12.11.06

(Medien) Betrüger im Netz hereingelegt

Fast jeder Internetbenutzer hat sich schon über die heuchlerischen Schreiben geärgert, in denen das Opfer einer afrikanischen Ungerechtigkeit oder Strafe den Adressaten bittet, beim Transfer von Millionenbeträgen auf ein sicheres Konto behilflich zu sein. Die Betrüger, die grösstenteils aus Nigeria stammen, appellieren an die heimliche Komplizenschaft ihrer Opfer und stellen als Belohnung für die erbetene zwielichtige Hilfeleistung einen Anteil am transferierten Betrag in Aussicht. Die meisten drücken beim Empfang solcher Schreiben die «Delete»-Taste. Michael Berry, ein 44-jähriger britischer Computerexperte, hatte vor ein paar Jahren eine bessere Idee, über die die NZZ am Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet.

Als sich Berry wieder einmal über einen besonders dreisten Betrugsversuch ärgerte, antwortete er dem Absender und tischte ihm seinerseits eine haarsträubende Geschichte auf. Und siehe da: Der Betrüger fiel auf ihn herein und schickte ihm Kopien seines Passes und eines Bankauszugs, «natürlich nichts als schlechte Fälschungen», kichert Berry am Telefon. Er kam auf den Geschmack und verbringt seither bis zu fünf Stunden pro Tag damit, im Internet Köder auszulegen und Betrüger mit langen Briefwechseln hinzuhalten. Er mache dies aus Spass, sagt Berry, aber auch als Dienst an der Allgemeinheit.

Wenn die Betrüger nach dem ersten Kontakt jeweils auf angebliche unvorhergesehene Schwierigkeiten hinweisen und die Vorauszahlung stets steigender Gebühren für einen «An-walt» oder «Mittelsmann» anfordern, willigt Berry ein, gibt aber beispielsweise vor, das Geld persönlich überbringen zu wollen. Er schickt Kopien gefälschter Flugtickets und bringt seine «Partner» dazu, für ihn Hotelzimmer zu reservieren. Dann kommt ihm etwas dazwischen, und alles muss von vorne beginnen. Die besten Geschichten, mit denen er Betrüger ihre Zeit ver-schwenden liess, hat Berry kürzlich veröffentlicht. Und er organisiert über die Website www.419eater.com den Widerstand gegen Internet-Betrüger. Quelle: NZZ am Sonntag vom 12.11.2006

8.11.06

(Umwelt) Im Jahre 2020 überflügelt Windenergie die Kernkraft

Die Windenergie kann 2050 mehr als 34 Prozent des weltweiten Strombedarfs decken. Auf Grund des starken Wachstums der vergangenen Jahre und der sehr guten Marktaussichten geht die Windkraft-Industrie von einem weitaus höheren Anteil der Öko-Energien bei der künftigen Energieversorgung aus als die Internationale Energieagentur in ihrem aktuellen World Energy Outlook.

Wenn sich das Wachstum der Windkraft-Kapazitäten auch in den nächsten Jahren steigert, Maßnahmen zur Energieeinsparung greifen und die Kosten für fossile Energieträger weiter anziehen, rechnet der Weltverband der Windkraftindustrie, Global Wind Energy Council, im Jahr 2050 mit einer installierten Windenergie-Leistung von über 3.000 Gigawatt, die über 7.900 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren. Selbst bei steigendem Energieverbrauch könnte die Windenergie 2050 so noch 21 Prozent des Elektrizitätsbedarfs bereitstellen.

Der europäische Windenergieverband, European Wind Energy Association, hatte bereits vor zwei Jahren in einer Studie für das Jahr 2020 mit fast 3.100 Milliarden Kilowattstunden Windstrom weltweit gerechnet. Damit hätte die Windenergie mit der Atomkraft gleichgezogen. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. 2006 in www.sonnenseite.com

4.11.06

(Finanzen) Noch mehr Gründe für nachhaltiges Investieren

Der Klimawandel kommt nicht erst, sondern ist schon da. Das zeigte ETH Klimaforscher Christoph Schär an einer Investmentroadshow der Sustainable Asset Management (SAM) in Zürich. Praktisch alle Wissenschafter stehen heute uneingeschränkt zur Erkenntnis, dass die Erderwärmung bereits feststellbar und auf menschliche Aktivität zurück zu führen ist. Eine Beobachtung, die auch Ex-US-Vizepräsident Al Gore in seinem aktuellen Film «An inconvenient truth» mehrfach betont.

Verantwortlich für die jedem einsehbaren Klimaeskapaden ist der Ausstoss von Treibhausgas, der zu einer nie erreichten Dichte dieses Gases in der Atmosphäre, gemessen in ppm, geführt hat. Absehbar ist, dass diese Dichte weiter steigt – und damit auch die beobachtbaren Temperaturen. Diese werden zu Schäden führen, die jene des Sommers 2003 deutlich übertreffen. Der heisse Sommer bedeutete damals Schäden für die landwirtschaftliche Produktion von über 12 Milliarden Franken und allein in Europa 20-30'000 zusätzliche Todesopfer. Allein in der Schweiz dürften in jenem Extremsommer 1000 Menschen vorzeitig gestorben sein. Weitere Schäden ergaben sich durch Fischsterben und Waldbrände, die mit der besonderen Hitze in Verbindung standen.

Erleuchtend dazu auch der eben erschienene Sternbericht. Er beziffert die Kosten des CO2-Ausstosses mit 89 $ pro Tonne. Bei bereits feststellbaren CO2-Freisetzungen von 6500 Millionen Tonnen weltweit und jährlich gibt das bereits heute eine Schadensumme von rund 550 Milliarden $ - oder etwa des Doppelten des Schweizer Bruttosozialprodukts. Tendenz stark steigend. Da liegt auf der Hand, und das war der Zweck der SAM-Veranstaltung, dass jegliche wirtschaftliche Aktivität künftig gute Rendite bringen wird, die der Verminderung des CO2-Problemes dient. Im Vordergrund stehen Investitionen für Erneuerbare Energien und für die effizientere Nutzung des blauen Goldes, auch Wasser genannt. SAM bietet verschiedene Instrumente, neu neben diversen Fonds und zusammen mit der Bank Julius Bär ein Zertifikat.

Der Veranstalter kann unterdessen auf über zehn Jahre Aktivität im Nachhaltigkeitsbereich zurück blicken. Damit bringt es SAM auf derzeit rund zehn Milliarden Franken, die direkt verwaltet oder dann unter Lizenz nach deren Sustainability-Kriterien gemanagt werden. Und es besteht kein Zweifel, dass noch gewaltiges Wachstumspotenzial vorhanden ist.

27.10.06

(Finanzen) Nachhaltigkeitsfonds glänzen

Neue Zahlen bescheinigen vielen Anlagefonds, die gemäss Kriterien der Nachhaltigkeit anlegen, hervorragende Resultate. Damit gilt nicht mehr nur, dass sie mindestens so gut wie herkömmliche abschneiden. Nein – in vielen Fällen fährt gar besser, wer auf Firmen setzt, die ökologische und soziale Aspekte besonders berücksichtigen.

Eine Zusammenstellung der deutschen Finanzpostille Cashpoint bringt das erfreuliche Resultat an den Tag und setzt ihm noch besonderen Glanz aus Schweizer Sicht auf: Unter den besten Anlageinstrumenten finden sich zahlreiche Schweizer Anbieter. So zeigen die Kenndaten gemäss Zusammenstellung der Zeitschrift für die besten sechs folgende Rangliste:
1. Activest Eco Tech 78,1 % Rendite in 3 Jahren / 1,5 % Verwaltungsgebühr
2. Pictet Funds Water 68,5 / 1,5
3. Vontobel Fd. Gl. Trend New Power Tech 63.4 / 1.65
4. Ökovision 62.0 / 1.76
5. Swisscanto Green I 61.6 / 2.0
6. UBS Fd. Gl. Innov. 60.0 / 2.0

Damit lagen diese Fonds allesamt weit über dem Durchschnitt der jeweiligen Branche. Und der Weltaktienindex MSCI wurde seit dem letzten Börsencrash deutlich abgehängt, im Dreijahresdurchschnitt etwa um 17 Prozent. Eine solche Outperformance hat auch das Basler Bankenhaus Sarasin festgestellt, die in der Analyse des nachhaltigen Investments eine Spitzenstellung einnimmt. Für einzelne Branchen stellte Sarasin demnach in den Sektoren Pharma und Automobil rund 50 Prozent, im Maschinenbau und bei Nahrungsmitteln deren 70 und im Energiesektor mindestens 100 Prozent mehr Rendite fest. Das haben die CH-AnlegerInnen offenbar auch schon realisiert, sind sie doch gegenüber dem restlichen Europa weit überdurchschnittlich nachhaltig investiert. Aber – es könnte auch noch mehr sein!

22.10.06

(Medien & Umwelt) Umwelt – am TV und im Netz live erlebt

Bewusst und authentisch leben - das ist der neue Zeitgeist zu Beginn des 21. Jahrhunderts. "ZDF.umwelt" greift diesen Trend auf und lädt zum Miterleben ein. "ZDF.umwelt" ist ein Magazin für modernes Leben - informativ, unterhaltsam, verständlich, kompetent und lebendig. 30 Minuten lang, jeden Sonntag um 13.15 Uhr, Woche für Woche.

Das Magazin nimmt im Netz unter www.umwelt.zdf.de einen neuen Trend auf – hier lassen sich dann die Beiträge 1 zu 1 wieder abspielen, technisch ohne jegliche Schwierigkeiten. An diesem Sonntag etwa der Bericht über «Dallas in Deutschland» oder wie eine Rapsöltankstelle innert eines Jahres zum Erfolg wurde. Das Pflanzenöl stammt aus dem Umfeld der Tankstelle. Dank kurzer Transportwege sind die Kosten für das Öl besonders günstig. Deutschlandweit fahren so bereits 30'000 Fahrzeuge, im Schnitt der Liter um 30 Eurocent billiger als herkömmliches Benzin.

Dass allerdings das pflanzlich erzeugte Oel auch nur beschränkt ein Ersatz als Kraftfahrstoff darstellen kann, ging im Bericht unter. Denn bei einer massenhaften Umrüstung wird die Konkurrenz mit andren Zielen der Landwirtschaft, insbesondere der Nahrungsmittelsicherheit zur bedrohenden Frage «Essen oder Mobilität». Wer dabei oben ausschwingt und andrerseits den kürzeren zieht, liegt angesichts der Globalisierung auf der Hand. So oder so - das Magazin ist am TV oder im Netz ein Must für Umweltinteressierte.

14.10.06

(Umwelt) Verdammt gut gemacht

Eine der zahlreichen Vorpremieren des Al-Gore-Streifens «Eine unbeqeme Wahrheit» hat zwar keine neuen Einsichten zutage gefördert. Aber gemacht ist der Film äusserst packend und kaum versieht man sich, sind die rund zwei Stunden schon vorüber. Sicher bleibt als schaler Nachgeschmack, dass die Haltung des Durchschnittsamerikaners einfach kaum nachvollziehbar ist. Diesen Leuten muss man die Botschaft offenbar auf eine spezielle Art und Weise vermitteln. Wobei der Film resp. die jeweiligen Vortragsauftritte von Al Gore beispielhaft sind.

Ein paar Fakten sind dennoch neu, bleiben hängen, stimmen nachdenklich und öffnen die Herzen für eigene Action. So ist die absehbare weitere Gletscherschmelze ein Phänomen, das auch uns Schweizer unmittelbar angeht. Denn nicht nur mit dem Wintertourismus könnte es vielerorts bald vorbei sein. Auch das Wasserschloss Schweiz im Herzen Europas wankt plötzlich. Was unseren einzigen natürlichen Rohstoff mit unabsehbaren Folgen auch hierzulande zur Mangelware machen könnte.

Es ist noch nicht zu spät, Gegensteuer zu geben. Die nötigen Massnahmen sind bekannt und öffnen in wirtschaftlicher Hinsicht gar viele Chancen. Das Beispiel des bald grössten Automobilherstellers Toyota zeigt, dass sich Klimaschutz mit ökonomischem Erfolg gut verbinden lässt. Das mündet in der eingängigen Formel vom doppelten Profit, neben dem finanziellen eben auch der ökologische und im Idealfall ein sozialer. Was im Film ungesagt blieb und in der anschliessenden Diskussion immerhin kritisch vermerkt wurde: Das Problem der individuellen Mobilität wird sich kaum einfach mit schadstoffärmeren Autos lösen lassen. Auch wird der Finanzsektor eine Schlüsselrolle spielen. So könnten nachhaltige Investments wichtige Anreize bieten für ein schadstoffärmeres Wirtschaften. Und gänzlich ging unter, dass eine solare Weltwirtschaft langfristig die einzige wirklich zukunftsfähige Vision darstellt.

Uebrigens: Der Film von Al Gore startet am 19.Oktober in den Schweizer Kinos. Und passend zur Zürcher Vorpremiere lieferte die Oebu ein paar persönliche Verhaltensratschläge, die nachfolgend verkürzt wiedergegeben sind:
- Kaufen Sie Sparlampen der Effizienzklasse A
- Schalten Sie Elektrogeräte vollständig aus
- Kaufen Sie energieeffiziente Geräte
- Beziehen Sie Oekostrom
- Stellen Sie die Heizung richtig ein
- Sparen Sie Wasser
- Kaufen Sie regionale und saisonale Produkte
- Investieren Sie Ihr Geld in nachhaltige Finanzprodukte
- Pflanzen Sie einen Baum

Quelle der Tipps: www.oebu.ch

11.10.06

(Umwelt) Die Sonne als Entwicklungshelferin

Eine nachahmenswerte Initiative in Deutschland hat ein Etappenziel erreicht. Ziel der Stiftung Solarenergie ist es, durch den Einsatz erneuerbarer Energien die Armut in den Ländern Afrikas zu lindern. Die Stiftung übernimmt die Projekte des bisherigen Fördervereins. Dazu gehört auch ein einzigartiges Projekt in Äthiopien: die solare Elektrifizierung eines Dorfes mit rund 6.000 Einwohnern.

Die Stiftung Solarenergie ist die erste und einzige deutsche Stiftung, die die Förderung der regenerativen Energien auch als Entwicklungshilfe versteht.. Unter dem Motto „Energie ohne Grenzen“ startete der Förderverein "Stiftung Solarenergie e.V." im Jahr 2005 das Pilotprojekt „Licht für Bildung“ in einer der ärmsten Regionen Äthiopiens. In Kechemober in der Projektregion Mida installierte die Stiftung Solarsysteme für 30 Hütten (Tukuls), drei Schulen und sechs Gesundheitsstationen.

Die Solarsysteme werden nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ installiert: Die Stiftung Solarenergie stellt die Solarsysteme als Starthilfe kostenlos zur Verfügung. Die Menschen nutzen das System und zahlen für den Solarstrom. Die Gebühren werden für die Wartung und den Betrieb der Solaranlagen benötigt. Die Wartung übernimmt ein örtlicher Elektroinstallateur, der vor Ort von der „Stiftung Menschen für Menschen“ ausgebildet wird (die Bewegung des Schauspielers Karl-Heinz Böhm).

Im Rahmen des Projekts „Licht für Bildung II“ entsteht derzeit ein zweites Solardorf in der Projektregion Mida. Das Dorf Rema hat 6.000 Einwohner und verfügt über einige Handwerksbetriebe, Kleingewerbe, eine Schule sowie eine Gesundheitsstation. Die Bewohner des Dorfes haben sich nach Besichtigung des Pilotprojekts „Licht für Bildung“ in Kechemober für die Nutzung der Solarenergie und gegen die Installation eines großen Dieselgenerators ausgesprochen. Alle 1.200 Tukuls (Hütten) sowie die Schule werden mit Solarsystemen ausgestattet. Die Kosten für das Projekt „Licht für Bildung II“ betragen rund 300.000 Euro. Das Projekt wird von Spendern der Stiftung Solarenergie finanziert, darunter viele Unternehmen aus der Solarbranche.

Um weitere Solarprojekte zu realisieren, benötigt die Stiftung Solarenergie Spenden. Spendenkonto: Stiftung Solarenergie, Stichwort Äthiopien, Konto 04 261 471 00, Dresdner Bank Freiburg BLZ 680 800 30. Quelle: Stiftung Solarenergie 2006 / www.sonnenseite.com

30.9.06

(Medien) Buchvernissage in der Finanz- und Medienwerkstatt

Der Basler Wirtschaftsjournalist Pierre Weill war so nett und hielt folgende Rede an der Vernisssage zum Ratgeber «Richtig Vorsorgen». Hier der Text für Alle, die nicht dabei sein konnten:

Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Doch ist dies wirklich der Fall? Oder bezieht sich dieses Schlagwort nicht in erster Linie auf die Möglichkeiten der Informations-Übermittlung? Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, Internet und Handies stellen sicher, dass wir immer und überall Informationen abrufen können. Doch wie ist es mit den Inhalten?

Welche Relevanz haben die Informationen, die wir überall und jederzeit abrufen können? Wir Journalisten haben, wie die meisten andren tendenziell den Hang zur Trägheit. Für unsere Arbeit heisst dies, dass wir vor allem News und Artikel aufnehmen, die leicht zu erhalten sind. Nachrichten, die auf der Hand liegen, sind aber nicht immer die, welche auch relevant sind. Unsere Quellen sind Nachrichtenagenturen, die nahezu ausschliesslich offizielle und öffentliche Veranstaltungen und Communiqués abdecken. Zudem werden wir selbst an zahllose Veranstaltungen und Medienkonferenzen eingeladen. Die Mehrzahl der Informationsveranstaltungen kommt von Regierungsstellen, Ämtern, Verbänden und Unternehmen. Deshalb beruht auch ein Grossteil der verbreiteten Information auf diesen Quellen. Die Veranstalter von Medienkonferenzen rufen jedoch kaum je Medien herbei, um zu enthüllen, wo sie was falsch gemacht haben. Vielmehr wollen sie sich gut verkaufen. Die Journalisten verifizieren wegen des Hangs zur Trägheit, aber auch vor allem wegen des Zeitdrucks und fehlender Kapazitäten das Gesagte zu selten in genügendem Masse.

Dazu kommen Tipps, die wir von Betroffenen erhalten. Sie sind oft die Quellen für so genannte Scoops oder Primeurs. Dabei muss man aber wissen, dass man immer auch instrumentalisiert wird, weil der Tippgeber eine eigene Agenda verfolgt. Dabei sucht er oder sie ein Medium, das besonders starke Beachtung findet. In den vergangenen Jahren hat sich die Sonntagspresse zum optimalen Medium für derartige Primeurs entwickelt, denn die Sonntagszeitungen sind nationale Zeitungen. Dazu kommt, dass am Wochenende sehr oft wenig los ist, die Redaktionen also Informationen aufnehmen und auf die Frontpage setzen, die an einem Wochentag je nach Newslage kaum beachtet würden. Sehr oft sind diese Scoops allerdings nicht von grosser Relevanz für die Leserinnen und Leser oder für die Gesellschaft als ganzes.

News und Ereignisse, die wir in unserem Umfeld erfahren, sind dagegen oft wenig spektakulär, aber relevant, weil sie die Mitmenschen direkt betreffen. Oft sind die Themen sehr komplex. Für die immer komplizierteren Themen, wie Pensionskassen, Krankenversicherungen etc., die aber für die Bevölkerung von grosser Bedeutung sind, laden viele Medien Fachleute ein, sich zu diesen Fragen zu äussern. Zwar werden sie als Fach- und Verbandsleute deklariert, doch kann dies nicht die Lösung sein, komplexe Themen aufzuarbeiten. Schliesslich gehört es zur Kernkompetenz der journalistischen Arbeit, derartige Themen lesegerecht darstellen zu können.

Genau dies macht Guntram Rehsche gemeinsam mit seinen Co-Autoren im Buch «Richtig vorsorgen». Er schildert in verständlicher Form, was Arbeitende machen müssen und können, damit sie ihre Pensionierung finanziell möglichst optimal geniessen könnnen. Ich habe das Buch mit grossem Interesse und Neugier gelesen und viel erfahren und gelernt. Journalismus ist eben auch dies – Erklärung von und Beratung in Dingen, die das Leben der Leserinnen und Leser nachhaltig beeinflussen. Von Pierre Weill.

25.9.06

(Umwelt) Nachhaltige Energieversorgung ist möglich

Auf seiner Jahrestagung in Berlin präsentierte der ForschungsVerbund Sonnenenergie (FVS) neuste Forschungsergebnisse zu nachhaltigen Energietechniken. Dabei wurde klar: Nachhaltigkeit braucht Forschung und Entwicklung und eine erhöhte Innovationsgeschwindigkeit. Die gesamtwirtschaftliche Betrachtung der Nutzung erneuerbarer Energiequellen zeige, dass sie zu einem Nettogewinn von Arbeitsplätzen in Deutschland führt - eine Aussage, die auch auf die Schweiz zutrifft, wie eine einschlägige WWF-Studie kürzlich zeigte. Die Wissenschaftler haben für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen Technologien entwickelt, die ökologisch verträglich, ressourcensicher, global einsetzbar und damit sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig sind. Diese Kriterien der Nachhaltigkeit werden von keiner anderen Technik so überzeugend erfüllt wie von den Technologien zur Nutzung der erneuerbaren Energien. Als Beispiele gelten unter anderem:

- Flexible Dünnschichtsolarzellen erweitern die Anwendungsfelder für die Photovoltaik.
- Aus Biomasse lassen sich durch neue Verfahren wasserstoffreiche Kraftstoffe gewinnen.
- Die Erforschung und Erschließung der Offshore-Windenergienutzung setzt ein außerordentlich großes zusätzliches Potenzial für Deutschlands Energieversorgung frei.
- Eine neue Stimulationstechnologie zur geothermischen Stromerzeugung führt zu Einsatzmöglichkeiten in einer weit verbreiteten geologischen Gesteinsformation. Dadurch wird die Nutzung der Erdwärme an sehr viel mehr Standorten möglich.
- Durch Kommunikations- und Informationssysteme kann die Energieversorgung zukünftig auf die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation eingestellt werden. Dies führt zu einer effizienteren Nutzung erneuerbarer Energien.
- Mit Nahwärmesystemen mit saisonalen Speichern kann der Anteil solarer Wärmeenergie am Heizungsbedarf deutlich erhöht werden.
- Solarthermische Kraftwerke haben eine hohe solare Wirtschaftlichkeit, eine sehr gute solare Jahresausbeute, einen relativ geringen Flächenbedarf und einen hohen Wertschöpfungsanteil für die deutsche Industrie.
- Gebäude können durch Solarwärme und mit nur minimalem Stromverbrauch perfekt klimatisiert werden.

Quelle: ForschungsVerbund Sonnenenergie 2006

17.9.06

(Finanzen) Klarheit bei Ökoanlagen

Wer nachhaltig investieren will, findet in Form von Aktienfonds eine Reihe höchst erfolgreicher Produkte auf dem Markt. Doch die Vielfalt hat ihren Preis. Sie verwirrt und hat einen veritablen Glaubenskrieg um die verschiedenen Konzepte des Socially Responsible Investment ausgelöst. Einen guten Überblick bietet das soeben neu erschiene Spezialheft zu Grünem Geld, erhältlich als Supplement von Euro Finanzen, Euro am Sonntag und des renommierten Öko-Invest-Börsenbriefes.

Wenig dogmatisch, dafür umso heftiger umstritten sind die Fonds, die nach dem Best-in-Class-Ansatz investieren. Geld fliesst dabei praktisch in alle Branchen, doch zu den jeweils als Klassenbeste deklarierten Unternehmen. So finden sich hier mitunter Grosskonzerne wie Nestlé, Roche, UBS, denen man die Nachhaltigkeit nicht auf den ersten Blick glauben mag. Wo der Ansatz mit dem Ausschluss gewisser Branchen wie Kernenergie, Tabak, Alkohol kombiniert wird, sieht die Sache schon plausibler aus. Sodann gibt es die eigentlichen SRI- oder Ethikfonds, die systematisch Problemzonen umschiffen – und schliesslich eigentliche Branchenfonds, die sich einem speziell nachhaltigen Thema widmen wie etwa den Erneuerbaren Energien.

Wie immer man / frau zu solchen Erwägungen steht, die letztlich jedeR selbst vornehmen muss: Interessant ist, dass zumindest in neuerer Zeit jene Fonds herausragen, die sich stark vom Best-in-Class-Vorgehen unterscheiden (siehe dazu Tabelle aus dem Spezialheft). Der Erfolg der Energiefonds dürfte den aktuellen Marktumständen zuzuschreiben sein und ist sicher keine Garantie für künftige Maximalrenditen. Hingegen beeindrucken die Fonds Activest Ecotech, Swisscanto Green Invest und Pictet Sustainable Europe durch ihren langanhaltenden Erfolg, der auch für die Zukunft einiges verspricht – wie übrigens auch der Sarasin Oekosar Equity, der aber noch nicht lange auf dem Markt ist und vom gleichen Management geleitet wird wie der zuvor lange erfolgreiche deutsche Ökovision-Fonds.


Seit 1.1.
1 Jahr
3 Jahre

Sarasin New Energy
12.5 %
21.5 %
129.9 %

Merill L. New Energy
12.7
28.8
114.4

Activest Ecotech C
9.3
18.5
84.2

Pictet Water P
8.1
15.8
70.8

Swisscanto Green Inv.
7.2
18.4
68.4

Ökovision
6.1
16.5
65.0

Pictet Sustainable Eu.
9.7
20.0
64.7

10.9.06

(Umwelt) Solarstrom für zwei Milliarden Menschen

Innerhalb von 20 Jahren können bis zu zwei Milliarden Menschen weltweit mit Strom aus Sonnenenergie versorgt werden.
Das belegt eine Studie, die Greenpeace gemeinsam mit dem europäischen Solarindustrieverband (EPIA) auf der internationalen Solarenergie-Konferenz in Dresden veröffentlicht. Der Studie zufolge ist Solarenergie ein ernstzunehmender Konkurrent auf dem Elektrizitätsmarkt geworden, da die Technik Fortschritte gemacht hat, der Wettbewerb unter den Anbietern zunimmt und in neue Poduktionskapazitäten investitiert wird.

Der weltweite Ausbau der umweltfreundlichen Energie würde erhebliche Mengen des gefährlichen Treibhausgases Kohlendioxid einsparen - ab 2025 jährlich 350 Millionen Tonnen. Das entspricht der Menge, die 140 Kohlekraftwerke ausstoßen oder etwa 40 Prozent der derzeitigen Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland. In Deutschland würden bis zum Jahr 2025 mehr als 80.000 zukunftssichere Arbeitsplätze in der Photovoltaik-Industrie entstehen. Alleine dieses Jahr wird die Branche mehr als eine Milliarde Euro investieren. Besonders in Europa und Japan entwickelt die Industrie neue Techniken und baut Produktionsstätten. Für diese Entwicklung sind zuverlässige staatliche Fördermaßnahmen zur Absicherung der Investitionen von großer Bedeutung, wie sie Deutschland, Japan, die USA und China bieten.

Deutschland nimmt weltweit eine Spitzenstellung in Bezug auf die installierte Leistung ein. Schon jetzt sind Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 1500 Megawatt auf deutschen Dächern oder Fassaden installiert, davon wurden allein im letzten Jahr knapp die Hälfte angeschlossen. Weltweit war im Jahr 2005 der Rekordwert von 5000 Megawatt installiert - dies entspricht der Leistung von zehn durchschnittlichen Kohlekraftwerken. Quelle: GREENPEACE 2006

8.9.06

(Finanzen) Die ideale Kombination

Im Prinzip wäre es so einfach: Man nehme einen Fondssparplan, bestücke ihn mit Indexaktien und zahle regelmässig ein. Doch die Fondsanbieter vergällen den Spass. K-Geld zeigt in seiner aktuellen Ausgabe (4-06), wie es dennoch geht. Als Verfasser zeichnet der Blogautor.

Indexaktien, neudeutsch auch Exchange Traded Funds (ETF), sind die in den meisten Fällen passenden Fonds, um Geld anzulegen. Und damit über die Jahre hinweg realistischerweise auf ansehnlichen Vermögenszuwachs zu hoffen. Solche ETF haben in den vergangenen Jahren einen wahren Siegeszug im Finanzwesen angetreten. Diese Spielart von Anlagefonds zeigt Merkmale, die Kleinanlegern ebenso wie grossen Investoren (Pensionskassen, andere Fonds) entgegen kommen:
- ETF sind transparent
- Sie sind kostengünstig
- Sie weisen durchschnittlich gute Renditen auf
- ETF sind an der Börse handelbar

Genug Gründe also, die an der Börse auch als Indexaktien bezeichneten ETF gezielt für den Vermögensaufbau einzusetzen. Was viele unabhängige Finanzexperten unterdessen auch propagieren. Im Gegensatz zu den Banken allerdings, die ihrer Kundschaft lieber in erster Linie eigene Produkte und die teureren ins Depot legen. So liesse sich zusammenfassen, was Finanzguru Erwin Heri seit Jahren als geeignete Anlagestrategie predigt. Mindestens zwei Drittel der Anlagen sollten auf Indexprodukten beruhen und allenfalls die verbleibenden Mittel sind für aktiv verwaltete Anlagen, seien es nun entsprechende Fonds oder gar einzelne Aktien, einzusetzen.

Es fehlt aber noch Baustein zwei der gar nicht so komplizierten Strategie für den langfristigen Vermögensaubau. Fondssparplan heisst hier das Stichwort, bei verschiedenen Banken auch simpel als Fondskonto geführt. Denn solche Pläne sind nur dann sinnvoll, wenn sie dem Sparer oder der Sparerin volle Freiheit im Rhythmus der Anlage, in der Höhe der Beträge und in der Laufzeit belassen. Mit anderen Worten: Wo Plansummen im Spiele sind, gilt «Hände weg!», denn in diesen Fällen ist der Ausstieg schwierig und die Kosten sind sowohl intransparent wie unverhältnismässig hoch.

31.8.06

(Umwelt) Bäume – ein Projekt für hier und dort

Die Schweiz hat früh ihren Wald geschützt und damit einen Baustein für eine zumindest vergleichsweise nachhaltige Entwicklung gelegt. Die Staaten im Sahel hatten weniger Glück. Die Wüste ist dort munter im Vormarsch, worauf auch das aktuelle UNO-Jahr der Wüste hinweist. Der Verein Newtree aber packt es an und unterstützt die lokale Bevölkerung in ihrem Bemühen um Wiederaufforstung. Und leistet damit auch einen Beitrag an die Reduktion der ausgestossenen CO2-Schadstoffe, derzeit rund 200 Tonnen jährlich.

In diesen Wochen tourt die Newtree-Projektleiterin vor Ort durch die Deutschschweiz und informiert über ihre Arbeit. Drei Viertel der wiederaufgeforsteten Fläche ist lokaler Mischwald, ein Viertel kann gemäss Wunsch der beteiligten Dorfbevölkerung intensiver genutzt werden. So wird zum Beispiel Gras angepflanzt für die Fütterung der Tiere, die in der langen Trockenzeit eben immer auch zum Feind der Wiederanpflanzungen werden. Dort liegt auch der Kern des Projekts, es sorgt für die Finanzierung der den Wald schützenden Hecken aus Eisenpfählen und Drahtgeflechten. Für die lokale Bevölkerung eine nicht finanzierbare Investition. Dafür macht sie alles übrige – gräbt also die Löcher für die Pfosten, flicht den Haag und installiert ihn, wo nötig unter Beratung der Newtree-MitarbeiterInnen.

Nach einigen Jahren dann werden die Erfolge sichtbar, so viel Zeit muss sein. Die Organisation kann nach fünf Jahren Tätigkeit auf 100 Hektaren gepflanzten Waldes hinweisen, der nun schon eine Nutzung erlaubt. So auch als Standort für Bienenkästen, so dass die Imkerei plötzlich zu einer wichtigen Einkommensquelle werden kann. Auch Kräutergarten wurden schon angelegt. Begleitende Massnahmen sorgen schliesslich dafür, dass die Projekterfolge nicht andersweitig verpuffen. Beispielsweise werden die Frauen darin unterstützt, neue Kochstellen – allesamt mit lokalen Materialien – zu erstellen. Das senkt den Holzverbrauch um rund die Hälfte. Und verlängert die Lebenschancen des noch bestehenden oder neu gepflanzten Holzbestands.

Über Newtree informieren weitere Veranstaltungen, während die Website www.newtree.ch alle nötigen Infos und Kontakte herstellt:
- Basel 31.8. – 18.30h Tropeninstitut
- Sarnen 7.9. – 19.30h Ev.-ref. Gemeindesaal
- Winterthur 8.9. – 19.30h Nord-Südhaus
- Baar 13.9. – 19.30h Rathus Schüür

26.8.06

(Finanzen) Auf dem Weg aus der Nische

An der Börse Geld verdienen und gleichzeitig Gutes tun - für immer mehr Anlegern eine attraktive Kombination. Sie möchten nur in Firmen investieren, die umweltschonend arbeiten und sich sozial engagieren. Gute Renditen sind möglich - doch ein kritischer Blick auf die Anlagekriterien tut Not. So auf jeden Fall der Kommentar von Spiegel Online, einer der meistgelesenen Websites im deutschsprachigen Raum.

Denn es spricht sich herum, dass sich mit diesem Anspruch auch gute Renditen erzielen lassen. Das Vorurteil, dass die Gewinne nachhaltiger Fonds geringer ausfallen als die konventioneller Anlagen, konnte inzwischen gründlich ausgeräumt werden. Das bestätigt auch der Fondsdauertest der Stiftung Warentest, der einen Überblick über Risiko, Anlageschwerpunkte und Wertentwicklung gibt. Dort ist gut ablesbar, dass Anleger für ein gutes Gewissen keineswegs auf Rendite verzichtet müssen.

Die Nachfrage steigt, so dass immer mehr Fonds aufgelegt werden, die soziale, ökologische und ethische Kriterien berücksichtigen. Umso komplizierter wird es allerdings für Privatanleger, den richtigen Fonds zu finden. Neben den üblichen Anlagekriterien Sicherheit, Flexibilität und Rendite muss geprüft werden, ob der Fonds die ethischen und sozialen Ansprüche erfüllt. Dabei ist Vorsicht geboten: Viele Fondsgesellschaften stellen ihr Portfolio nach der so genannten "Best in Class"-Methode zusammen. Das bedeutet, dass sie die ethisch-ökologisch besten Vertreter verschiedener Branchen auswählen. So kann es passieren, dass Energiekonzerne oder Autoproduzenten im Fonds landen, weil sie die besten ihrer Branche sind, aber dennoch nicht nachhaltig umweltfreundlich produzieren.

Transparenter und überschaubarer für den Anleger sind Fonds, die bestimmte Branchen ganz ausschließen. Sie investieren zum Beispiel nicht in Waffentechnik, Atomkraft, Alkohol oder Tabak. Wer sicher gehen will, sollte sich die Zusammensetzung der Fonds genau ansehen. Das geht meist per Mausklick im Internet, wo Fondsgesellschaften detaillierte Porträts der Investments bereithalten. Quelle: ddp / www.spiegel.de

24.8.06

(Umwelt) Neue Wirtschaftskonzepte gefragt

Der Büchermarkt wird in dieser Zeit überschwemmt mit Neuerscheinungen zu grundlegenden Konzepten der Ökonomie. Stellvertretend sei auf zwei Veröffentlichungen hingewiesen, die zwar Ratlosigkeit erkennen lassen, zumindest aber aufzeigen, wohin die Richtung gehen sollte. In «Fegefeuer des Marktes – Die Zukunft des Kapitalismus», einem Reader von bereits in der Zeit erschienenen Artikeln, sind die Ansätze breit gestreut (Herausgeber Jens Jessen, Pantheon Verlag). Klar ist nur: «Ohne wirtschaftliche Entwicklung können wir nicht leben. Aber gleichzeitig droht die entfesselte Ökonomie, unsere ökologischen und kulturellen Grundlagen zu zerstören.»

Und deutlich wird auch: Die marxistische Ideologie hat sich bereits erledigt. Nun greift die Einsicht, dass auch der Neoliberalismus eine solch lebensfeindliche Konstruktion darstellt, die auf dem Scheiterhaufen der Geschichte landen wird. Ohne Kämpfe wird das allerdings nicht abgehen und entschieden ist die Sache auch noch nicht. Nur Kompromisse oder Formen der Kooperation in Ergänzung des Konkurrenzprinzips sind demgegenüber zukunftsträchtig. Wobei solche Kooperationen in Zeiten der Globalisierung schwieriger zu realisieren sind, wird ein Ausweichen doch mit dem Hinweis auf eben diese legitimiert. Die Teilhabe an den Früchten des Fortschritts wird aber immer auch Anreiz sein, diesen nicht grundsätzlich zu verhindern. M.a.W. Solange jede(r) profitiert, funktioniert das Ganze auch. Was in diesen Jahren mehr denn je in Frage gestellt zu sein scheint.

Ebenso in Frage steht der Nutzen unserer Ueberflussgesellschaft angesichts der vielen unbequemen Begleiterscheinungen des Kapitalismus. Das Ausklinken aus der Geldwirtschaft, die alles und jedes kommerzialisiert, ist u.a. Thema des schon etwas älteren Buches «Zukunft kann man nicht kaufen» (Arno Gahrmann und Henning Osmers, Horlemann-Verlag 2004). Da hatte schon ein Beitrag bei Jensen festgestellt; «Unentgeltlichkeit würde die alte Ordnung des Eigennutzes und Profits umstossen.» Und im zweiten besprochenen Buch steht die Kostenorientierung am Pranger statt eines Qualitätswettbewerbs, der den Zwang die (Arbeits) -kosten zu minimieren, vermindert.

20.8.06

(Umwelt) Gewaltiges Potenzial für Erneuerbare

Die deutsche Bundesregierung will bis 2020 "mindestens 20 Prozent des Stroms in Deutschland regenerativ gewinnen". Herman Scheer, Präsident von Eurosolar und Träger des Alternativen Nobelpreises vertritt die Meinung, dass dieses Ziel schon 2012 erreicht sein und bis 2020 schon 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden könne. Eine Vorgabe, die sich auch für die Schweiz rechnen liesse – im Falle Deutschlands schlägt Scheer vor:

20.000 neue Windkraftanlagen mit einer Leistung von je 4,5 MW könnten rund 200 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen (etwa ein Drittel des Bedarfs). Dann könnte ein Großteil der etwa 200.000 Hochspannungsmasten abgebaut werden - ein Gewinn für die Landschaft, wenn Großkraftwerke durch Windräder und andere Anlagen zur Erzeugung erneuerbaren Energien ersetzt werden.

Potenzial auch bei der Wasserkraft, wie hierzulande: In Deutschland gibt es zur Zeit 6.000 Kleinwasserkraftwerke - vor 100 Jahren waren es 60.000. Mit 30.000 neuen Wasserkraftwerken ließen sich 10.000 MW Leistung installieren. So könnten 50 weitere Milliarden Kilowattstunden Strom gewonnen werden. Bis 2020 können 4.000 MW Elektrizität durch Geothermie erzeugt werden. Damit könnten zugleich 25 Milliarden Kilowattstunden Wärme erzeugt werden.

Wenn die derzeitige Wachstumsdynamik der Photovoltaik bis 2020 anhält ist eine Gesamtkapazität von 20.000 MW möglich. Über Kraft-Wärme-Kopplung wird zur Zeit nur 10 Prozent des Stroms gewonnen. Dieser Anteil kann verdreifacht werden. Die Niederlande haben diesen Anteil schon heute. Außerdem kann Bioenergie in Hybridanlagen, die mit Windkraft gekoppelt sind, eingesetzt werden. Das heißt: Bis 2020 können in Deutschland alle AKWs abgeschaltet und kein einziges konventionelles Kraftwerk muss neu errichtet werden. Ein entscheidender Vorteil dieser Strategie für erneuerbaren Energien: Die Anlagen für können gefahrlos in wenigen Wochen errichtet werden, während die Genehmigungsverfahren alter komplizierter Kraftwerke bis zu einem Jahrzehnt und länger dauern. Quelle: www.sonnenseite.com

16.8.06

(Umwelt) Ab jetzt klimaneutral Auto fahren!


IMG_1921
Originally uploaded by tipps.
Die Auto-Teilet-Organisation Mobility macht die direkte Kompensation umweltschädlichen Autofahrens möglich. Ab anfangs September steht es allen Mobility-NutzerInnen frei, für gefahrene Kilometer zwei Rappen in Klimaschutzprojekte einzuzahlen und damit die CO2-Emmission ihrer Autofahrt zu kompensieren. Bislang war das nur im Flugverkehr so einfach möglich.

Wie in der Luft kommen die Kompensationszahlungen auch bei der automobilen Variante «myclimate – The Climate Protection Partnership» zugute. Diese Organisation wiederum, die aus dem Zusammenschluss früher konkurrierender Initiativen hervor gegangen ist, lenkt das Geld in einen Fonds für Klimaschutzprojekte. Von dort aus gelangen die Gelder an Vorhaben in aller Welt. Beispielsweise unterstützt myclimate auf Sumatra ein altes Wasserkraftwerk, das nunmehr totalsaniert werden kann und danach immerhin 1,15 Megawatt Stromleistung liefern wird, klimaneutral wohlgemerkt.

Gemäss dem neuesten Journal geht Mobility mit gutem Beispiel voran und kompensiert alle firmeninternen Fahrten bereits seit Jahresbeginn. Das wird rund 16'000 CHF für Klimaprojekte frei machen. Mitglieder können nun also nachziehen, erfreulicherweise auf besonders einfache Art und Weise. Künftig genügt es bei der Reservation im Internet, einfach die entsprechende Angabe zu machen. Und wer noch nicht Mitglied bei Mobility ist, findet alle Informationen unter www.mobility.ch.

12.8.06

Der neue Ratgeber


Beo_GR
Originally uploaded by tipps.
Ganz neu aus der Finanz- und Medienwerkstatt, der Beobachter-Ratgeber zu Fragen der Vorsorge und des richtigen Umgangs mit Geld bei der Pensionierung.

Der Ratgeber kostet 36 CHF und ist in jeder grösseren Buchhandlung erhältlich oder auch direkt über www.beobachter.ch zu bestellen.

7.8.06

(Umwelt) 2005 weltweit 30 Milliarden Euro in Ökoenergien investiert

Das Jahr 2005 war ein Rekordjahr für erneuerbare Energien: die Investitionen in diesen Bereich stiegen von 30 Mrd. US-Dollar (ca. 24 Mrd. Euro) im Jahr 2004 auf 38 Mrd. US-Dollar (ca. 30,2 Mrd. Euro) in 2005. Das meldet die Pariser REN21 (Renewable Energy Policy Network) mit Bezug auf ihre aktuelle Studie „Global Status Report“.

Gleichzeitig sei die installierte Windkraftleistung weltweit um 24 Prozent auf insgesamt 59 GW gestiegen. Zudem sind Biokraftstoffe auf dem Vormarsch: während in den USA 2005 Rekordzahlen bei den produzierten Ethanol-Fahrzeugen erreicht wurden, stieg die Biodiesel-Produktion weltweit um 85 Prozent, so die Studienergebnisse. Deutschland nehme im Photovoltaiksektor mit mehr als 200.000 Solardächern den Spitzenplatz im Zubau von Solarenergie ein. Weltweit sei die Zahl der netzgebundenen Solaranlagen um 55 Prozent angestiegen.

REN21 schätzt im Global Status Report, dass mindestens 85 Unternehmen aus der regenerativen Energiebranche einen Marktwert von über 40 Mio. US-Dollar (ca. 32 Mio. Euro) haben (2004: 60 Unternehmen). Der Marktwert aller Konzerne in dieser Kategorie wird auf 50 Mrd. US-Dollar (ca. 39,7 Mrd. Euro) geschätzt, was eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr darstelle. Die PV- (ca. 6 Mrd. US-Dollar, 4,8 Mrd. Euro) wie auch die Biokraftstoffindustrie (mehr als 1 Mrd. US-Dollar, 0,8 Mrd. Euro) hat den Ergebnissen zufolge im letzten Jahr Rekordsummen in neue Anlagen und Ausrüstung investiert. Quelle: www.sonnenseite.com / www.iwr.de

4.8.06

(Medien) Internet mit Sprengkraft

Zweifellos war stets auch der Wunsch Vater des Gedankens, aber nicht nur: Hinweise auf die subversive Kraft des Internets hat es immer wieder gegeben und wurden auch hier wiederholt dokumentiert. Neuester Beleg ist die Entwicklung des Buchmarktes in den USA. Werden Print- und elektronischen Medien immer stärker durch die mit immensen Geldbeträgen alimentierte Propagandawelle der Ultrarechten unterhöhlt, gibt es dank des Internets eine Gegenbewegung. Die NZZ illustriert diese in der Beilage vom 4.August – sinnigerweise im Feuillton und nicht in der gleichentags erschienenen Spezialseite «Medien und Informatik».

Online-Kolumnist Glenn Greenwald erhielt demnach die Chance, auf der Grundlage seines Blogs (Unclaimed Territory) zu den Praktiken der Regierung Bush ein Buch zu verfassen. Die glaubwürdige Informationsquelle stand wie das ganze Internet Pate, das Buch zu lancieren – noch eigentlich, bevor es gedruckt war. Und prompt landete es weit oben in den Bestsellerlisten, wie andre Schriften aus dem liberalen Lager, die vor allem via Internet öffentliche Aufmerksam-keit generierten.

Dank der schon weit verbreiteten und beachteten Bloggerszene ist also in den USA möglich, was man füglich für Euorpa erhoffen darf – und zu dessen Entwicklung der Autor dieser Zeilen seinen bescheidenen Beitrag entrichten will. Das Internet soll Raum schaffen für jene In-formationen und Meinungen, die es wegen der Kommerzialierung der herkömmlichen Medien wie auch deren Instrumentalisierung für bestimmte Interessen immer schwerer haben. Dazu gehören Bücher ebenso wie Kommentare oder Konsumentenschutzinformationen.