Webführer

So übersichtlich dargestellt, so viele nützliche Internetadressen verglichen! Das hat bis jetzt kaum ein Webführer so gut gemacht wie das «Spezial» aus dem Konsumentenverlagshaus k-tipp. Kern des rund 90seitigen Magazins für nur 6 Fr. sind Übersichten zu den besten Websites aus 15 verschiedenen Bereichen. Unter anderen werden Freemaildienste, Chats und Auktionen, Immobilien- und Jobsuchadressen bewertet und in nachvollziehbaren Kriterien miteinander verglichen.

Längere Artikel bringt das Spezial unter anderem zu folgenden Themen: Wie viel Mail erträgt es am Arbeitsplatz? Beste Tipps für SeniorInnen im Netz, Einrichten eines eigenen Weblogs oder auch einer ganzen Website. Eine ganze Reihe von Tipps und Checklisten ergänzt das sinnvoll knapp gehaltene Heft, das dennoch höchst informativ und für alle Internetuser höchst nützlich ist. Erhältlich an grösseren Kiosken.

22.3.05

(Umwelt) Öl wird unbezahlbar - Erneuerbare Energien immer preiswerter

In den letzten zehn Jahren haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für Erneuerbare Energien halbiert haben. Und das ist erst der Anfang einer Entwicklung, die sich noch dramatisch beschleunigen wird. In dieser Woche kostete das Barrel Öl (159 Liter) in den USA erstmals über 56 Dollar, in Europa über 55 Dollar. Die Ankündigung der OPEC-Staaten, die Fördermengen zu erhöhen, nützt gar nichts, wie die Website www.sonnenseite.com festhält.

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die OPEC, also die erdölexportierenden Staaten, ihr offizielles Preisziel massiv nach oben setzt. Bisher wurde ein Preis von durchschnittlich 25 Dollar angestrebt, jetzt ist plötzlich von "40 bis 50 Dollar" die Rede. Das sagte der saudische Ölminister Ali al-Naimis, der in London erscheinenden Zeitung "Al Hayat". Analysten gehen davon aus, dass das Barrel Öl schon in wenigen Jahren über 100 Dollar kosten könnte. In ihrer Verzweiflung wollen die US-Amerikaner jetzt in ihren Naturschutzgebieten in Alaska nach Öl bohren. Eine Lösung ist auch das nicht - allenfalls noch eine Verzweiflungstat der Zukunftsunfähigen.

Auch die notorischen Skeptiker gegenüber Erneuerbaren Energien müssen zur Kenntnis nehmen: Öl wird nie mehr billig. Der Rohstoff ist in wenigen Jahrzehnten zu Ende und wird immer teurer. Erneuerbare Energien sind alle Zeit vorhanden und Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Die solare Energiewende wird viel rascher kommen als bisher vermutet - aus finanziellen Gründen.

20.3.05

(Finanzen) Oscars für die Besten - und eine Hitliste

Die Qual der Wahl beim Kauf von Anlagefonds wächst mit deren immer breiterem Angebot. Die Vergabe von Awards, den Oscars der Filmindustrie vergleichbar, sowie regelmässige Renditelisten sollten Klarheit schaffen. Tun sie auch, traut man den Berechnungen der Fondsratingagentur Lipper. Sie stellte fest, dass die besten Performer eines Jahres in rund zwei Dritteln der Fälle auch im folgenden Jahr noch zu den besten gehören.

Also gehören die Prämierten in die Portefeuilles der FondsanlegerInnen. Banken halten sich nicht an diese Devise, sondern versenken in erster Linie hauseigene Fonds oder dann neu aufgelegte in den Depots, die Besten interessieren weniger. Mag auch daran liegen, dass unterschiedliche Prämierungen ganz verschiedene Resultate erbringen. Die Finanz- und Medienwerkstatt von Guntram Rehsche verfolgt deshalb diverse Bestenlisten seit Jahren und stellt in der Folge mehrfach prämierte Fonds vor. Sie bieten keine Garantie für den Anlageerfolg der Zukunft! Doch die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs liegt höher als bei anderen Auswahlverfahren. Beeinflussen Sie als FondsanlegerIn also ihre Anlageentscheide mit der Wahl der vorgeschlagenen Fonds.

Hier also die Anlagehits, erstellt aus den Performancelisten von Standard & Poor’s, deren jährlichen (und eben wieder vergebenen) Awards, sowie den Listen von Morningstar und diversen Zeitschriften. Alle vorgeschlagenen Fonds standen mehrfach und in jüngster Zeit an der Spitze:

- Aktien Schweiz: DWS Zürich Invest CH
- Aktien Schweiz, Klein- und Mittelunternehmen: Sarasin SaraSelect
- Aktien Europa: Fidelity Funds European Growth
- Aktien Asien / Pazifik (ohne Japan): Mellon Asian Equity A USD
- Aktien Biotech: Pictet Funds - Biotech P
- Aktien Gobal Emerging Markets: Magellan Fund
- Aktien Japan: Sirius Fund - Japan Opportunities Sub-Fund
- Aktien USA / Nordamerika: Nordea North American Value
- Aktien Oekologie/Ethik: Raiffeisen Futura Swiss Stock
- Aktien weltweit: GAM Funds - GAM International Growth Fund

7.3.05

(Umwelt) Solarstrom künftig konkurrenzfähig

Solarstrom aus solarthermischen Großkraftwerken ist umweltfreundlich, schont das Klima und hilft wertvolle fossile Ressourcen zu schonen. Er kann bei Verwendung von thermischen Energiespeichern auch dann zur Verfügung gestellt werden, wenn die Sonne nicht scheint und ist zudem preiswerter als Strom aus den in Deutschland weit verbreiteten photovoltaischen Zellen. Das meldet die Website www.sonnenseite.com und ergänzt damit die vorstehende Meldung vom 4.3.05.

Dennoch kann Sonnenstrom auch heute noch nicht mit den Erzeugungskosten von konventionellen Kraftwerken konkurrieren. Dass dies nicht so bleiben muss, zeigt eine durch die Europäische Union geförderte Studie, die unter dem Namen ECOSTAR (European Concentrating Solar Thermal Roadmapping) und unter der Federführung des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) zusammen mit renommierten Forschungspartnern aus Frankreich, Israel, Russland, der Schweiz und Spanien durchgeführt wurde. Teil des Projekts war auch eine unabhängige Begutachtung der Ergebnisse durch Experten des Verbands der Großkraftwerksbetreiber (VGB PowerTech).

Wesentliches Ergebnis der Untersuchungen ist, dass die Kosten für den Strom aus solarthermischen Kraftwerken in den nächsten 15 bis 20 Jahren von heute 15 bis 20 Cent pro Kilowattstunde auf ein konkurrenzfähiges Niveau von etwa 5 bis 7 Cent pro Kilowattstunde für Mittellaststrom in sonnenreichen Gegenden gesenkt werden können. Neben Kostensenkungen durch Maßnahmen zur Hochskalierung von solarthermischen Kraftwerken zu größeren Einheiten und durch Massenfertigungseffekte von Bauteilen kann eine umfassende Kostensenkung (rund 50 Prozent Einsparungspotenzial) vor allem durch technische Innovationen erzielt werden. Diesem Aspekt widmete die Studie ihre besondere Aufmerksamkeit.

Wesentliche Kompetenzen auf den Gebieten des Leichtbaus, der Glasindustrie, bei der Fertigungslogistik, im Bereich Anlagen- und Kraftwerksbau und bei der chemischen Industrie müssen dabei mobilisiert und zielgerichtet konzentriert werden, um die gestiegenen Anforderungen erfüllen zu können. Für die Partner aus Industrie und Forschung ist es wichtig, dass die Forschung auf dem Gebiet der solarthermischen Kraftwerke eine hohe Priorität bei dem zur Zeit verhandelten siebten Europäischen Forschungsrahmenprogramm erhält. Vertreter der EU Kommission erkannten bei der Präsentation der Studie in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Brüssel an, dass das ECOSTAR Konsortium wesentliche Vorarbeiten für die Schaffung einer europäischen Technologieplattform für solarthermische Kraftwerke erarbeitet hat.

4.3.05

(Umwelt) Ökostrom immer billiger

In den letzten Wochen gab es im deutschen Strommarkt das längst fällige Erwachen derer, die noch immer behaupten, Energie aus fossil-atomaren Rohstoffen sei billig und Ökostrom viel zu teuer. Erstmals war an der Ökostrombörse billiger als der fossil-atomare Strommix. Windkraftanlagen erhalten an guten Standorten 5,4 Cent pro Kilowatt, aber die Großhandelspreise für "alten" Strom lagen letzte Woche teilweise bei knapp 6 Cent pro Kilowattstunde, wie die Website sonnenseite.com berichtet.

Das ist demnach erst der Anfang einer Entwicklung, die sich seit langem abzeichnet. In den letzten 10 Jahren haben sich Preise für herkömmlichen Strom verdoppelt, aber die Preise für Strom aus erneuerbaren Quellen etwa halbiert. Es ist absehbar, dass diese Entwicklung so weitergeht. Ökostrom wird immer preiswerter, weil der Stoff "ewig" hält und Sonne und Wind keine Rechnung schicken. Den Stoff gibt es umsonst. Aber Kohle, Gas, Öl und Atomenergie müssen immer teurer werden, weil diese Rohstoffe zur Neige gehen. Nach allen Gesetzen des Marktes werden knappe Güter immer teuerer. In 10 Jahren spätestens ist die Behauptung, Ökostrom sei zu teuer, ökonomisch eine Lachnummer.

Bleibt für Schweizer Verhältnisse nachzuschieben, dass durch mangelnde staatliche Unterstützung ein grosser Wettbewerbsvorteil verloren zu drohen geht. Waren hiesige Produzenten bislang technologisch führend, droht diese Führung nun zu erodieren.

28.2.05

(Finanzen) In 30 Jahren mal 90!

Novartis-Aktionäre mögen in den vergangenen Jahren ob der Börsenkraft des Basler Chemie-Multis verzweifelt sein. Treten an Ort war angesagt. Ganz anders präsentiert sich das Bild, das sich aus einem Vergleich der letzten 30 Jahre Schweizer Börse ergibt. Da war Novartis der absolute Spitzenreiter.

Wer gemäss dem Schweizer Wirtschaftsmagazin BILANZ, das neuerdings vierzehntäglich erscheint, Mitte der 70er Jahre 1000 Franken in die damalige Sandoz investierte, verfügt demnach heute über rund 90'000 Franken. Die jährliche Rendite betrug damit etwa 20 Prozent, was weniger gewaltig erscheinen mag, was aber den ungeheuren Einfluss des Zinseszinses über lange Zeit hinweg bestätigt.

Nun gehörte ja eben grade nicht jeder Investor zu den Glücklichen, die Wertvermehrung à la Basler Chemie betreiben konnten. Andere Aktien mit gewaltiger Wertsteigerung waren beispielsweise Lindt oder auch Nestlé, die den Kurs immer noch versechzigfachen konnten! Eine Anlage in einem gewichteten Schweizer Aktienkorb ergab demnach eine 20fache Vermehrung, entsprechend einer rund 10-Prozent-Rendite pro Jahr – immerhin. Aber nicht verschwiegen seien auch die unterdurchschnittlichen Performer wie etwa Sulzer. Da hätte man gerade so gut in Bundesobligationen investieren können. Und mit Swissair wäre man schliesslich des ganzen Kapitals verlustig gegangen – eine Mitte der 70er Jahre undenkbare Variante.

Als Einsicht bleibt: Die bestrentierende Aktie über lange Zeit im Voraus zu erahnen, kommt dem Lottospiel gleich. Mit Fonds oder Indexpapieren wäre aber immer noch viel zu holen. Vorausgesetzt, man wählt den richtigen Anlagebereich oder die richtige Region.

27.2.05

(Finanzen) Schadenersatz ohne Chance

Besonders dreist während New-Economy-Zeiten hat es die Bank Julius Bär mit einem Teil ihrer Fonds getrieben. Ihr Creativ-Fonds mit Kurt Ochner an der Spitze realisierte zuerst traumhafte Renditen. Doch mit dem Platzen der Gewaltsblase war es auch mit der Werthaftigkeit des Fonds vorbei, der Absturz in tiefste Abgründe folgte auf dem Fuss.

Damit mussten die wagemutigen AnlegerInnen eigentlich rechnen – und doch bleibt ein fader Nachgeschmack. Denn der Fondsprospekt hatte nur sehr allgemein gehaltene Hinweise enthalten darauf, dass creativ in erster Linie risikobeladen meinte. Mehr als zwei Drittel der investierten Gelder betrafen entsprechende Firmen.

Daraus einen Schadenersatzanspruch abzuleiten, verweigerte nun das höchste deutsche Gericht gemäss einer Meldung des Tages-Anzeigers . Der geneigten Anlegerschaft bleibt nur das Meiden kleinerer Fondsanbieter und eine grosse Skepsis gegenüber allzugrossen Renditeversprechen. Die mögen sich einmal erfüllen, aber schon beim nächsten Mal geht es mit grosser Wahrscheinlichkeit schief – und für den Schaden wird niemand gerade stehen als der oder die AnlegerIn selbst.

19.1.05

Zum 100sten Mal!

Was sind schon 100 Jahre heutzutage? Für alle, die vorher sterben, eine magische Grenze immerhin. Nun, 100 Jahre ist weder das Fernsehen noch das Internet alt – und so sind im Medienbereich auch unbedeutendere Jubiläen en vogue. Und in eigener Sache lässt sich vermelden, dass hiermit unter http://tipps.blogspot.com bereits der 100.Artikel erscheint.

Ob sich damit Geld verdienen lässt, hat sich kürzlich ein gestandener Journalistenkollege erkundigt. Verbunden war damit vielleicht auch die Befürchtung, das Internet könnte den herkömmlichen Medien gelegentlich den Garaus machen – liesse sich Geld damit verdienen, um so eher. Kein Grund zur Sorge! Mit Blogs lässt sich bislang und wohl auf Weiteres kaum Geld machen. Eine gewisse Aufmerksamkeit ist – hoffentlich je nach Qualität – jedoch durchaus gegeben. Und so sei bekannt: Es geht um nichts anderes, als mit dem Blog Aufmerksamkeit zu errreichen.

Beim Blog mit den Tipps ist in erster Linie anvisiert, aus gesellschaftlich so bestimmenden Bereichen wie Finanzen, Medien und Umwelt das herauszufiltern, was in den herkömmlichen Medien eben nicht, zu spät oder verzerrt zur Darstellung gelangt, vielleicht auch zu kurz (siehe dazu den vorangehenden Blog mit dem Hinweis auf das Interview mit Spiegel-Chefredaktor Stefan Aust). Die Verquickung der Themen Finanzen und Umwelt hat in den vergangenen Jahren zwar eine gewisse Konjunktur erlebt. Man wünschte sich aber eine kontinuierlichere Berichterstattung und mehr hilfreiche Tipps zum nachhaltigen Investieren – les voilà im Blog. Schliesslich hat die Medienberichterstattung in den vergangenen Jahren so manche Rückschläge erlitten – bis hin zur Verbannung als Ressortthema. Da kommen die vielen Medienblogs gerade gerufen wie etwa www.dienstraum.ch oder www.medienspiegel.ch oder eben, es sei ein letztes Mal in Erinnerung gerufen www.tipps.blogspot.com!

P.S. Der Verfasser weilt in den kommenden drei Wochen in China, wird keinerlei Artikel aus den Bereichen Finanzen, Medien, Umwelt verfassen – vielleicht aber hin und wieder ein Spezial zu China.

18.1.05

(Medien) Ein Lob dem langen Artikel

Es mag nicht allzu viele ZeitgenossInnen geben, die den langen – nicht langfädigen – Artikel dem 20-Sekunden-Diktat der neuen Presse vorziehen. Kurz soll es ja sein in der Regel, auf einen Nenner gebracht, verdichtet zur griffigen Schlagzeile. Selbst sogenannte Qualitätszeitungen und –zeitschriften haben sich zunehmend dem Diktat der Kürze unterzogen. Die allermeisten Zeitungsrenovationen hierzulande standen in den letzten Jahren unter diesem Vorzeichen.

Löbliche Ausnahme ist sicher die Neue Zürcher Zeitung, die eben das bemerkenswerte 225-Jahr-Jubiläum feiert. Ihre Konzession an den Zeitgeist besteht vor allem in der Einführung von mehr Struktur in den einzelnen Berichten und natürlich im vielbeachteten und teils geschmähten Vierfarbendruck – den einzudenken die «Alte Tante» allerdings dosiert vorzunehmen gedenkt. Bei der Artikellänge aber scheint jedem Schreibenden nach wie vor die freie Wahl gewährt zu sein, ob es nicht auch mehr als deren 10'000 Anschläge respektive 250 Zeitungszeilen sein sollen. Die andere grosse Ausnahme im Längenmass ist der deutsche «Spiegel». Erfrischend bekennt sich dessen Chefredaktor Stefan Aust im Tages-Anzeiger-Interview vom Montag, 17.1., zur umfassenden Länge der Berichterstattung, ja erhebt sie gar zum Schlüssel des Auflageerfolgs der letzten Jahre, der sich effektiv trotz der Konkurrenz des Kurzfuttermagazins Fokus eingestellt hat.

Ironie des Tagi-Interviews: Auch diese Zeitung hat in den letzten Jahren ihr Heil vornehmlich in der Verkürzung gesucht, vornehm kaschiert durch Stichworte wie Leserfreundlichkeit, Übersichtlichkeit und Blattführung. Dem hält Aust etwa entgegen «Ich denke nie über das Leserinteresse nach». Immerhin, das Interview im Tagi erstreckt sich ausnahmsweise einmal über mehr als eine Seite und erfasst damit eine ganze Palette von Themen zur Wirkung des Spiegels. Und im gleichen Blatt erscheint auch noch eine bemerkenswerte und durchaus lange, ganzseitige sowie sehr subjektive Geschichte des China-Korrespondenten, der seine spezielle Beziehung zum Katastrophengebiet in Thailand beschreibt. Auch das absolut lesenswert, trotz der unüblichen Länge.

16.1.05

(Medien) Tödliche Gefahr für Journalisten

Der Irak war 2004 zum zweiten Mal in Folge das weltweit gefährlichste Land für Journalisten. Allein dort starben gemäss «Reporter ohne Grenzen» 19 Reporter und 12 Medienmitarbeiter. Für die meisten Todesfälle sind Rebellengruppen verantwortlich; die US-Armee hat den Tod von vier Journalisten und Medienmitarbeitern zu verantworten.

Zensur und Verbot von Medien haben nach Erkenntnissen von Reporter ohne Grenzen etwa in Russland, Weißrussland und im Iran stark zugenommen. So haben die Behörden in Weißrussland im Vorfeld der Wahlen vom vergangenen Oktober das Erscheinen zahlreicher unabhängiger Zeitungen und Zeitschriften verhindert. Im Iran - wo im Mai Wahlen anstehen - sind seit einigen Monaten vor allem oppositionelle Internetzeitungen gesperrt. Während der politischen Unruhen in Haiti und der Elfenbeinküste wurden dort viele Medien gewaltsam an ihrer Arbeit gehindert: Journalisten wurden bedroht und angegriffen, Büros verwüstet. Weltweit sind derzeit 103 Journalisten sowie 70 Internet-Dissidenten hinter Gittern.

Mit grossem Erfolg tourt derzeit die zum Thema passende Ausstellung "100 Fotos für die Pressefreiheit" durch Deutschland – aktuell ist sie in München zu sehen. Die Ausstellung dokumentiert soziale Missstände, Leid und Verfolgung, Krieg - eine Wirklichkeit, die in den öffentlichen Äußerungen der Politik oft ignoriert wird. Nur der mutige und häufig mit großen Gefahren verbundene Einsatz von Journalistinnen und Journalisten vor Ort macht diese Zustände öffentlich wahrnehmbar. Siehe dazu auch www.100-fotos-fuer-die-pressefreiheit.de

11.1.05

(Medien - Netztipp) Nachdenken auf den Nachdenkseiten

Interessanter Hinweis auf die Folgen der Privatisierungswut der 90er Jahre. Die deutschen Nachdenkseiten (www.nachdenkseiten.de) berichteten am 7. dieses Monats über deren Folgen in Schweden. Da heisst es unter anderem: «Privatisierung, Liberalisierung der Märkte, Abschaffung von staatlich geregelten Dienstleistungen, diese Forderungen gehören zum Credo der Modernisierer. Schweden hat diesen Rat in den 90er Jahren strikt befolgt. Die Monopole von Post, Eisenbahn oder Stromversorgung wurden gebrochen, Regulierungen abgeschafft. Das Ergebnis nach einer Dekade: Bahntickets kosten 125% mehr. Taxis kosten ohne Preisbindung 72% mehr. Die Preise für Inlandsflüge stiegen drei mal so rasch wie die Inflation. Die Strompreise stiegen um 86%. Produktivitätsverbesserungen blieben aus. Ausnahme ist nur der Telekommarkt. Großunternehmen können allerdings bessere Preise aushandeln, gewöhnliche Kunden nicht. Das stellte der Volkswirt Dan Anderson fest, der im Auftrag der schwedischen Regierung die Folgen der Deregulierung untersuchte.»

So wird erstens endlich systematisch sichtbar, welche Folgen die Deregulierungen der beiden letzten Jahrzehnte in den meisten Fällen zeitigten. Und zweitens bewährt sich die Website www.nachdenkseiten.de als ein Forum der Gegenöffentlichkeit, das wichtige Erkenntnisse dort vermittelt, wo die gängigen Medien – aus welchen Gründen auch immer – versagen. Immerhin, die Meldung beruht ursprünglich auf einem Korrespondentenbericht des Kölner Stadt-Anzeigers.

9.1.05

(Medien) Das Magazin betreibt Weisswäscherei

Die CH-Finanzszene hat wieder einen Buhmann, nach Tettamanti, Rey und Konsorten ist es der Basler Dieter Behring, der zuerst in den Himmel gelobt und nun in den Boden geschrieben wird. Allerdings lässt die Ausnahme in Form der medialen Rehabilitierung nicht lange auf sich warten. Wie schon vor Jahren im Falle des Werner K. Rey ist es wiederum «Das Magazin», das in der ersten Ausgabe des neuen Jahres dieses zweifelhafte Geschäft besorgt und Dieter Behring ins rechte Licht zu rücken sucht.

Dafür sind dem Autor Res Strehle, seines Zeichens auch Chefredaktor des Magazins – das von nun an auch der Basler und er Berner Zeitung beiliegt – so ziemlich alle Mittel recht. Erstens wird der untersuchende Staatsanwalt als nichtsahnender Dilletant aus der Provinz abgetan, der bisher nichts anderes vollbrachte, als schon mal mit vollem Rohr auf den Spatz in Form eines Hanfbauern gezielt zu haben. Zweitens ist vom Delikt des Dieter Behring im Artikel überhaupt nicht die Rede. Hunderte von Millionen aber flossen durch Behrings Firmenkonglomerat, um sich schliesslich in Nichts aufzulösen und manchen Anleger ins Elend zu stürzen. Natürlich sind die AnlegerInnen, die darauf herein fielen, wie stets auch selber schuld. Doch war es auch nicht so, wie der Magazinartikel suggeriert, dass für Behrings nicht zugelassene Fonds keine Werbung betrieben wurde. Vielmehr waren erwiesenermassen erfolgreiche Handlanger am Werk – und die Medien taten das ihre, um Behrings Anlagevehikeln zu Aufmerksamkeit zu verhelfen.

Behring hatte, als sich der Zusammenbruch des Finanzimperiums abzeichnete, gemäss Res Strehle drei Möglichkeiten - unter anderem jene, ins Ausland abzutauchen. Doch diese Variante war «für den in einem engen Kreis von ein paar handverlesenen Freunden verwurzelten Schweizer undenkbar». Eine reichlich naive Vorstellung von Heimatliebe angesichts dessen, was auf dem Spiele stand. Abgesehen davon, dass zumindest laut Strafverfolgungsbehörden aufgrund der Vorkehren eben doch akute Fluchtgefahr bestand. Doch Fakten passen nicht ins Bild der vom Magazin-Artikel betriebenen Weisswächerei.

7.1.05

(Finanzen) Vom Ende einer guten Idee

Eine unabhängige Versicherungsgesellschaft, basierend auf alternativen Anlageideen, wird es in der Schweiz vorderhand nicht geben. Das vor etwas mehr als einem Jahr lancierte Projekt «altra» ist endgültig gescheitert, das nötige Aktienkapital wurde nicht gezeichnet. Noch im Sommer gab es Hoffnung, das Vorhaben könne doch noch erfolgreich lanciert werden. Die damals beschlossene Aufhebung der Stimmrechtsbeschränkung half aber nicht, weil die anvisierten Grossaktionäre, westschweizerische Krankenversicherungsgesellschaften, weiteren Vorgaben wie die spätere Abgabe ihrer Stimmenmehrheit nicht erfüllen wollten.

Für Unruhe sorgte das Projekt zwischenzeitlich, als Verwaltungsrätin Carol Franklin, ehemals Chefin Human Ressources der Swiss Re und Geschäftsführerin des WWF Schweiz, zurücktrat. Sie strebte an, die Finanzierung der altra auf eine breitere Basis zu stellen und dafür auch mit etablierten Grossbanken wie UBS oder CS zusammen arbeiten. Das verwehrte der restliche Verwaltungsrat, weil damit die Idee der alternativen Geldanlage zu stark geritzt worden wäre.

Die knappen Mittel der altra führten im Oktober dazu, den Vertrag mit dem Initianten und Geschäftsführer zu kündigen, Hanspeter Kessler war fortan noch als Projektleiter tätig. Der Verwaltungsrat beschloss nun schliesslich die Liquidation der Gesellschaft und gesteht gemäss Aktionärsbrief ein, «dass die Idee einer nachhaltigen Versicherungsgesellschaft auf lange Zeit gestorben ist». Das früher aufgebrachte Risikokapital von 700'000 CHF ist unwiderbringlich verloren. Hingegen erhalten Aktionäre, die den Betrieb der altra Versicherungsgesellschaft vorfinanzierten, den Nennwert der Aktien zurückbezahlt.

5.1.05

(Umwelt) Widersprüchliches China

Die Wirtschaftswundernation im fernen Asien sorgt für besorgniserregende Nachrichten zu Umwelt und Ressourcenverbrauch. Aber nicht nur, vielmehr gibt es auch hoffnungsvolle Zeichen. So wundert sich beispielsweise der Besucher oder die Besucherin des atemberaubenden Shanghai, dass der Lärm der vielen motorgetriebenen Zweiräder, Zeichen eines bescheidenen Wohlstands breiter Bevölkerungsschichten, dass dieser Lärm also gar nicht vorhanden ist. Denn in Shanghai sind benzingetriebene Zweitaktmotoren schlicht verboten. Ersetzt wurden sie durch geräuschfreie elektrisch angetriebene Fahrzeuge.

Nicht nur im Lokalen, wo das Umweltbewusstsein der Bevölkerung schnell zu wachsen scheint, geht China hoffnungsvolle Schritte zum Schutz der Umwelt. Soeben wurden – weltweit einmalige – Spritlimiten für Automobile in Kraft gesetzt. Benzinfressende allradgetriebene Ungeheuer dürften im Riesenreich bald der Vergangenheit angehören, wird das per anfangs 2005 in Kraft getretene Gesetz wirklich befolgt. Der WWF hat soeben ein Schulumweltprogramm konzipiert, das alle 200 Millionnen SchülerInnen im Riesenreich in den Schutz der Umwelt einführen soll.

Schliesslich unternimmt China grosse Schritte im Bereich erneuerbarer Energien, wenn auch der Staat gleichzeitig die Atomenergie vorantreibt. China installiert derzeit mehr Kollektorfläche für Sonnennergienutzung als das viel gepriesene Deutschland. Und plant laufend grosse Konferenzen für erneuerbare Energien, wie etwa das "World Renewable Energy Forum", das für Ende Oktober nach Peking einladen wurde. Im Jahre 2007 soll ebenfalls in Peking eine grosse Konferenz zur Nutzung der Sonnenenergie stattfinden, die Olympischen Spiele werden mit grossen Anstrengungen im Bereich der Nutzung alternativer Energien verbunden, die Weltausstellung in Shanghai 2010 schliesslich soll in dieser Beziehung Überraschungen bereit halten. Ach ja – vom Balkon aus meiner neuen Wohnung in Shanghai sind auf Hochhausdächern effektiv Dutzende von Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung zu entdecken. Das Programm läuft also wirklich!

2.1.05

(Finanzen) Der Natur-Aktien-Index NAI im Hoch.

Der Natur-Aktien-Index (NAI) als Maßstab für ökologische Geldanlagen ist zum Jahresende über die Höchstmarke von 3.000 Punkten gestiegen, wie www.sonnenseite.com meldet. Damit hat der Index seit der Gründung im Jahr 1997 um mehr als 200 % zugelegt und konventionelle Aktienindizes wie den DAX oder den Weltindex MSCI weit überholt. Die 25 Aktienwerte im NAI werden vom unabhängigen NAI-Ausschuss nach strengen ethisch-ökologischen Kriterien ausgewählt und minutengenau durch vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste GmbH berechnet und im Internet unter www.nai-index.de » und www.finanztreff.de » veröffentlicht. Um die Urheberrechte zum NAI gab es in den letzten Jahren eine erbitterte gerichtliche Auseinandersetzung, die noch nicht definitiv entschieden ist, weshalb neben dem NAI ein weiterer Naturaktienindex am Markt aufgetaucht ist, der Naturaktienindex25, mitinitiert vom Wiener Oekoresearcher Max Deml und dessen Oeko-Invest.

Wie dem auch sei, bezüglich des NAI betont SECURVITA-Sprecher Norbert Schnorbach "Ökologische Investments verbinden gute Renditen und gutes Gewissen. Kein Wunder, dass sie für private Geldanleger und für institutionelle Investoren immer interessante werden". Für Anleger, die von den Auswahlkriterien des NAI profitieren wollen, hat SECURVITA den ethisch-ökologischen Aktienfonds GreenEffects entwickelt (ISIN IE0005895655), der in Fonds-Vergleichen Spitzenwerte unter den ökologischen Aktienfonds erzielt hat. Die 25 Werte im NAI sind nach Branchen und Ländern gestreut. Sie werden vom unabhängigen NAI-Ausschuss überprüft. Darin sind Experten vom Wuppertal-Institut, Südwind, Germanwatch, Katalyse-Institut und natur media vertreten. Der NAI-Ausschuss nutzt das qualifizierte Unternehmensresearch des Instituts Markt-Umwelt-Gesellschaft (imug) in Hannover. Andere Nachhaltigkeits-Indizes mit unpräziseren Kriterien wie etwa der Dow Jones Sustainability Index haben bei weitem nicht so erfolgreich abgeschnitten wie der NAI, betont die Sonnenseite in ihrem Kommentar.

25.12.04

Medien: Das Jahr der Blogs und Wikis

Die Spiegel-Website bringt es auf den Punkt: Das Internet hat im abgelaufenen Jahr Meilensteine in seiner Entwicklung durchlaufen. Nicht etwa technisch, sondern in inhaltlicher Hinsicht. Sowohl Wikis wie Blogs haben sich als Internet-Tools in einer breiteren Öffentlichkeit ihren verdienten Platz erkämpft. Wenn auch die Blogs bei allzu vielen Zeitgenossen noch unbekannt sind.

Deshalb eine kurze Erinnerung: Wikis sind lexigraphische Interneteinträge, die durch die Nutzer laufend ergänzt werden. Das ergibt eine fortdauernde Qualitätskontrolle und Aktualisierung, aber auch eine laufende Auseinandersetzung zwischen den Zuträgern, was die Sache besonders reizvoll macht. Www.wikipedia.de ist das derzeit nahe liegende Beispiel.

Noch wichtiger sind aber die Blogs, die ursprünglich als Webtagebücher bei eingefleischten Netzfans die Runde machten. Unterdessen dienen Blogs als demokratisierter Medienform, die jedem offen steht. Endlich ist das Publizieren nicht mehr von aufwändigen technischen Einrichtungen abhängig, eine Blogsite dank den Gratisangeboten etwa von Google oder Yahoo innert Minutenfrist online geschaltet. Dass sich Blogsites dann noch die gewünschte Aufmerksamkeit erkämpfen müssen, macht die Sache nicht weniger reizvoll.

So bringt es der Spiegel auf einen passenden Nenner: «Blogs und Wikis sind Teil eines allgemeinen Trends zum "social networking" - das Internet wird für soziale Beziehungen ebenso wichtig wie der Freundeskreis, der Arbeitsplatz oder die Nachbarschaft.»

14.12.04

Finanzen: (Fürs Erste) miese Empfehlungen.

Mit seltener Offenheit berichtet die Konsumentenzeitschrift Saldo in ihrer neuesten Ausgabe vom 8.12.04 über ihre Anlageempfehlungen. Anfangs Jahr hatte sie vier Banken befragt, wie 50'000 Franken mit einem längeren Anlagehorizont durch eine Person mittleren Alters anzulegen seien. Fast ein Jahr später ein zumindest nach dieser kurzen Zeitspanne betrübliches Fazit: Nur gerade die Berner Kantonalbank kam mit ihrer Empfehlung zu einem halbwegs befriedigenden Ergebnis, deren Rendite beträgt 1,6 Prozent. Raiffeisenbank und Bank Coop bewegen sich im Nullbereich.

Vorderhand den negativen Vogel abgeschossen hat die Credit Suisse. Einem Kleinanleger mit nur grad mal 50'000 Franken empfahl sie anfangs 2004 einen Fonds, der an die Wert- und Dividendenentwicklung von 50 grossen Weltunternehmen gebunden ist. Pech, dass die Aktienmärkte wieder einmal unter den Erwartungen gelaufen sind. Resultieren würde bei Verkauf der Papiere ein Verlust von 3,6 Prozent. Allerdings: Der CS-Fonds ist mit einem Kapitalschutz ausgestattet – die CS garantiert nach sechs Jahren zumindest die Rückzahlung des ganzen investierten Betrags, sollten die Kurse sich dannzumal unter dem Kaufpreis bewegen.

Die Saldoanlageempfehlung war bewusst auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet, und vielleicht wird das Ergebnis dank der Aktien in den jeweiligen Portefeuilles nach ein paar Jahren besser aussehen. Die Erkenntnis bleibt, dass die gängigen Empfehlungen der Banken für KleinanlegerInnen sehr kritisch zu betrachten sind. Wer vor allem eigene Produkte anbietet, wie das alle Beteiligten machten (die Empfehlung der Bank Coop mit Swissca-Produkten sind quasieigene), ist schon mal verdächtig. Besser würden AnlegerInnen fahren, die aus der breiten Palette von Anlageprodukten die jeweils besten angeboten erhielten, also beispielsweise Obligationen- und Aktienfonds verschiedener Gesellschaften.

9.12.04

(Finanzen) Fondssparpläne auf nachhaltige Anlagen

Das Angebot an Fondssparplänen ist hierzulande noch immer schmal. Zwar bieten die meisten Finanzinstitute dieses besonders für Kleinanleger zu empfehlende Vehikel an. Doch ist dann jeweils nur eine Anlage in den Fonds des betreffenden Instituts möglich. Löbliche Ausnahme ist die Post mit den rund 30 angebotenen Fonds verschiedener Gesellschaften.

Aber auch bei den Angeboten mit Fonds aus dem eigenen Haus gibt es markante Unterschiede. Die UBS bietet beispielsweise – ganz im Gegensatz zu ihrer grossen Konkurrentin CS – alle ihre eigenen (rund 160) Fonds als Bausteine für Fondssparpläne an. Mit solcher Breite kann es neuerdings auch die Raiffeisengruppe aufnehmen. Fast alle ihre (rund 20) Fonds sind als Sparplanbausteine verfügbar. Besonders interessant: auch die auf nachhaltige Anlagen ausgerichtete Gruppe der Futura-Fonds gehört dazu. Der Futura Swiss Stock (Fonds nachhaltiger Schweizer Aktien mit der Valorennummer 1'198’098) ist seit mehr als einem Jahr der erfolgreichste seiner Klasse und damit ein guter Einstiegskandidat.

Noch einige Bemerkungen zu den Vorteilen von Fondssparplänen:
- Ein Einstieg in den Sparprozess ist jederzeit möglich, ebenso dessen Unterbruch oder eine Beendigung. Auch ist es möglich, die Fonds zu wechseln.
- Fondssparpläne ermöglichen regelmässiges Sparen mit kleinen Beträgen, meist ab 50 (bei Raiffeisen) oder 100 (bei Postfinance) CHF pro Monat.
- Ist der Sparplan einmal errichtet, braucht man/frau sich bei einem Dauerauftrag um nichts mehr zu kümmern, auch die aktuelle Lage an den Aktienmärkten spielt keine Rolle.
- Trotz des etwa im Gegensatz zu Deutschland beschränkten Angebots ist es möglich, an der Entwicklung vieler Märkten, etwa von bestimmten Regionen oder Branchen, teilzuhaben.
- Das regelmässige Sparen mit immer gleichen Beträgen bringt in der Regel einen Renditevorteil. Denn immer bei tiefen Preisen der Fondsanteile werden mehr, bei hohen Preisen weniger erworben (sogenannter Cost Average Effect).

Die Raiffeisengruppe hat anlässlich der Lancierung eine informative Broschüre zu Fondssparplänen («Starten Sie zum Fondssparen») publiziert, sie ist auch als pdf-Datei erhältlich unter www.raiffeisen.ch.

4.12.04

(Umwelt) Bhopal nicht vergessen

«Es war einer der größten Chemieunfälle der Weltgeschichte: Vor genau 20 Jahren breitete sich nach einer Explosion in einer Pflanzengift-Fabrik eine riesige Gaswolke über der indischen Großstadt Bhopal aus.» So beginnt die eindrückliche Zusammenfassung des Ereignisses auf www.spiegel.de. Und ähnlich tönen all die Berichte, die derzeit an die Tragödie von Bhopal erinnern.

Seltsam – wo sonst Medienmacht in den vergangenen Jahren viel bewirkt hat, blieb ihre Wirkung bei der Katastrophe in Indien weitgehend aus. Seveso und Schweizerhalle bei Basel sind Mahnmal für die Schweizer Chemie, Tschernobyl hat der Atomkraft den Saft genommen. Doch Bhopal verhallte weitgehend ungehört, obwohl vor allem indische AktivistInnen nach wie vor für eine Aufarbeitung und weiter gehende Entschädigung kämpfen..

Dow Chemical übernahm den Verursacher des Unglücks, Union Carbide, 2001. Während aber ABB heute an den Folgen einer umweltbelasteten Übernahme leidet (Asbestfolgen und Schadenersatzprozesse in den USA), hat DC vorerst den Kopf aus der Schlinge gezogen. Mit der früheren Zahlung von 470 Millionen Dollar soll Union Carbide ihre Schuldigkeit getan haben. Und was macht DC heute sonst noch? Auf der Website (www.dow.com) steht dazu:

«Dow is committed to operating in a legal and ethically responsible manner. The Ethics and Compliance program at Dow provides a framework that supports Dow's Values, which provide the operational foundation for how we conduct our business around the world. Further detail on our policies and practices can be found at our Ethics web site.» Hohe ethische Prinzipien sollen es also sein, die das Handeln des Konzerns bestimmen. Rund um die Uhr bietet der Konzern einen heissen Draht für ethische Fragen an. Bleibt zu hoffen, dass er nicht nur in diesen Tagen intensiv genutzt wird.

Das Ganze ereignete sich in Indien. Und Globalisierung hin oder her: Was in einem der bevölkerungsreichsten Länder der Welt geschieht, ist weit weg von uns, betrifft angesichts des auch sonst dort vorherrschenden Elends kaum und lässt nicht zuletzt die wirtschaftlich Verantwortlichen kalt. Auch bietet sich das Chemieunternehmen Dow Chemical weniger für KonsumentInnenboykotte an, denn mit der Produktion von Zwischenprodukten bleibt die Firma weitgehend unfassbar. Das Gefasel von Reputation Management erleidet in diesem Fall zumindest Schiffbruch. Je länger sich Dow Chemical der Verantwortung verweigert, um so mehr droht dem Konzern aber dereinst eine unkontrollierbare Imageimplosion, mit ähnlich verheerenden Folgen wie die Katastrophe von Bhopal selbst.

26.11.04

(Finanzen) Gibt es transparente Konzerne?

Wohl kaum, doch soll sich das ändern. Immer mehr Rating-Agenturen nehmen sich der Dinosaurier der Wirtschaftswelt an. Gilt die Theorie, diese Dinos verschwänden wie im richtigen Leben sowieso bald, da wegen ihrer Grösse zu unflexibel und nicht überlebensfähig, wären viele Probleme auf der Welt gelöst. Doch bis es soweit ist, müssen wir uns noch eine Weile mit der Realität wirtschaftlich enormer Machtballungen herumschlagen.

Solche Realität bedeutet: Weiter wachsende multinationale Unternehmen! Ihre Wirtschaftsleistung übertrifft unterdessen nicht nur jene von unterentwickelten Staaten in Afrika, sondern munter auch schon die von fortgeschrittenen Volkswirtschaften wie beispielsweise Schweden – oder bald auch der Schweiz.

Ein erster Schritt zur Annäherung ans unheimliche Phänomen ist Transparenz, wie eine Veranstaltung der Agentur inrate kürzlich in Zürich aufzeigte. Öffentlicher Druck wider die umwelt- und sozialschädlichen Auswirkungen dieser Firmen hat in den vergangenen Jahren so einiges bewirkt. Der Schuh- und Sportmodekonzern Adidas unterzeichnete beispielsweise einen Kodex gegen Kinderarbeit und weitere sozialschädliche Geschäftspraxis. Andere Hersteller kommen unter Druck, vor allem wenn die Konsumenten um die Unterschiede wissen. Und dazu braucht es Transparenz.

Hierzulande haben sich etwa die Grossverteiler Migros und Coop zu solchen Anliegen bekannt, aber auch der weltweit zweitgrösste Zementkonzern Holcim, die frühere Holderbank. In Einzelfällen ist es möglich, Transparenz durch das Investitionsverhalten zu honorieren – bei Genossenschaften bleibt das naturgemäss verwehrt. Solch nachhaltiges Investment ist zwar noch ein Nischenverhalten, aber immer mehr Möglichkeiten sind vorhanden. Und mit den grösseren Möglichkeiten wächst der Einfluss solchen Verhaltens. Das machte auch eine Tagung der Alternativen Bank Schweiz klar. Dort wurde allerdings die Wirksamkeit nachhaltiger Investitionen stark angezweifelt. Noch bleibt in der Frage der Transparenz als Grundlage nachhaltigen Investierens viel zu tun.

21.11.04

(Finanzen) Hedge Funds definitiv Nein Danke!

Die Kritik an den undurchschaubaren Finanzvehikeln ist am Wachsen. Der US-Anlageguru Burton Malkiel – unter anderem Verfasser des berühmten Finanzbuchs «A Random Walk down Wallstreet» - rechnet jetzt mit den Hedge Funds ab. Der Tages-Anzeiger bringt im Akonto vom 19.11.04 (mit der irrtümlichen Datumszeile 8.Oktober 2004!) einen Hinweis auf die neueste Studie von Malkiel. Danach wird die Performance der Hedge Funds regelmässig über- und deren Risiko ebenso regelmässig unterschätzt.

Die Abweichungen sind im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Indizes für Hedge Funds mitnichten ein getreues Abbild des gesamten Marktgeschehens sind. Wenig erfolgreiche Hedge Funds finden gar nicht Eingang in diese Massstäbe für den Erfolg an den Finanzmärkten. Viele weitere fallen wegen Misserfolg nach kurzer Zeit auch wieder raus. So existieren nach Malkiels Studie von 604 Hedge Funds, die 1996 in verschiedenen Indizes vertreten waren, aktuell nur noch deren 124.

Malkiel und sein Mitautor Atanu Saha haben die Performance der Hedge Funds um diese Verzerrungen bereinigt gemessen, kommen dabei zu einem Durchschnittswert von um die 9 Prozent und damit zu einem mit den Aktienmärkten vergleichbaren Wert. Von Dachfonds für diesen Finanzmarktbereich wird abgeraten, da deren zusätzliche Kosten den Ertrag erst recht sogar unter den Durchschnitt drücken.

17.11.04

(Umwelt) Photovoltaik-Vision für 2030

Die EU-Kommission hatte 2003 einen wissenschaftlichen Beirat berufen, der einen Report erstellen soll über die Photovoltaik-Entwicklung bis 2030. Ein Vorbericht wurde in diesem Herbst in Brüssel diskutiert. Das Fazit: Weltweit können bis 2030 etwa vier Prozent des Strombedarfs durch PV-Anlagen erzeugt werden. In Europa wird die Kilowattstunde Solarstrom dann zwischen 5 und 12 Cent kosten. Das wäre gegenüber heute eine Kostenreduktion von etwa 1:5 bis 1:10, wie die «Sonnenseite» des deutschen Journalisten und Umweltexperten Franz Alt berichtet (www.sonnenseite.com).

Die Fachleute sind sich demnach auch einig: Wenn der Preis für Photovoltaik in etwa 25 Jahren so günstig sein wird, beginnt danach erst richtig der weltweite Aufschwung der Photovoltaikbranche. Der wissenschaftliche Beirat ist mehrheitlich der Auffassung, dass eine Einspeisevergütung wie im Deutschen Erneuerbaren Energiengesetz das effektivste politische Instrument ist, dem Solarstrom zum Durchbruch zu verhelfen.

In der Schweiz warten wir dagegen immer noch auf eine solche gesetzliche Unterstützung – hingegen erweisen sich die Solarstrombörsen der Kommunen als hilfreich. Denn sie garantieren den Produzenten kostendeckende Preise und animieren zu weiteren Investitionen.

14.11.04

(Finanzen) Aufstrebende Märkte

Gleich über eine ganze Zahl aufstrebender Märkte berichtet die Finanzpresse an diesem Tage in ausführlichen Analysen. Russland hat gemäss NZZ vom Wochenende 13./14.11. unter Präsident Putin in den vergangenen Jahren eine erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht. In den Jahren zuvor hatte es mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion vor allem nur Chaos und Abbau gegeben. Doch dann halfen institutionelle Reformen und sicher auch die Erholung des Ölpreises zu einem Aufschwung mit Tigerdimensionen. Seit rund einem Jahr will es aber nicht mehr so richtig weiter gehen. Das zeigt auch das Börsenbarometer an. Zuvor war der russische Index teils um 100 Prozent jährlich gestiegen, nunmehr ist eine Seitwärtsbewegung unverkennbar. Dies allein mag eine erwünschte Verschnaufpause darstellen, die Probleme im politökonomischen Bereich des Riesenlandes sind dennoch gravierend. Und so fragt sich die NZZ wohl zurecht, ob der Schritt zu einem freiheitlicheren Wirtschaftssystem unter Putin nicht vorerst zum Stillstand gekommen sei.

Andere Aussichten gibt es in Ländern des Südens, die bislang als Problemfälle galten. Die Philippinen haben ebenfalls laut NZZ nach dem überzeugenden Wahlsieg der bisherigen Präsidentin eine stabilere Phase vor sich, die eine effektive Bekämpfung der Korruption, nachhaltige Infrastrukturinvestitionen sowie den Abbau der gravierenden Verschuldung erlauben. Das wunderschöne Land in Südostasien könnte bei einer Beruhigung der politischen Verhältnisse auch vom Aufschwung des Tourismus profitieren, der im Vergleich zu Malaysia und Thailand trotz ähnlicher Voraussetzungen noch immer ein kümmerliches Dasein fristet.

Die Zürcher Kantonalbank schliesslich weist in ihrem neuesten Überblick zu internationalen Anlagen auf die gewachsene Stabilität in Lateinamerika hin. Das ist insofern bemerkenswert, als viele lateinamerikanische Länder unterdessen zwar moderate, aber doch deutlich links orientierte Regierungen haben. Diese versprechen offenbar eine glaubwürdigere politische Perspektive als die abgewirtschafteten Rechtsregimes der letzten beiden Jahrzehnte. Gepaart mit einem flexibleren Wechselkursregime verspricht sich die ZKB für die Region eine anhaltende Prosperität, die sich auch für ausländische Investments auszahlen wird. Wie sich die Zeiten ändern!

(Finanzen) Aufstrebende Märkte

Gleich über eine ganze Zahl aufstrebender Märkte berichtet die Finanzpresse an diesem Tage in ausführlichen Analysen. Russland hat gemäss NZZ vom Wochenende 13./14.11. unter Präsident Putin in den vergangenen Jahren eine erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht. In den Jahren zuvor hatte es mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion vor allem nur Chaos und Abbau gegeben. Doch dann halfen institutionelle Reformen und sicher auch die Erholung des Ölpreises zu einem Aufschwung mit Tigerdimensionen. Seit rund einem Jahr will es aber nicht mehr so richtig weiter gehen. Das zeigt auch das Börsenbarometer an. Zuvor war der russische Index teils um 100 Prozent jährlich gestiegen, nunmehr ist eine Seitwärtsbewegung unverkennbar. Dies allein mag eine erwünschte Verschnaufpause darstellen, die Probleme im politökonomischen Bereich des Riesenlandes sind dennoch gravierend. Und so fragt sich die NZZ wohl zurecht, ob der Schritt zu einem freiheitlicheren Wirtschaftssystem unter Putin nicht vorerst zum Stillstand gekommen sei.

Andere Aussichten gibt es in Ländern des Südens, die bislang als Problemfälle galten. Die Philippinen haben ebenfalls laut NZZ nach dem überzeugenden Wahlsieg der bisherigen Präsidentin eine stabilere Phase vor sich, die eine effektive Bekämpfung der Korruption, nachhaltige Infrastrukturinvestitionen sowie den Abbau der gravierenden Verschuldung erlauben. Das wunderschöne Land in Südostasien könnte bei einer Beruhigung der politischen Verhältnisse auch vom Aufschwung des Tourismus profitieren, der im Vergleich zu Malaysia und Thailand trotz ähnlicher Voraussetzungen noch immer ein kümmerliches Dasein fristet.

Die Zürcher Kantonalbank schliesslich weist in ihrem neuesten Überblick zu internationalen Anlagen auf die gewachsene Stabilität in Lateinamerika hin. Das ist insofern bemerkenswert, als viele lateinamerikanische Länder unterdessen zwar moderate, aber doch deutlich links orientierte Regierungen haben. Diese versprechen offenbar eine glaubwürdigere politische Perspektive als die abgewirtschafteten Rechtsregimes der letzten beiden Jahrzehnte. Gepaart mit einem flexibleren Wechselkursregime verspricht sich die ZKB für die Region eine anhaltende Prosperität, die sich auch für ausländische Investments auszahlen wird. Wie sich die Zeiten ändern!

8.11.04

(Finanzen) Unsicherheit nach den Wahlen

Die US-Präsidentenwahl ist entschieden. Unter Börsianern kommt Erleichterung auf, denn Unsicherheit ist Gift für die Börse, da war ein klares Ergebnis mit Bush als Sieger willkommener. Womit sich einmal mehr zeigt, wie die Vertreter der Finanzindustrie einem kurzfristigen Denken verpflichtet sind. Die Kommentare lassen eine langfristige Sicht vermissen.

Nun sei hier nicht die Behauptung in die Welt gesetzt, mit Kerry wäre an den Börsen alles besser und die Krise der letzten Jahre endgültig ausgesessen. Es ist das Schicksal des Börsengeschehens, dass es von stetem Auf und Ab geprägt ist – woran auch ein demokratischer Präsident nichts ändern würde. Immerhin seien aber ein paar Tatsachen in Erinnerung gerufen. So waren die Finanzmärkte unter Präsident Clinton ausserordentlich erfolgreich – Clinton kann man allenfalls vorwerfen, die Marktkräfte zu sehr entfesselt und damit den folgenden Absturz ab März 2001 verstärkt zu haben. Zudem hat Wallstreet trotz politischer Distanz mehr meist von demokratischen Führern als von Republikanern profitiert.

Doch ein anderes Argument ist wichtiger. Die Wirtschaft steht in einer globalisierten Welt vor grossen Herausforderungen. Weit entwickelte Volkswirtschaften wie jene der USA werden sich auf hohem Niveau nur halten können, wenn sie sich für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise entscheiden. Das bedeutet unter anderem hohe Investitionen in die Ausbildung breiter Bevölkerungskreise – und zwar dauernd. Es bedeutet auch eine Lösung der Energiefrage, die kaum von der bisherigen und neuen Administration zu erwarten ist. Bush setzt nicht nur im Inland auf das Öl als ewige Energiequelle. Er belegt die ganze Welt diesem Ölregime, indem er alle politischen Entscheide – beispielsweise den US-Krieg in Irak – diesem Regime unterordnet.

Nicht nur Unsicherheit also, sondern vor allem der Sieg von Bush wird langfristig die wichtigste Ökonomie der Welt ins Abseits führen, Budgetdefizite, soziale Ungleichheiten und vieles mehr wären anzufügen. Schlechte Aussichten für die Börse also, auch wenn es in kurzfristiger Euphorie nach einem Bush-Bonus aussieht. Aber eben, die Börsianer denken kaum weiter.

6.11.04

(Medien) Trost von Michael Moore

17 Gründe führt der amerikanische Dokumentarfilmer an, warum wir nach Bushs Sieg nicht verzweifeln sollten. Zu finden auf Moores Website www.michaelmoore.com (einfach auf den Titel klicken). Er hatte sich vehement für den demokratischen Kandidaten eingesetzt und alles versucht. Erreicht hat er immer hin, dass es dieses Mal bei den Wahlen mit rechten Dingen zugegangen zu sein scheint.

Und im alten Europa müssen wir nicht ganz verzweifeln, weil es auch in den USA weiterhin Leute geben wird, die Bush auf die Finger schauen. Dazu gehört weiterhin Moore. Zu seinen Gründen nicht zu verzweifeln gehört das Argument, dass Bush seit 88 Jahren der am schlechtesten wiedergewählte Präsident der USA ist. Allerdings, da gab es ja noch einige wie der Vater Bushs, die sogar abgewählt wurden.

Es waren im Übrigen einzig die Jungen als homogene Gruppe, die für Kerry votierten, sonst entschieden sich offenbar in der Interpretation von Moore alle für den anderen. Dann hoffen wir mal, dass in vier Jahren ein Demokrat oder noch besser eine Demokratin nicht nur deshalb das Rennen macht, weil das Desaster unter Bush nur noch grösser geworden ist.

2.11.04

(Finanzen) Rohstoffe sind der Renner

Immer wieder China sorgt für die entsprechende Schlagzeile: Die Nachfrage aus dem Riesenreich nach Commodities wächst mit Riesenschritten und erklärt die endlosen Preissteigerungen. Nicht nur der Ölpreis kennt in den letzten Monaten einzig die Richtung nach oben.

Da konnte man schon Wetten abschliessen, dass die Fondsindustrie geweckt und neue Rohstofffonds lanciert würden. So geschehen seitens der fusionierten Westschweizer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch, die soeben einen Multifonds Commodities vorstellt. Also wird auch hier wieder bereits auf einen bereits ausgereizten Trends gesetzt, der dem Neuanleger nur einen Absturz bescheren kann? Wohl eher nicht, denn die Sache mit China ist wirklich beeindruckend – und andere Staaten sind derzeit am Nachziehen. Wenn auch ein Einstieg wie stets in Schritten zu bevorzugen ist.

Eine andere Frage stellt sich hingegen: Wie weit ist es sinnvoll, in einen solchen Dachfonds zu investieren? Warum das Geld nicht einfach direkt in die zugrunde liegenden Fonds anlegen? Und damit auf jeden Fall Gebühren sparen, die trotz der Mulitstruktur mit einer voraussichtlichen TER (siehe Beitrag vom 27.10.04) von bis zu 2,5 nicht allzu hoch liegen werden. Möglich ist das, weil die Fonds, in die der LODH Multifonds Commodities investiert, in Form einen Teil ihrer Gebühren zurück vergüten.

Wenn dem wirklich so ist - was zu verfolgen bleibt - bietet der Rohstofffonds vor allem für jene eine Investitionsgelegenheit, die sich mit dem Thema nicht näher befassen mögen und auch wenig Geld anzulegen bereit sind. Warum aber Institutionelle vom Angebot Gebrauch machen sollen, ist nicht einzusehen. Und noch ein Vorteil des Fonds: Er investiert auch in Futures, derzeit aber nur zu rund einem Fünftel. Immerhin profitiert die Anlegerschaft so von einem Instrument, das anderweitig schwierig zugänglich wäre und erzielt einen zusätzlichen Diversifikationseffekt.

27.10.04

(Finanzen) Kosten transparenter

Jetzt ist sie da, die Kostentransparenz im Schweizer Fondsmarkt mit der geheimnisvollen Abkürzung TER. Das steht für Total Expense Ratio und setzt die gesamten Kosten für die Bewirtschaftung eines Fonds in Relation zum durchschnittlichen Vermögensbestand. Die Kennziffer kann also immer erst im Nachhinein festgestellt werden und hat zudem den Makel, dass die ausserhalb der Fondsgesellschaft anfallenden Kosten für den Wertschriftenkauf- und verkauf nicht inbegriffen sind.

Dennoch ist TER ein gutes Hilfsmittel für die fondsbegeisterte Anlegerin oder ihren männlichen Gegenpart. Denn TER umfasst effektiv die meisten der Kosten, sicher rund vier Fünftel. Und macht damit das Ganze transparent und vergleichbar. So wissen wir etwa, dass Aktienfonds in der Schweiz ein durchschnittliches TER von 1,59 Prozent aufweisen – erhoben von der britischen Fitzrovia Fondsagentur. Bei den unterdessen doch recht bescheidenen Renditen geht also ein guter Teil für das Management drauf, auch wenn das in den Performancetabellen nicht direkt ersichtlich ist. Da muss man sich schon die Mühe nehmen, die Factsheets zu den Fonds oder spezielle Aufstellungen zu konsultieren. Die Fondsinformationssite der Schweizer Börse (www.swx.com/investmentfunds) hat nun beispielsweise damit begonnen, alle fondsbezogenen Infos um die TER zu ergänzen.

Natürlich interessiert letztlich die Nettorendite – und ist diese gut, wird man hohe Fondskosten getrost in Kauf nehmen, sie quasi als Preis für die Rendite akzeptieren. Doch leider ist dieser Zusammenhang längst nicht immer gegeben. Das haben unter anderem die Untersuchungen der deutschen Fondsratingagentur Feri Trust gezeigt. Da ist der Russlandfonds der hiesigen Claridenbank wohl eher die Ausnahme als die Regel. Ihm zwackt die Bank eine TER von deutlich über 2 Prozent ab, hat aber in den letzen fünf Jahren auch regelmässig Renditen von über 20 Prozent erzielt. Aber eben, das ist die Ausnahme und die TER sollte nicht höher als 1,5 Prozent liegen!

24.10.04

(Finanzen) Die besten Fondsgesellschaften

Die allgemein anerkannte Qualität einer Fondsgesellschaft ist noch keine Garantie für die Güte eines einzelnen Fonds. Wenn aber die Muttergesellschaft mit vielen ihrer Produkte immer wieder an der Spitze steht, so mag das zumindest ein Argument für den Kauf eines bestimmten Fonds sein, vor allem, wenn noch andere Eckwerte positiv stimmen.

Die deutsche Rating-Agentur Feri Trust wertet regelmässig ihre Ranglisten der einzelnen Fonds aus und untersucht, welche der Fondsgesellschaften überproportional viele Fonds in Toppositionen bringen. Leider gibt es die gleiche Auswertung für den Schweizer Fondsmarkt nicht. Aber da viele hiesige Gesellschaften auch im deutschen Markt vertreten sind, lohnt ein Blick auf die Resultate dennoch. Neben einer hierzulande nicht vertretenen Gesellschaft sind auf den Spitzenrängen zu finden die DWS, die Fondstochter der Deutschen Bank, Franklin Templeton und erfreulicherweise Pictet als beste Fondsgesellschaft mit Schweizer Wurzeln. Sie alle bringen gemäss der Feri-Wertung rund zwei Drittel ihrer Fonds jeweils in die Spitzenränge.

Andere Schweizer sucht man vergeblich unter den Besten, nur gerade Julius Baer macht mit einem Verhältnis von 42 Prozent noch auf sich aufmerksam. Die grössten hiesigen aber, UBS, CS und die Kantonalbankentochter Swissca, überzeugen in der Mehrzahl ihrer Fonds offenbar zu wenig. Da können sich AnlegerInnen nur damit trösten, dass gut platzierte ausländische Gesellschaften – neben Pictet, DWS und Franklin – hierzulande über das Fundslab der Credit Suisse durchaus auch und erst noch kostengünstig zu haben sind (Ausgabeaufschlag für Aktienfonds von generell zwei Prozent). Das gilt beispielsweise für die Fonds von Mellon, Fidelity und Threadneadle. (Quelle: Portfolio international Okt. 04)

21.10.04

(Medien) Wunderbare CH-Photographie

Wer hat sich bei einer tollen Aufnahme nicht schon gefragt, wie sie entstanden ist? Das «Bilder machen» steht im Vordergrund einer Serie über moderne Schweizer Photographie, die seit einigen Wochen jeweils samstags am Vorabend auf Schweizer Fernsehen DRS zu sehen ist. Und weil 28 PhotographInnen porträtiert werden, hält das Vergnügen auch noch viele Wochen an, im Übrigen ist die Serie als DVD inkl. Begleitbuch für nicht ganz billige 85 CHF zu erwerben.

Ähnlich wie in der Architektur haben Schweizer im internationalen Vergleich derzeit Überdurchschnittliches zu bieten. Und so sieht man in der rund viertelstündigen Sendung – es hätte ruhig etwas länger sein dürfen – jeweils einen dieser hervorragenden Künstler an der Arbeit. Und erahnt etwas von der Grandiosität des Werks, wie etwa bei Balthasar Burkhard, dessen grossflächige Schwarz-Weiss Photographien immer wieder entzücken, ja begeistern.

Eine wichtige Rolle bei der Realisierung der Serie spielte gemäss dem federführenden Schweizer Fernsehen die Fotostiftung Schweiz. Bei der Auswahl der Fotografinnen und Fotografen standen zudem Institutionen aus den verschiedenen Landesteilen, das Musée de l’Elysée in Lausanne, das Museo Cantonale in Lugano und das Fotomuseum Winterthur den Produzenten von PHOTOsuisse beratend zur Seite. „Wir hatten wirklich die Qual der Wahl“, sagt Projektleiter Christian Eggenberger. Was wiederum die Vielfalt der CH-Fotoszene belegt. Nur ein Problem bleibt - wie schreibt man denn nun Fotografie - wo das Wort gar in den offiziellen Verlautbarungen mit ph und / oder f daherkommt....

18.10.04

(Umwelt) Bio ist wirklich besser

Was kürzlich hierzulande für Äpfel belegt wurde (siehe Blogtipp vom 25.9.04), schreibt eine östreichische Studie nun für die gesamte Bioproduktion fest. Da ist wirklich nicht nur mehr drin und dran, das ist auch gesünder! Auf der ganzen Breite fanden die beiden Wissenschafter Alberta Velimirov und Werner Müller Folgendes heraus:
- Biogemüse und –obst: Mehr Vitamine, mehr Mineralstoffe, weniger Schwermetalle, höhere Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen, höhere Trockenmasse und bessere Haltbarkeit.
- Biogetreide und –hülsenfrüchte: Höherer Gehalt an essenziellen Aminosäuren, geringere Pestizid- und Schwermetallrückstände – und: auch Tiere bevorzugen Biogetreide, so sie denn die Wahl haben.
- Tierische Bioprodukte: Günstigere Fettsäurezusammensetzung, höhere ernährungsphysiologische Qualität bei Eiern, höheres Eigewicht, gentechnikfrei und so fort.

Was also will man mehr? Die Resultate stammen übrigens nicht aus eigener Feldforschung, denn von denen gibt es unterdessen mehr als genug. Vielmehr haben die sich die beiden Forscher der Mühe unterzogen, 170 bestehende Studien aus aller Welt auszuwerten. Bestätigt wurde auch die gute Wirkung von biologischen Lebensmitteln auf die Gesundheit. So war die Muttermilch hochwertiger und die Spermienkonzentration höher bei Frauen respektive Männern, die sich vorwiegend biologisch ernähren. Wenn das kein Grund ist, die höheren Preise zu akzeptieren!

14.10.04

(Finanzen) Wasser gegen Durst und für Profite


SAM Wasserfonds 3J 041015
Originally uploaded by tipps.




Mit dem Wasserfonds hat die Zürcher Sustainable Asset Management (SAM) vor drei Jahren einen unterdessen äusserst erfolgreichen Themenfonds geschaffen. Für einmal war auch das Timing in der Lancierung eines Fonds recht gut, denn die Börsenblase war bereits geplatzt. Der Abschwung traf den Fonds entsprechend vermindert und heute schlägt er im Dreijahresvergleich bereits mit einer positiven Performance zu Buche.

Vier globale Trends prägen den Wasserbereich gemäss Einschätzung der SAM. Das Bevölkerungswachstum und die Verstädterung werden die Nachfrage nach sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen unvermindert beflügeln. Die vorhandene Infrastruktur ist vielerorts veraltet und muss in den kommenden Jahrzehnten mit grossem Aufwand saniert werden. Das gilt nicht zuletzt auch für das schweizerische Abwassersystem. Das steigende Gesundheitsbewusstsein rückt die Rolle des sauberen Wassers zunehmend ins Bewusstsein. Und nicht zuletzt werden, wenn auch in einer Präsentation in Zürich unerwähnt, die Liberalisierungsschritte zumindest teilweise Privatisierungen vorantreiben, die das Wasser zunehmend zu einem kommerziellen Gut wandeln. Zumindest in Kooperationen der öffentlichen Hand und privater Unternehmen ergeben sich auch daraus sinnvolle Impulse, während die vollständige Privatisierung der Wasserversorgung ja äusserst umstritten und nach ersten Erfahrungen auch wenig erfolgversprechend ist.

Ungeachtet dieser Privatisierungsproblematik scheint das Potential in diesem Investitionssektor ungebrochen gross. Wobei ein nächster Schritt, nämlich die Entsalzung grosser Mengen von Meerwasser, noch nicht einmal in die Überlegungen mit einfliesst. Sie scheint Experten nach wie vor als zu teuer, als dass sie in breitem Stile zum Einsatz gelangen könnte – die reichen Ölstaaten im Nahen Osten einmal ausgenommen. Der SAM-Wasserfonds, der auch die Schweizer Geberit zu einem der wichtigsten Investments zählt, scheint auf jeden Fall gut für die kommenden Jahre positioniert und als ergänzendes Fondsinvestment vielversprechend.

12.10.04

(Umwelt) Extremer Treibhauseffekt

Die Erde könnte am Beginn eines galoppierenden Treibhauseffekts stehen. Der Kohlendioxid-Gehalt (CO2) der Atmosphäre ist in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft gestiegen, wie neue Messungen ergaben und Spiegel online berichtet. Forscher vermuten demnach, dass Ozeane und Wälder ihre Grenzen als Klimagas-Schlucker erreicht haben.

Die jüngste Entwicklung gilt als Anzeichen für eine mögliche Hitzespirale, weil die Ozeane und Wälder der Welt nicht mehr in der Lage sind, alles ausgestossene CO2 zu schlucken. Demnach nahmen die entsprechenden Werte in den vergangenen beiden Jahren sprunghaft zu. Zwei Jahre gelten zwar als unzureichend, um einen Trend zu begründen. Aber selbst skeptische Wissenschafter weisen darauf hin, dass diese Hitzespirale wenn nicht unmittelbar bevorstehe so doch in den nächsten 20 bis 30 Jahren einsetzen könne.

Weil die Welt weiter kräftig fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas verfeuert und dabei CO2 entsteht, nimmt die atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration kontinuierlich zu. Ein Zuwachs in zwei aufeinander folgenden Jahren sei "ein Phänomen" und zugleich "ein Grund, besorgt zu sein", sagte Charles Keeling, einen Pionier auf dem Gebiet der atmosphärischen CO2-Messungen, der britischen Zeitung "The Guardian". Der US-Forscher und Geochemiker kann sich vorstellen, dass die globalen "Kohlenstoff-Senken" allmählich vollaufen, sprich: dass Ozeane und Vegetation es nicht mehr schaffen, zumindest einen Teil des von Menschen freigesetzten Kohlendioxids zu binden.

(Umwelt) Extremer Treibhauseffekt

Die Erde könnte am Beginn eines galoppierenden Treibhauseffekts stehen. Der Kohlendioxid-Gehalt (CO2) der Atmosphäre ist in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft gestiegen, wie neue Messungen ergaben und Spiegel online berichtet. Forscher vermuten demnach, dass Ozeane und Wälder ihre Grenzen als Klimagas-Schlucker erreicht haben.

Die jüngste Entwicklung gilt als Anzeichen für eine mögliche Hitzespirale, weil die Ozeane und Wälder der Welt nicht mehr in der Lage sind, alles ausgestossene CO2 zu schlucken. Demnach nahmen die entsprechenden Werte in den vergangenen beiden Jahren sprunghaft zu. Zwei Jahre gelten zwar als unzureichend, um einen Trend zu begründen. Aber selbst skeptische Wissenschafter weisen darauf hin, dass diese Hitzespirale wenn nicht unmittelbar bevorstehe so doch in den nächsten 20 bis 30 Jahren einsetzen könne.

Weil die Welt weiter kräftig fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas verfeuert und dabei CO2 entsteht, nimmt die atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration kontinuierlich zu. Ein Zuwachs in zwei aufeinander folgenden Jahren sei "ein Phänomen" und zugleich "ein Grund, besorgt zu sein", sagte Charles Keeling, einen Pionier auf dem Gebiet der atmosphärischen CO2-Messungen, der britischen Zeitung "The Guardian". Der US-Forscher und Geochemiker kann sich vorstellen, dass die globalen "Kohlenstoff-Senken" allmählich vollaufen, sprich: dass Ozeane und Vegetation es nicht mehr schaffen, zumindest einen Teil des von Menschen freigesetzten Kohlendioxids zu binden.

9.10.04

(Finanzen) Ein weiterer herber Schlag für Aktionäre

Die Deutsche Telekom will ihre Internet-Tochter T-Online von der Börse nehmen. Das meldet Spiegel online. Demnach soll den Aktionären ein Kaufangebot von 8,99 Euro je Aktie gemacht werden. Für die Anleger der ersten Stunde, die einst 27 Euro bezahlt und T-Online die Treue gehalten haben, ist das Angebot «ein herber Schlag». Jegliche Hoffnung ist zunichte gemacht, je wieder zumindest einen Teil der Verluste wettzumachen.

Damit hat die Dotcomblase und allgemeine Börsenhysterie von Anfang des Jahrzehnts ihr vorerst letztes Opfer hervor gebracht. Solche Opfer gab es mitnichten nur im Ausland, sondern auch auf dem begrenzten Schweizer Markt. Indirekt gehört auch die Converium dazu, die Rückversicherungstochter der Zürich, die erst seit rund zwei Jahren als unabhängiges Unternehmen an der Börse kotiert ist und deren Aktionäre derzeit einen ähnlich drastischen Wertverlust beklagen müssen wie jene von T-Online.

Die Lehre aus den diversen Debakeln ist eindeutig. Aktien von Einzelunternehmen zu halten ist höchst riskant, in jedem Falle und bei noch so guten Voraussetzungen. Auch die Neukotierung eines Unternehmens (sogenanntes IPO) ist bei noch so verlockenden Aussichten für KleinanlegerInnen viel zu riskant. Nur wer eine grössere Summe investieren und damit viele Titel kaufen kann, wird sein Anlage in einem genügenden Ausmass diversifizieren können und damit gegen allzu grosse Risiken gefeit sein. 200'000 CHF, verteilt auf zehn bis 20 Titel gelten dem Autor als unterste Grenze für die Anlage in Einzeltiteln. Da liegt das Investieren in Aktienfonds natürlich sehr viel näher.

7.10.04

(Medien) Journalism made in India

Die englische Nachrichtenagentur Reuters geht im Zeichen der Produktionsverlagerung einen Schritt weiter. Ab jetzt soll journalistische Alltagsarbeit – und zwar jene aus dem Finanzbereich – in Indien und nicht mehr in England geleistet werden. Wie schon bei der Informatik ist Bangalore das auserwählte Zentrum, wo Reuters seine bereits bestehende Belegschaft von 300 InderInnen verdoppeln will. Im Gegenzug werden laut einem Bericht der englischen Zeitung Independent 3000 Arbeitsplätze auf der Insel wegfallen.

Die Auslagerung von Arbeitsplätzen wird begünstigt durch die sprachlichen Voraussetzungen. Die anvisierten neuen indischen Arbeitskräfte sprechen hervorragend Englisch und sind im Übrigen ebenso qualifiziert wie die englischen. Nach Reuters-Angaben kosten Berichterstatter in Indien im Vergleich zu etablierten Standorten in New York, London und Singapur 60 Prozent weniger. Einziges Problem der Verlagerung: der grosse Zeitunterschied. Die indische Belegschaft im Bereich des News-Geschäfts wird von nachmittags bis tief in den folgenden Morgen hinein arbeiten müssen.

Noch bevor also die Maschinen das Schreiben der Berichte übernehmen, werden diese in Indien, später einmal in China und weiss wer noch wo verfasst. Einziger Trost: Lokaljournalismus ist wohl gefeit gegen solche Verlagerungstendenzen und wird vielleicht einst noch die Königsdisziplin der hiesigen Schreiberzunft – ganz einfach weil sonst keine JournalistInnen mehr ihr Auskommen finden. (Quelle: Spiegel online – www.spiegel.de hat sich übrigens soeben wieder als meist besuchte Website im deutschsprachigen Raum erwiesen.)

(Finanzen) Schwankungen für Fondsanlage nutzen

Die Anlage mit Fonds ist eine feine Sache, insbesondere für jene, die ein Risiko eingehen und in Aktienmärkte investieren wollen. Aber dann kommen doch die Fragen zuhauf: Welchen aus den hierzulande über 3000 zugelassenen Fonds auswählen, zu welchem Zeitpunkt einsteigen und mit welchen Beträgen mindestens oder höchstens? Und schliesslich, wie umgehen mit den Schwankungen an den Märkten.

Antworten sind einfach, ist die Einsicht mal herangereift, dass die Märkte stets schwanken und diese Schwankungen von niemanden präzis vorhergesagt werden können. Also mache man sie sich zunutze! Dafür eignen sich einerseits Fondssparpläne. Nur ist die Palette der angebotenen Fonds hierzulande leider noch klein. Bezüglich Angebotsbreite und Kosten hat wohl die Post das derzeit beste Angebot.

Oder man lege ähnlich wie bei Fondssparplänen, aber doch in grösseren Beträgen an. Immer so, dass Bares bleibt, um allfällig nötige Zukäufe zu tätigen. Das kann beispielsweise wie folgt aussehen: Die ersten 10'000 CHF werden in einen Fonds angelegt, der seit Erreichen eines Höchstwerts mindestens einen Fünftel an Wert eingebüsst hat – so steigt man sicher nicht im allerdümmsten Moment ein. Legt der Fonds in der Folge wieder zu, ist der Verkauf bei einem Plus von rund 40 Prozent ins Auge zu fassen, denn ewig kanns ja nicht in die Höhe gehen.

Tritt hingegen eine erneute Wertminderung ein, so tätige man einen Nachkauf für ebenfalls wieder 10'000 CHF, sobald das Minus 20 Prozent erreicht. Da Fonds immer ganze Märkte abbilden und solche ganzen Märkte kaum je von der Bildfläche verschwinden, kann man getrost hoffen, dass der Moment des Wiederaufschwungs kommt. Dann wird besonders ins Gewicht fallen, zu den tiefsten Preisen am meisten Fondsanteile gekauft zu haben. Im vorgerechneten Beispiel wird ein dritter Kauf bei der Hälfte des ursprünglichen Anteilwerts fällig. Setzt dann die Erholung ein, ist man bereits nach 40 Prozent schon wieder weit im Plus. Die früheren Wertverluste sind also bald wettgemacht.

Ach ja! Die Frage, welcher Fonds es denn nun sein soll, wurde damit nicht beantwortet. Doch dazu in einem späteren Beitrag.

4.10.04

(Medien) So angeln die Gemeinden Millionäre

Den Schweizer Medienpreis für die ausgezeichnete Recherche gibt es leider noch nicht. Verdient hätte ihn ein Bericht aus dem Beobachter von Anfang Oktober. Simon Thönen beschreibt die Reaktionen von 32 Gemeinden, denen bei Steuerrabatt der Zuzug eines ausländischen Millionärs in Aussicht gestellt wurde. 18 von 32 Gemeinden würden sich auf den Deal einlassen. Womit sie kein ungesetzliches Angebot machten. Denn eine Besteuerung nach Aufwand «bei Ausländern ohne jegliche Erwerbstätigkeit im Inland» gilt als rechtens. Berühmte Beispiele sind etwa der siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schuhmacher oder die kanadische Countrysängerin Shania Twain. Beide sind mehrhundertfache Millionäre und zahlen hierzulande bei weitem nicht so viele Steuern, wie dies ein Schweizer Bürger müsste.

Den Vogel abgeschossen beim offerierten Steuerrabatt hat die Stadt Winterthur. SP-Stadtpräsident Ernst Wohlwend offerierte dem Steuerflüchtling eine jährliche Pauschalsteuer von 65'000 CHF, obwohl dieser ein Jahreseinkommen von neun Millionen und ein Vermögen von 150 Millionen zu besitzen vorgab. Auch Wohlwend fand das Angebot an den deutschen Anwalt, der die Recherche für den vermeintlichen Millionär durchzog, als ausserordentlich günstig. Und fragte sich bei der Konfrontation mit dem Beobachter, was das Ganze eigentlich bringe.

Abgesehen vom seltsamen Resultat, das eine fragwürdige Praxis des Schweizer Steuerrechts mit allen Konsequenzen ans Tageslicht bringt, ist die Beobachter-Recherche bemerkenswert. Hier hat sich eine Redaktion die Mühe genommen und offenbar keinen Aufwand gescheut, einen Sachverhalt zu hinterleuchten, der in der Öffentlichkeit nach wie vor zu wenig wahrgenommen wird. Das spiegelt sich wiederum in der Resonanz des Artikels. Er wurde bislang nirgends aufgenommen – und der Preis für die ausgezeichnete Recherche wird wohl auf sich warten lassen.

3.10.04

(Medien - Netztipp) Den Medien den Spiegel vorgehalten.

Der eigene Blog in Ehren, aber tipps.blogspot.com verschreibt sich ja einer Mischung aus den Bereichen Finanzen, Medien, Umwelt. Da kann ein reiner Medienblog wie www.medienspiegel.ch mehr in die Tiefe gehen. Täglich wagt dessen Betreiber Martin Hitz, einer der Blogpioniere hierzulande, einen Blick in den Medienspiegel und verweist auf interessante Beiträge aus und über die Schweizer Medienszene.

Da waren es vergangene Woche die Auflagezahlen der Schweizer Printtitel. Sie wur-den in einer Zwischenerhebung ausgezählt – mit ernüchterndem Resultat (1.Oktober). Gleichsam ein Inhaltsverzeichnis des eigenen Blattes bietet Hinz am gleichen Tag. Er arbeitet bei der NZZ, macht damit auch klar, dass mit dem Bloggen kein Geld zu verdienen ist (dieser Frage widmete er einen eigenen früheren Beitrag vom 24.September) – und liefert freitags jeweils die Angaben zu Artikeln, die die Medienseiten der NZZ präsentieren. Diese Artikel lohnen stets einen Hinweis, handelt es sich dabei doch um den einzigen verbliebenen und systematischen Versuch der Printmedien, sich selbst den Spiegel vorzuhalten. Von besonderem Interesse: die Medienseiten der NZZ sind immer mit den Informatikseiten gekoppelt und erlauben so einen Blick auf künftige Entwicklungen.

Doch zurück zum Medienspiegel. Er brachte in der vergangenen Woche auch noch den Hinweis auf die fragwürdige Praxis der Basler Zeitung, für Einträge in den Veranstaltungskalender des neu gestalteten Monopolblattes Geld zu verlangen (30.September). Und in den Tagen zuvor ging es um das häufigere Erscheinen der Bilanz – auch hier bei tipps ein Beitrag (siehe «Flucht nach vorn» vom 29.9.04). Und gelegentlich blickt der Medienspiegel über die Landesgrenzen, etwa bei «Zitieren oder verlinken?» einer netten Geschichte in der Berliner «taz» zur Arbeitsweise der «Netzeitung» vom 27.9.04.