28.10.08

(Finanzen und Umwelt) Klimaschutz als Chance in der Finanzkrise

Erneuerbare Energien könnten sich angesichts der jetzigen Finanzkrise als echter Konjunkturmotor erweisen. Durch die Umstellung würden allein im Strombereich bis 2030 weltweit über 18 Billionen Dollar Brennstoffkosten für Kohle, Gas und Öl eingespart. Zu diesem Ergebnis kommt das Szenario Energie [R]evolution: Ein nachhaltiger Weltenergieausblick. Greenpeace und der Europäische Dachverband der Erneuerbare-Energien-Industrie (EREC) hatten den Report beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Auftrag gegeben.

In den letzten Wochen sind gigantische Geldmengen durch die globale Finanzkrise regelrecht verdampft, sagt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International. Die Klimakrise trat dabei in den Hintergrund. Notwendig wären jedoch Investitionen von neun Billionen Dollar in Erneuerbare Energien. Vor allem in Deutschland könnte diese Energierevolution die Wirtschaft in Schwung bringen. Windkraft, Biomasse, Photovoltaik, thermische Solartechnik, Erdwärme, Meeresenergie und Wasserkraft - sie alle bieten zunehmend attraktive Möglichkeiten. Sie produzieren wenig oder gar keine Treibhausgase und beziehen ihre Energie aus nahezu unerschöpflichen natürlichen Quellen. Manche dieser Technologien sind bereits wettbewerbsfähig. Werden sie technisch weiterentwickelt, steigt auch ihre Wirtschaftlichkeit.

Wichtig: Die notwendigen Investitionen in Erneuerbare Energien und effiziente Kraft-Wärme-Kopplung stellen keine Mehrausgaben dar. Die Ausgaben wären allein schon gedeckt, weil die Brennstoffkosten der weltweiten Kohlekraftwerke wegfielen. Ab 2030 würden laut Szenario Erneuerbare Energiequellen die Hälfte des weltweit benötigten Strombedarfs decken und weit über dieses Jahr hinaus Strom ohne zusätzliche Brennstoffkosten erzeugen. Kohle und Gas dagegen würden die Weltwirtschaft weiter belasten. Die Industrie der Erneuerbaren Energien kann bis 2050 weiter mit zweistelligen Zuwachsraten rechnen und dann der fossilen Industrie den Rang ablaufen, sagt Oliver Schäfer, Policy Direktor von EREC. Zurzeit verdoppeln sich die Erneuerbaren Energien alle drei Jahre. Windkraftanlagen sind an guten Standorten bereits heute günstiger als konventionelle Kraftwerke. Die Industrie ist bereit, die Energierevolution zu realisieren. Es gibt keine technischen und ökonomischen Hürden, sondern nur politische.

Der Masterplan zeigt, wie der steigende Energiebedarf der Welt gedeckt werden kann, ohne den lebenswichtigen Klimaschutz zu gefährden. So wird berechnet, wie der weltweite Kohlendioxidausstoß bis 2050 halbiert werden kann. Dabei ist auch berücksichtigt, wie sich das weltweite Wirtschaftswachstum insbesondere in den Boomregionen China und Indien entwickelt. Mit Effizienzstandards kann der Anstieg des weltweiten Energiebedarfs gebremst werden. Die Energie, die so gespart wird, kann den wachsenden Energiehunger von Entwicklungsländern in etwa kompensieren, so Teske. Wenn gleichzeitig die Erneuerbaren Energien vervierfacht werden, können wir den jährlichen Kohlendioxidausstoß reduzieren - von heute circa vier Tonnen jährlich pro Kopf auf etwa eine Tonne bis 2050 - und das bei gleichem Wirtschaftswachstum – eine Entwicklung, die übrigens seit Neuestem auch von der ETH-Zürich propagiert wird und als realisierbar gilt.

Quelle: Greenpeace 2008

21.10.08

(Finanzen) Spots auf die Krise - Es geht auch anders!

Wie weit der Staat bei seinen Hilfsmassnahmen für die notleidenden Banken sinnvollerweise gehen kann und soll, zeigt sich in den Niederlanden (siehe nachstehendes Beispiel). Im Übrigen weisen die 12.5%, welche die UBS für ihre Bundeshilfe entrichtet, darauf hin, wie risikoreich dieses Geschäft eingeschätzt wird – und es stellt sich die Frage, warum das alles im Notrecht durchgepeitscht wird, während der Anlegerschutz mit Glück mit Wirkung im März (!) erhöht werden soll. Eine fast schon beruhigende Meldung erreicht uns aus den USA – die dortige Privatkreditblase beträgt laut Spiegel Online nur rund 100 Mrd. $ - eine nächste Implosion wird also vergleichsweise fast nur ein Taschengeld kosten. „Nach Angaben der Rating-Agentur Moody's seien Wertpapiere in Höhe von 450 Milliarden Dollar mit US-Kreditkarten auf Pump gekauft worden.“ "Hier hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Bedrohung aufgebaut", sagt dazu der Bochumer Finanzwissenschaftler Stephan Paul der Zeitung.“ Faul davon sind also rund ein Viertel. Doch so positiv ist die Sache nicht – denn ähnliches Ungemach droht von den Autokaufkreditverkäufen...

Der niederländische Finanzkonzern ING bekommt derweil eine staatliche Kapitalspritze in Höhe von zehn Milliarden Euro. Durch die Maßnahme soll ein weiteres Absinken der Börsenkurse der ING-Gruppe verhindert werden. Das Finanzministerium in Amsterdam teilte mit, damit solle die Kapitalbasis der ING gestärkt und einem weiteren Absinken der Börsenkurse entgegengewirkt werden. Der Schritt sei wegen der "Markterwartungen" notwendig, wenngleich die Bank "gesund" sei, sagte Finanzminister Wouter Bos auf einer Pressekonferenz. Die Investition sei zeitlich begrenzt. Die Regierung wird zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat der ING entsenden.

Das Finanzunternehmen teilte mit, es werde für dieses Jahr die Dividendenzahlungen aussetzen und die Gehälter der Manager überdenken. Der Beihilfeplan sieht vor, dass die ING eine Milliarde bestimmter Wertpapiere zum Preis von zehn Euro pro Stück an den Staat ausgibt. Der Staat hat dann bei dem Konzern in etwa die gleiche Position wie gewöhnliche Aktionäre. Teil der Vereinbarung ist auch, dass die ING auf die Zahlung einer Schlussdividende 2008 verzichtet und das Management keine Bonus-Zahlungen erhält. Die ING kann die Papiere jederzeit für 15 Euro pro Stück zurückkaufen oder sie in gewöhnliche Aktien umtauschen. Der Staat erhält auf die gekauften Papiere eine jährliche Zinszahlung von mindestens 8,5 Prozent - allerdings nur dann, wenn die normalen Aktionäre eine Dividende bekommen. Lauter Regelungen, die weit über die hierzulande mit der UBS getroffenen Abmachungen hinausgehen. Die ING Group entstand 1990 aus der Fusion der NMB Postbank mit dem größten niederländischen Versicherungsunternehmen der Nationale-Niederlanden. Der Konzern hat nach eigenen Angaben rund 85 Millionen Kunden in zahlreichen Ländern und beschäftigt 130.000 Menschen. Er gehört damit zu einem der größten Finanzunternehmen der Welt.

Das 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket für Deutschlands Banken ist unterdessen auch in Kraft getreten. Das Bundeskabinett hat in einer Sondersitzung die Hilfen samt etlicher Bedingungen beschlossen: Wer sie in Anspruch nimmt, muss dafür massive Eingriffe in Geschäftspolitik und Gehaltsstruktur hinnehmen. Das Kabinett begrenzte den höchstmöglichen Betrag für staatliche Beihilfen an eine einzelne Bank auf zehn Milliarden Euro. Die Gehälter der Manager sollen nun grundsätzlich auf 500.000 Euro jährlich begrenzt werden. Ausnahmen sind vorgesehen.

15.10.08

(Finanzen & Umwelt) Grundprobleme bleiben

Die Situation präsentiert sich noch immer ebenso dramatisch wie dynamisch. Kaum ist der Oelpreispeak (vorübergehend) abgewendet, hält die Finanzkrise die Welt in Atem. Und im Nacken haben wir stets die Klimaerwärmung, die sich mit ihren vielen einzelnen Katastrophen (noch nie gab es mit über 800 derart viele wie im letzten Jahr) nadelstichartig immer wieder in Erinnerung ruft.

Nun haben nach den USA auch viele andere Staaten ein Rettungspaket geschnürt und verabschiedet, viele Fragen bleiben offen – insbesondere ob die Mittel genügen, den Kreditfluss wieder in Gang zu bringen. Trotzdem: Die Paket enthalten zusätzliche Bestimmungen, die zu Optimismus Anlass geben. Endlich ist der Einlegerschutz vielerorts auf ein vernünftiges Niveau angehoben worden – eine Massnahme, die zur Vertrauensbildung dem Schweizer Finanzplatz sehr wohl anstünde.

Vor allem in den USA enthält das revidierte Rettungspaket wenig beachtete Bestimmungen über die Förderung erneuerbarer Energien, insbesondere der Sonnenenergie. Wenn also etwa der Sonnenstaat Kalifornien derzeit finanziell am Abgrund steht (Notfallanleihen sollen Schwarzeneggers Pleitekassen über Wasser halten), könnte die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt gleichzeitig am Beginn eines glänzenden solaren Zeitalters stehen.

Womit bezüglich des ersten der drei Problemkomplexe des Weltsystems ein praktikabler Lösungsweg aufgezeigt ist: die radikale Förderung erneuerbarer Energien als erstes Gebot der Stunde. Für die Schweiz heisst dies: sofortige Revision des eben beschlossenen Energiegesetzes mit Abschaffung der Deckelung bei der Unterstützung eben dieser Energieformen. Es ist ein Aberwitz der Energiegeschichte, wenn um die 5000 Unterstützungsgesuche um kostendeckende Vergütungen beim Bundesamt für Energie anhängig sind und nur deren 2000 berücksichtigt werden können. Als bräuchte es noch eines Beweises, wie gross das Vertrauen in diese Energieformen ist und wie einschränkend die gegenwärtigen Marktbedingungen und Preise gleichzeitig sind.

Bei den Finanzen, dem zweiten aktuellen Problemkomplex, ist es nicht ganz so einfach. Denn die unweigerlich nötige Neuregulierung will gut bedacht sein. Vorschläge der Verstaatlichung oder eines Trennbankensystems, wie sie die Linke in peto hat, sind bei aller Attraktivität doch genau abzuschätzen, erwiesen sich doch einige dieser Finanzmarktregelungen auch schon als Krisenursache. Nicht zuletzt haben staatliche Finanzinstitute zur gegenwärtigen Krise ihren Beitrag geleistet – waren etwa in Deutschland vor allem Staatsinstitute in die Problemfelder eingebettet. Wenn auch die Exzesse im privat dominierten Finanzmarkt USA ganz klar als eigentliche Krisenverursacher gelten müssen und die staatlich beeinflussten Finanzhäuser als Mitläufer zu profitieren suchten. Besser hielten sich vielleicht genossenschaftliche Ansätze – in Form der Raiffeisenbanken hierzulande immer noch (und erfolgreich) präsent. Während die von einer Genossenschaft in eine AG umgewandelte Swiss Life (ehemals Rentenanstalt) schon in der letzten Krise hart am Untergang vorbei schrammte.

Dass das Finanzsystem eine ursprüngliche Aufgabe hat, auf die es sich wieder besinnen muss, zeigte vergangene Woche die Mikrofinanzkonferenz in Genf. Die Kreditvergabe an eine produktive Güter- und Dienstleistungsgesellschaft steht am Anfang allen Wohlstands. Bezeichnenderweise greift die Bewegung an ihrem Ursprung im fernen Bangla Desh unterdessen in jene Bereiche aus, die wir hier als zentral für das künfitge Schicksal der Globalisierung und der Menschheit insgesamt orten. So ist das Grameeninstitut unterdessen tätig im Bereich der Finanzierung von lokalen Solaranlagen wie auch bei der Sicherstellung der Ernährung der Bedürftigsten (Youghurt-Produktion für die Landbevölkerung zusammen mit dem französischen Nahrungsmittel-Multi Danone).

Zurück zur Schweizer Volkswirtschaft: Jeder sechste Arbeitsplatz ist direkt oder mittelbar mit dem Finanzplatz verbunden (wie der Autor übrigens auch, der eben ein bedeutendes Mandat in diesem Bereich verloren hat). Also ist der Glaube irrig wenn nicht gemeingefährlich, wir kämen noch einmal davon. Der sang- und klanglose Abgang des Chefs der hiesigen Derivatebörse mag ein Zeichen an der Wand sein oder andere Gründe haben, symptomatisch ist er auf jeden Fall. Die schweizerische Fondswirtschaft begibt sich im übrigen auf gefährliches Gelände, seit sie ihr Heil in der in letzter Zeit beobachtbaren Anbiederung an die Hedge-Fonds-Industrie sucht.

Schliesslich zum Klima: Bisher gänzlich untergegangen ist, dass die zu Recht als CO2-Verursacherin grossen Stils gegeisselte Landwirtschaft nicht radikal den Weg zu einer biologischen Ausrichtung geht, der den Ausstoss von Treibhausgasen um bis zu 60% aus diesem Bereich vermindern könnte. Widerlegt sind in diesem Zusammenhang unterdessen die Vorurteile, biologische Landwirtschaft ohne Kunstdüngereinsatz sei zuwenig ergiebig. Gerade in den Tropen erzielt sie im Gegenteil hervorragende Ergebnisse.

Im Bereich der Erneuerbaren Energien liegen realisierbare Vorschläge auf dem Tisch. Es ist absurd, dass ausgereifte Technologien und Lösungsansätze noch immer als unrealistisch abzustempeln, während gleichzeitig Grosskraftwerke mit einer Realisierungszeit von einigen (Gas) bis mindestens zehn Jahren (Atom) als Ausweg aus der Energiekrise gelten. Zusammen mit Effizienzgewinnen aus einer radikalen Förderung der Erneuerbaren könnte eine radikale Umkehr eingeleitet werden. Schritte, die allesamt hierzulande realisierbar und finanzierbar wären – besänne sich der Finanzsektor auf seine ursprüngliche Aufgabe, der Wirtschaft ganz schlicht und einfach Kredit zu gewähren und auch bei risikoreicheren Vorhaben nicht zu kneifen.

7.10.08

(Finanzen) Wagniskapitalgeber investieren unverdrossen in EE Unternehmen

Trotz der Krise an den Finanzmärkten pumpen Wagniskapitalgeber so viel Geld in Erneuerbare Energie Unternehmen wie nie zuvor. Das ist einem aktuellen Bericht der US-amerikanischen Cleantech Group aus San Francisco zu entnehmen. Sie hat die Investitionen erhoben, die im 3. Quartal in Nordamerika, in Europa, in Indien und in China Firmen aus dem Sektor zuflossen. Demnach wurde die Rekordsumme von insgesamt 2 Milliarden Dollar aus dem 2. Quartal mit nun 2,6 Milliarden Dollar um 17 Prozent übertroffen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum beträgt der Anstieg sogar 37 Prozent.

Dem aktuellen Quartalsbericht zufolge wurden 67 Prozent des Wagniskapitals in Erneuerbare Energie Unternehmen aus Nordamerika investiert. Hiervon entfiel mit 1,1 Milliarden der Löwenanteil wiederum auf Kalifornien, wo sowohl viele Firmen aus dem Sektor als auch viele Risikokapitalgesellschaften ansässig sind. 28 Prozent des im 3. Quartal investierten Wagniskapitals nahmen laut der Cleantech Group Akteure der alternativen Technologien ein, die ihren Sitz in Europa (inklusive Israel) haben. Mit insgesamt 111 Millionen Dollar strichen chinesische Unternehmen vier Prozent des Wagniskapitals ein. Indien kam lediglich auf 0,4 Prozent.


Wie die Cleantech Group ausführt, konnten Akteure im Bereich solarer Dünnschichttechnologie im 3. Quartal besonders viel Geld einsammeln. Insgesamt 620 Millionen Dollar seien allein in diesen Bereich geflossen. Davon profitierte zum Beispiel die deutsche Sulfurcell Solartechnik, die laut dem Bericht 134 Millionen Dollar einwerben konnte. Ebenfalls stark im Trend waren Unternehmen, die auf Algen als Rohstoff für Bioenergie setzen. Sie erhielten im 3. Quartal 95 Millionen Dollar an Wagniskapital.

Quelle: www.ecoreporter.de

3.10.08

(Umwelt / Finanzen) USA stellen Weichen für Solarenergie

In diesen Tagen fällt nicht nur die Entscheidung darüber, ob die US-Parlamentarier endlich den Weg frei machen für das 700 Millionen Dollar Paket, mit dem die Regierung in Washington die Bankenkrise in den Griff kriegen will. Überraschenderweise hat der US-Senat auch die Verlängerung der Steuervergünstigungen für Grünstrom-Projekte in das Gesetzespaket eingebunden. Sollten die Mitglieder des Repräsentantenhauses zustimmen, dürften die Regelungen der Branche der Erneuerbaren Energien in den Vereinigten Staaten starken Aufwind geben.

Der US-Analyst Dan Ries von Collins Stewart ist zuversichtlich, dass das Gesetzespaket durchkommt. „Die Chancen liegen über 50 Prozent“, meint er und verweist darauf, dass es sich die Parlamentarier einfach nicht leisten können, abermals einen Rettungsplan für die US-Wirtschaft zu blockieren. Da nun die Förderung der alternativen Energien in das Paket eingebunden sei, seien auch für deren Verlängerung die Aussichten sehr gut. Allerdings hatten die Demokraten bislang verlangt, dass die geplanten Steuervergünstigungen für Grünstromprojekte dadurch gegenfinanziert werden, dass man die Vergünstigungen für die Ölbranche senkt. Dagegen sträuben sich die Republikaner und US-Präsident Bush, der ein Veto-Recht besitzt. Nun dürften die Demokraten jedoch die Kröte einer weiteren Belastung des Bundeshaushaltes schlucken. Denn so würden sie zumindest rechtzeitig vor dem Auslaufen der bisherigen Steuervergünstigungen für Erneuerbare Energie Projekte eine Verlängerung erlangen und zugleich verhindern, dass das Rettungspaket scheitert und damit womöglich eine massive Wirtschaftskrise ausgelöst wird.

Der Senat hatte das Rettungspaket mit umfassenden Steuersenkungen verknüpft, von denen die so genannten tax credits für Grünstromprojekte nur ein Teil sind. Diese jedoch machen in den USA Investitionen in Erneuerbare Energien erst wirtschaftlich attraktiv. Die Steuervergünstigungen für die alternativen Technologien belaufen sich aber zusammen auf weniger als zehn Milliarden Dollar. Die vom Senat verabschiedeten Steuervergünstigungen summieren sich insgesamt auf rund 150 Milliarden Dollar.

Sollte auch das Repräsentantenhaus zustimmen, können ab 2009 US-Firmen und Privatleute Investitionen in Photovoltaik unbegrenzt steuerlich geltend machen. Der bisherige Deckel von maximal 2.000 Dollar entfällt. Somit können sich Solar-Investments für viele potentielle Investoren rentieren, vor allem angesichts steigender Energiepreise. Laut Rhone Resch vom Solarverband Solar Energy Industries Association würde diese Regelung private Investitionen in den Solarsektor der Vereinigten Staaten von über 300 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Rund 440.000 neue Arbeitsplätze könnten so entstehen. Vor allem in Kalifornien würde ein Solarboom ausgelöst. Dort könnte Solarstrom nach Expertenschätzungen bereits in wenigen Jahren preislich mit herkömmlich erzeugtem Strom konkurrieren.

Quelle: www.ecoreporter.de

25.9.08

(Finanzen) Die Welt brennt

Lassen wir die Weltfinanzkrise zuerst mal aussen vor! Wie steht es denn sonst um die Welt? Die Frage drängt sich auf, weil die USA auch vor einer politischen, nicht nur vor einer finanziellen Zeitenwende stehen. Das Desaster der Bush-Ära ist mit Händen zu greifen – Stichworte wie Irak, Guantanamo, das Verhältnis zu Russland sollen genügen.

Über das Versagen der einstigen Weltmacht hinaus – wohlgemerkt nur 20 Jahre nach dem Ende des kalten Krieges und dem vermeintlichen Sieg des Kapitalismus – sind krisenhafte Entwicklungen rund um den Globus an der Tagesordnung. Beginnen wir mit dem Hinterhof der USA, dem südamerikanischen Kontinent. Dort mag man sich zu Recht freuen über neues Selbstbewusstsein, eine zu den USA distanziertere Politik und über wirtschaftliche wie soziale Erfolge. Doch scheint etwa Argentinien kurz nach der Verschuldungskrise anfangs des Jahrzehnts bereits wieder dem Abgrund zuzusteuern. Allzuviel Selbstherrlichkeit wird dem Präsidentenpaar Kirchner in naher Zukunft vielleicht endgültig das Bein stellen. Ohne greifbare Reformen lässt sich nun mal nicht gegen die Mehrheit regieren. Präsident Chavez hinterlässt in Venezuela einen schalen Nachgeschmack – sein populistisches Gepolter mag auch aufgeweckte Reformer erschrecken. Dabei hätte das rohstoffreiche Land eine einmalige Chance – scheiterten soziale Reformen in den Staaten des Südens doch immer wieder an den fehlenden Mitteln.

Krisenherde sind natürlich auch in Afrika auszumachen. Doch scheinen sie sich nicht etwa langsam zurückzubilden. Vielmehr drohen nun auch die standhaften Nationen wie Südafrika und Nigeria in politisches und damit vielleicht bald ins wirtschaftliche Chaos abzudriften. Eine absehbare Spaltung des African National Congress als bislang tragender Mehrheitspartei mag man aus demokratiepolitischen Gründen zwar einiges abzugewinnen – die Monopolsituation würde damit aufgebrochen. Aber damit wäre auch das Friedensvermächtnis von Nelson Mandela bedroht und eine Entwicklung wie in Zimbabwe nicht mehr ausgeschlossen. Dass sich in Zentralafrika (Kongo, Tschad) bis hin in den Sudan und Somalia derzeit kaum etwas bewegt, lässt sich zudem bei bestem Willen nicht als Vorbote einer friedlichen Entwicklung deuten. Und auch der asiatische Kontinent kennt trotz seiner unverkennbaren wirtschaftlichen Erfolge mit Afghanistan und Pakistan sowie den erstarrten Nordkorea und Myanmar handfeste Krisenherde.

Nun liessen sich all diese Entwicklungen als zweitrangige Randerscheinungen eines Weltwirtschaftssystems abtun, das in seinen Grundfesten immer noch stabil ist. Ist es aber nicht! Dessen Zukunft steht auf der Kippe und ist unzweifelhaft abhängig von politischen Entscheiden, die in der nächsten Zeit fällig sind. Eine neue amerikanische Führung wird dabei hoffentlich eine hilfreiche Hand bieten – gefordert ist aber vor allem ein einiges Europa, das ein stabiles Wirtschaftssystem ebenso anstrebt wie ein partizipatives politisches Weltsystem, das alle Staaten gleichberechtigt einbezieht. Dann wird die Globalisierung ihren entscheidenden Schritt tun, die bislang benachteiligten Menschen in den Südstaaten endlich besser stellen – und auch zum Wohle des Nordens neue Geschäfte und Geldanlagen ermöglichen, die mit einer produktiven Weiterentwicklung der Weltwirtschaft übereinstimmen.

8.9.08

(Umwelt) Weltmarkt für Photovoltaik wächst immer schneller

Das weltweite Wachstum an den Solarmärkten beschleunigt sich. Der deutsche Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) rechnet für 2008 mit einer Weltmarktgröße von rund 3,6 Gigawatt. Das bedeutet ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem 2,4 Gigawatt Solarstromleistung weltweit neu installiert wurden. Wichtige Wachstumstreiber sind eine global steigende Nachfrage und die in immer mehr Ländern eingeführten staatlichen Förderprogramme für Solarstrom nach dem Vorbild des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Solarstrom entwickelt sich damit zunehmend zum Gigatrend bei der globalen Energieversorgung.

Zu den weltweit dynamischsten Wachstumsregionen gehört Südeuropa. Für Italien prognostiziert der BSW-Solar in diesem Jahr eine Verfünffachung des Marktes auf 250 Megawatt. Auch in Frankreich wird sich der Markt auf 100 MW im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Carsten Körnig, Geschäftsführer des BSW-Solar, kommentiert die internationale Entwicklung der Solarstrombranche: „Immer mehr Länder erkennen, welche riesigen Potenziale Solarstrom für den Klimaschutz, die heimische Energieversorgung und die Regionalentwicklung bietet. Gerade im Mittelmeerraum ist der Aufbau der Solarenergieversorgung ein Topthema auf der Agenda der Europäischen Union. Ein Politikwechsel in den USA könnte zudem den Ausbau von Solarstrom in Nordamerika beflügeln.“

Solarstrom entwickelt sich auch an den Finanzmärkten zum einem globalen Trend. Nach einer Studie der UNEP – United Nations Environment Programme – wurden weltweit im vergangenen Jahr 28,6 Milliarden US-Dollar in Solarenergie investiert. Bei Kapitalzuflüssen aus Venture Capital und Private Equity rangiert Solarenergie erstmals auf dem ersten Rang aller erneuerbaren Energien vor den Biokraftstoffen. Bei der soeben abgeschlossenen 23. Europäischen Photovoltaik-Konferenz in Valencia, dem weltweit größten Solarenergie-Kongress mit angeschlossener Solarausstellung, waren 715 Aussteller vertreten.

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) 2008

3.9.08

(Finanzen) Nachhaltiges Investment bringt’s

Einmal mehr bestätigt sich: Nachhaltiges Investieren bringt nicht nur eine soziale Rendite, sondern auch finanziellen Erfolg. Die Internetplattform hat verschiedene Indizes für nachhaltiges Investieren mit herkömmlichen verglichen und siehe da: Die auch SRI-Indizes (steht für Social Responsible Investment) genannten sind meist deutlich erfolgreicher. Hier die Resultate im Einzelnen: Um mehr als 400 Prozent stieg der erfolgreichste von sechs Nachhaltigkeits-Indices in der Untersuchung innerhalb der letzten fünf Jahre. Der beste von drei konventionellen Indices erreichte ein Plus von knapp 90 Prozent.

Der UmweltBank-Aktien Index (UBAI) der Nürnberger UmweltBank AG legte seit dem 30. Juni 2003 um 426 Prozent zu. Der Index bildet die Wertentwicklung deutscher Umweltaktien nach. Insgesamt umfasst er 41 börsennotierte Firmen, die sich auf das Thema Ökologie und nachhaltiges Wirtschaften spezialisiert haben. Ausgeschlossen sind laut der UmweltBank Unternehmen, die in Großkraftwerke investieren oder Waffen, Militärgüter, umweltschädliche Produkte und Technologien produzieren bzw. damit handeln. Titel im UBAI sind etwa die beiden Solarkonzerne Solarworld AG und Q-Cells AG sowie der Windkraftprojektierer Plambeck Neue Energien AG.

Auf Sicht von drei Jahren liegt der Natur-Aktien-Index (NAI) des Hamburger Finanzdienstleisters Securvita vorn. Der 1997 aufgelegte Nachhaltigkeitsindex verbuchte in dem Zeitraum ein Plus von 82 Prozent. Der NAI enthält 30 internationale Unternehmen, die als Öko-Vorreiter gelten. Dazu zählen etwa das US-amerikanische Geothermieunternehmen Ormat oder der Rücknahmeautomatenhersteller Tomra aus Norwegen. Der NAI zeichnet sich auch durch eine starke Wertentwicklung aus. 1997 war er mit einer Ausgangsbasis von 1.000 Punkten gestartet, heute liegt er bei über 5.000 Punkten.

Während in der Sicht auf die letzten drei und fünf Jahre alle an der Auswertung beteiligten Indices Zuwächse verbuchen konnten, schaffte es im Zeitraum von Ende Juni 2007 bis Ende Juni 2008 nur ein einziger ins Plus. Der von der britischen Finanzzeitschrift Financial Times (FT) und der Londoner Börse (London Stock Exchange) aufgelegte FTSE4Good-Index steigerte sich in dem Zeitraum um 7,5 Prozent. Der Index enthält die ökologisch und sozial führenden Unternehmen aus den Titeln der konventionellen FTSE-Indices. Die Initiatoren der auch "fuzzy for good" genannten Indices setzen für den Weltindex unter anderem auf Nachhaltigkeitsbewertungen von EIRIS (Ethical Investment Research Service), einer britischen Ratingangentur für Nachhaltiges Investment. Ausgeschlossen sind Unternehmen, die Tabakwaren oder Waffensysteme herstellen, Atomkraftwerke besitzen bzw. betreiben oder sich am Bau von Atomwaffen beteiligen. Die Lizenzeinnahmen und andere Einnahmen im Zusammenhang mit dem FTSE4GOOD werden an UNICEF gespendet.

Quelle: www.ecoreporter.de

25.8.08

Rekordbetrag für Mikrokredite (Finanzen)

Die Internet-Plattform MyC4 (www.myc4.com) hat innert kurzer Zeit vier Millionen Euro in rund 2500 Geschäftsideen in den drei afrikanischen Ländern Uganda, Kenya und Elfenbeinküste investiert. Gut ein Jahr nach ihrem Start sind bereits über 6000 InvestorInnen dabei. Sie legten im Schnitt etwa 600 Euro oder 1000 Franken an – verteilt auf all die KleinunternehmerInnen, die via MyC4 ihren Computershop, ihr Restaurant, ihre Metallbauwerkstatt oder ihr Taxiunternehmen vergrössern möchten.

Die Kredite stehen den UnternehmerInnen nicht etwa gratis zur Verfügung. Vielmehr bieten die AnlegerInnen für jedes einzelne Projekt einen bestimmten Betrag zu einem bestimmten Zinssatz an – häufig zwischen zehn und 16 Prozent. Ist die ganze gewünschte Kreditsumme beieinander, können sich weitere Kreditgeber mit günstigeren Angeboten beteiligen. Die Teureren fallen dann raus und der Gesamtkredit wird für den Schuldner billiger. Zu einem vorbestimmten Zeitpunkt beendet das virtuelle Bankhaus aus Dänemark den Bieterprozess und die gültigen Angebote stehen dem Unternehmer, zuzüglich eine rund ebenso grossen Bearbeitungsgebühr, zur Verfügung.

Der Anspruch von MyC4 ist riesig – nämlich gemäss den von der UN festgelegten Milleniumszielen die gravierenste Armut auf der Welt bis zum Jahr 2015 zu beseitigen. Und das mit einem Mikrofinanzsystem, das dann Millionen von KreditgeberInnen und –nehmerInnen erreichen soll. Die ersten Schritte sind getan, die Plattform arbeitet nach den Erfahrungen des Schreibenden problemlos. Problematisch bleiben die mitunter hohen Zinsen, die mit dem Verweis auf noch höheren Wucher lokaler Kreditgeber pariert werden. Als ebenso kritisch gilt der Abfluss von Geld aus den berücksichtigten Staaten mit den Zinszahlungen. Andererseits ermöglicht die Plattform eine einfache Kreditvergabe zum Nutzen aller Beteiligten - und vielleicht dereinst ein wirklich weltumspannendes Projekt.

20.8.08

(Finanzen) Zehn neue ETFs kotiert

Im Segment Exchange Traded Funds der SWX wurden zehn neue Produkte kotiert, womit dieses Segment nun 135 ETFs umfasst. Es handelt sich um:

Lyxor ETF MSCI AC Asia-Pacific ex Japan. Handelswährung USD.
Lyxor ETF MSCI EM Latin America. Handelswährung USD.
Lyxor ETF MSCI Emerging Markets. Handelswährung USD.
Lyxor ETF South Africa (FTSE JSE TOP 40). Handelswährung EUR.
Lyxor ETF China Enterprise (HSCEI). Handelswährung USD.
Lyxor ETF MSCI Taiwan. Handelswährung USD.
Lyxor ETF MSCI Korea. Handelswährung USD.
Lyxor ETF Hong Kong (HSI). Handelswährung USD.
Lyxor ETF New Energy. Handelswährung EUR.
Lyxor ETF World Water. Handelswährung EUR.

Mit der Erweiterung des Angebots an gebührengünstigen und passiv gemanagten Indexfonds wird es immer besser möglich für die geneigte Anlegerschaft, verschiedenste Anlagebedürfnisse abzudecken. Die neuen Lyxor-Fonds bieten vor allem Möglichkeiten in den diversen aufstrebenden Märkten – interessant etwa Lateinamerika als Gesamtmarkt oder auch Südafrika. Sodann auch die Branchenlösungen für die neuen Energien und den Bereich Wasser, die beide allerdings auch schon andere Anbieter als ETF-Varianten führen. Nicht zu vergessen bleibt bei solchen Engagements das doch erhebliche Risiko zumindest kurzfristig starker Schwankungen. Also nur eine Variante für starke und gut diversifizierte Anlegernerven!

18.8.08

(Finanzen) Grüner Fonds für Emerging Markets

An Anlagefonds, die in Emerging Markets (EMA) investieren, herrscht kein Mangel. Hingegen gibt es keine grünen Schwellenländer-Fonds, also solche, die speziell nach ökologischen und sozialen Kriterien anlegen. Swisscanto, das Fonds-Haus der Kantonalbanken, bringt jetzt einen neuen Fonds auf den Markt, der Schwellenländer und Nachhaltigkeit verbindet.

Der Swisscanto (LU) Equity Fund Green Invest Emerging Markets (Valor 3650277) investiert in Unternehmen, die einen überwiegenden Teil ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten oder ihren Sitz in Schwellenländern haben und deren Produkte und Dienstleistungen langfristig einen ökologischen und sozialen Nutzen in den aufstrebenden Volkswirtschaften erbringen. Ein Anteil kostet bei der Emission 100 Dollar. Der Fonds ist punkto Gebühren recht teuer, wird doch eine pauschale Verwaltungsgebühr von jährlich 2,2% verrechnet. Der grüne Schwellenländer- Fonds schüttet keine Dividenden aus, die Erträge werden reinvestiert. Im Prospekt wird das Risiko des Fonds als «hoch» eingestuft. Zum einen wird auf die zu erwartenden grossen Kursschwankungen hingewiesen. Zum anderen handelt es sich um einen Dollar- Fonds. Das Wechselkursrisiko muss der Schweizer Anleger tragen. Der Fonds ist nur für Anleger mit einem langen Anlagehorizont und grosser Risikotoleranz geeignet.

Der Fonds wird rund 50 Titel halten. Davon entfallen von den wichtigsten Ländern 33% auf China, 18% auf Brasilien, 11% auf Südkorea, 5% auf die Philippinen und je 4% auf Singapur, Taiwan und Ungarn sowie 3% auf Südafrika. Bei den wichtigsten Branchen gehen 38% des Fondsportfolios auf das Konto nachhaltige Energieversorgung, 17% auf nachhaltige Wasserversorgung, 11% auf nachhaltige Mobilität und 11% auf bezahlbare Gesundheitsversorgung.

Der grüne EMA-Fonds von Swisscanto misst sich mit dem MSCI- Emerging -Markets -Index TR. Wer in den letzten 5 Jahren in diesen Index (siehe Grafik) investiert hat, konnte seinen Einsatz in Dollar verdreifachen - allerdings ohne Einrechnung der Kosten und Gebühren. Seit dem Höchst (Oktober 2007) ist der Index um rund 20% gesunken. Swisscanto macht zu Recht darauf aufmerksam, dass die vergangene Performance keine Garantie für die Zukunft darstellt.

Quelle: NZZaS 17.8.08

6.8.08

(Finanzen) Postfinance senkt Fondskosten

Endlich, ist man versucht zu sagen: Vor mehr als einem Jahr hatte Postfinance bereits angekündigt, ihre Ausgabekommission für den Verkauf von Fonds, auch von Drittanbietern, zu senken. Nun ist es so weit, die Kosten betragen neu einheitlich ein Prozent. Das freut insbesondere jene, die ihr Vermögen mit einem der sonst gelobten und qualitativ guten Fondssparpläne des Postinstituts zu äufnen versuchen. Denn bisher galt deren vergleichsweise hohe Ausgabekommission als praktisch einziger Wermutstropfen des Postfinance-Angebots. Einzig dessen geringe Breite mag noch als Nachteil gelten, ist durch eine geschickte Auswahl aus den über 30 verschiedenen Produkte renommierter Fondshäusere aber weit gehend zu umgehen. Die Auswahl stammt übrigens von Bevag, dem unabhängigen Zürcher Vermögensverwalter für Fondsanlagen.

Bemerkenswert ist neben gesenkter Kosten auch der Schritt von Postfinance, für ihre hauseigenen Postsoleil-Fonds nur noch passive Anlagestrategien zu verfolgen. Das bedeutet: Diese Fonds folgen den Indices des jeweiligen Marktes, versuchen aber nicht, mittels einer aktiven Anlagepolitik besser als dieser abzuschneiden. Das wiederum erlaubt, die Managementkosten des Fonds zu senken und wirkt sich günstig auf die erzielbare Gesamtrendite aus. Letzterer dient auch der Grundsatz der spesenfreien Depotführung - in Abweichung zu den meisten Anbietern von Anlagefonds. Die angekündigten Schritte festigen die Stellung von Postfinance im Fondsgeschäft und machen sie insbesondere als Anbieterin von Fondssparplänen (siehe auch letzten Beitrag im Blog vom 28.7.08) hierzulande noch attraktiver und einmaliger.

29.7.08

(Finanzen) Geringes Angebot an guten Fondssparplänen

«Sparen Sie sich Schritt für Schritt zum Vermögen» - mit solchen Slogans werben die Banken um Kunden für Fondssparpläne . Dabei investieren Anleger wöchentlich, monatlich oder vierteljährlich eine bestimmte Summe in einen Anlagefonds - das Investmentsparen ist bereits mit Raten von 50 oder 100 Franken möglich. Wer hier einen langen Atem beweist, hat in der Tat Chancen, ein Vermögen aufzubauen. Laut dem deutschen Fondsverband BVI haben in Deutschland investierende Aktienfonds per Ende März über 30 Jahre hinweg im Durchschnitt 8,7% pro Jahr zugelegt. Bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro ergab dies ein Vermögen von 161 499 Euro, während - nicht inflationsbereinigt - 36 000 Euro eingezahlt wurden. Fondssparpläne können folglich ein gutes Instrument für Anleger sein, die auf ein Ziel hin sparen - etwa das Studium der Kinder oder eine Weltreise. * Fondssparpläne haben einige Vorteile. Da die Anleger mit ihnen ihr Kapital nicht auf einen Schlag, sondern zeitlich verteilt investieren, greift der sogenannte Durchschnittspreiseffekt («Cost-Average-Effekt»). Bei hohen Kursen erhält der Anleger für sein Geld weniger, bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile. Dies gleicht Schwankungen aus, und der Anleger umgeht das Risiko eines falschen Einstiegszeitpunkts weitgehend. Ausserdem sind die Sparpläne flexibel und im Gegensatz zu Lebensversicherungen jederzeit kündbar.

Allerdings geht die Rechnung für den Anleger nur auf, wenn dem Sparplan ein guter Fonds zugrunde liegt. Und genau hier liegt das Problem: Das Angebot an Sparplänen mit guten Anlagefonds ist in der Schweiz gering. Den meisten Banken geht es bei den Fondssparplänen vor allem darum, ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Das vielgepriesene Prinzip der «Open Architecture», dem zufolge Kunden die besten, also auch Produkte von Fremdanbietern, erhalten sollen, wird nicht verfolgt. Ein Vertreter des VZ Vermögenszentrums geht davon aus, dass den Kunden bei den Fondssparplänen in der Regel durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Produkte angeboten werden. Auch günstigere Indexfonds gehören nicht zur Palette - und bei den sonst so populären Exchange-Traded Funds (ETF) sind Sparpläne wegen der Börsenkommissionen nur bei grossen Summen lohnend. Ein weiterer Negativpunkt bei vielen Fondssparplänen sind die trotz der mittelmässigen Performance oft recht hohen Gebühren und Ausgabekommissionen. Vor dem Abschluss eines Sparplans sollten Anleger also Performance, Gebühren und Rating der Fonds genau prüfen.

Quelle: NZZ vom 28.7.08

25.7.08

(Umwelt) Erfolge der Politik in China

Angesichts der Olympiade herrscht Hochbetrieb im Blätterwald zum Thema China. Vertiefendes ist selten genug zu lesen, löbliche Ausnahme die Neue Zürcher Zeitung im Allgemeinen und in der Ausgabe vom 25.Juli 2008 im Besonderen. Gleich in drei Artikeln werden wesentliche Entwicklungen beleuchtet, die die chinesische Wirtschafts- und Umweltpolitik insgesamt in einem günstigen Licht erscheinen lassen – dies im Kontrast zum derzeit vorherrschenden China-Bashing vor dem grossen Sportereignis.

Anlass für Optimismus gibt etwa die chinesische Forstpolitik. Ähnlich der Landwirtschaft stehen den Bauern nun Waldparzellen zur Bewirtschaftung zur Verfügung – die Pacht gilt für einen Zeitraum von mindestens 70 Jahren. Angesichts der riesigen Waldzerstörung und der notwendigen nachhaltigen Waldbewirtschaft ist damit die Grundlage für Wiederaufforstung und ertragreiche Holzwirtschaft gelegt. Obwohl die Parzellen voraussichtlich klein ausfallen – wegen der vielen verbliebenen Landwirte – scheint die Reform den chinesischen Politikern doch erfolgversprechender als eine anhaltende staatliche Bewirtschaftung.

Auch die chinesische Einkindpolitik ist nicht derart Schwarz-Weiss zu beurteilen, wie dies hierzulande häufig geschieht. Erfolgreich war sie allemal, beträgt die Zahl der ChinesInnen doch heute 1,3 Milliarden – gegenüber einer geschätzten Zunahme auf 1,7 Milliarden ohne diese Politik. Auch wurden viele Härten gemindert, ist es doch beispielsweise Volksminderheiten seit je gestattet, zwei Kinder zu haben, in gewissen Gegenden gar noch mehr. Dieses Faktum steht der häufig geäusserten Kritik an der Unterdrückung von Minderheiten in China entgegen. Selbstredend gilt die Regelung auch für Tibet. Seit jüngerer Zeit ist es auch in den Städten den Han-ChinesInnen erlaubt, zwei Kinder zu zeugen, wenn die Eltern selbst je aus einer Einkindfamilie stammen. Das ist eine Antwort auf eines der grossen Probleme der Einkindpolitik – die ungesicherte Altersversorgung der bald enorm grossen Zahl alter ChinesInnen.

Schliesslich hat die chinesische Reformpolitik in den letzten 30 Jahren auch einen Justizapparat hervor gebracht, der bei allen Mängeln heute eine ungleich gesichertere Rechtsstaatlichkeit gegenüber früher ermöglicht. In Diskussion derzeit unter anderem die Migrationsgesetzgebung, die eigentlich eine soziale Absicherung und Bildungsmöglichkeiten auch für die gegen 200 Millionen WanderarbeiterInnen vorsieht – allzu häufig aber immer noch nur auf Papier. Insgesamt also überraschende und Erfolge belegende Einsichten in den chinesischen Politikalltag dank einer überzeugenden NZZ-Berichterstattung.

23.7.08

(Umwelt) Windstrom überrundet Atomstrom

Im Jahr 2006 wurden weltweit zwei AKW mit zusammen 1.490 Megawatt in Betrieb genommen. Endgültig abgeschaltet wurden 8 Atomreaktoren mit zusammen 2.236 Megawatt. Gleichzeitig wurden weltweit Windkraftwerke mit 15.197 Megawatt in Betrieb genommen. Im Jahr 2007 wurde weltweit kein AKW endgültig abgeschaltet und zwei Atomreaktoren mit zusammen 1.857 Megawatt neu ans Netz gebracht. Gleichzeitig wurden weltweit 20.073 Megawatt Windkraftleistung in Betrieb genommen. Im ersten Halbjahr 2008 wurde weltweit kein AKW endgültig abgeschaltet und kein neues in Betrieb genommen. Hingegen wurden Windkraftkapazitäten von über 10.000 Megawatt ans Netz angeschlossen. Die amtlichen Zahlen der Internationen Atomenergieagentur (IAEA) zeigen damit: Es gibt keinen Bauboom für Atomkraftwerke gibt.

Im Gegenteil gilt: In den letzten 2 Jahren wurde somit global 40-mal so viel Windkraftkapazität wie Atomkraftkapazität in Betrieb genommen. Der Strom aus Windkraftanlagen wurde dank des technischen Fortschritts von 18 Cent je Kilowattstunde im Jahr 1991 auf heute 8 Cent je Kilowattstunde immer billiger. Nächstes Jahr wird zwar der Windstrompreis für neue Anlagen wegen der stark gestiegenen Materialkosten auf 9,2 Cent erhöht werden. Dies ist jedoch wenig im Vergleich zu den gewaltig gestiegenen Strompreisen der Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke. Für neue Atomkraftwerke werden Strompreise von auch fast 10 Cent je Kilowattstunde kalkuliert und dabei sind wichtige Kosten für die Haftung und die Atommüllentsorgung weiterhin ausgespart.

Quelle: FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. / www.sonnenseite.com

21.7.08

(Umwelt) Tschernobyl-Gau aktueller denn je

Auch 22 Jahre nach dem GAU strahlt der Reaktor von Tschernoby. SPIEGEL-TV-Reporterin Anna Sadovnikova war in der Todeszone und erinnert alle daran, dass die Gefahren einer Renaissance der Atomtechnologie so gross sind wie eh, allen neuen AKW-Träumen zum Trotz. In der Folge Ausschnitte aus dem Aufsehen erregenden Bericht.

Anfang der achtziger Jahre muss Pripjat ein Traum gewesen sein. "Die Stadt war jung, sauber, umgeben von Wäldern und wunderschöner Natur", erinnert sich Ingenieurin Larissa Lebedewa. "Wir waren gut bezahlte Spezialisten mit hervorragenden beruflichen Perspektiven. Alles schien möglich. Und dann brach alles zusammen." In der Nacht des 26. April 1986 verlor Larissa Lebedewa ihren Glauben an die glorreiche Zukunft der Sowjet-Technologie. Die Atomphysikerin arbeitete damals im Kernkraftwerk Tschernobyl, und in jener Nacht geriet um 1.24 Uhr Reaktor 4 des Leninkraftwerks außer Kontrolle. Der Meiler explodierte, Feuer brach aus, radioaktiv verseuchter Staub stieg in die Atmosphäre auf.

Mehr als 24 Stunden ließ die sowjetische Führung nach dem GAU verstreichen, bevor Pripjat evakuiert wurde. Mehr als tausend Autobusse kamen aus Kiew, um die Anwohner in Sicherheit zu bringen. Erlaubt war nur Handgepäck für wenige Tage - Anordnung der Partei. 49.000 Menschen wohnten in Pripjat bis zu jenem Tag, an dem sich der schlimmste Störfall in der Geschichte der Atomkraft ereignete. Sie sollten nie zurückkehren.

Bis heute führt nur eine einzige Straße nach Pripjat - und die wird streng bewacht. Noch immer ist die Strahlung in unmittelbarer Nähe des Reaktors 200 Mal höher als der Grenzwert für Zivilisten. Die Siedlung ist seit mehr als 20 Jahren eine Geisterstadt. Die einstige Hauptstraße hat sich die Natur schon fast zurückerobert. Zwischen maroden Gehwegplatten wuchern Bäume und Sträucher. Der Kulturpalast "Energetik", einst Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Pripjat, ist bis heute verseucht - durch Cäsium, Strontium und Plutonium, das die Kernschmelze freisetzte. Das Gebäude ist, wie die meisten anderen in der Stadt, eine Ruine. Die frühere Schule - verfallen. Das Haus ist mit Moos bewachsen, auf dem Boden liegen Kinder-Gasmasken, Farbe blättert von den Wänden, dazwischen hängen Kinderfotos.

Auch Jahrzehnte nach dem Unglück, das alles veränderte, wagen sich nur wenige ins Sperrgebiet. Aleksander Naumow ist einer davon. "Jeder Fahrt in die Todeszone ist für mich wie eine Warnung", sagt Ex-Polizist Naumow SPIEGEL TV. "Die Menschheit soll sich an das erinnern, was hier passiert ist, und an die vielen, die nicht überlebt haben. All jene, die hier bereits gestorben sind oder die noch an den Spätfolgen sterben werden." Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind bis heute mehr als 50.000 Menschen an den Folgen der Reaktorschmelze gestorben. Nach Schätzungen russischer Forscher werden in den nächsten Jahrzehnten noch Hunderttausende Menschen an den Spätfolgen der Kernschmelze sterben.

Altlasten gibt es noch etliche in Tschernobyl. Zwölf Kilometer vom Reaktor entfernt liegt etwa die Dneprower Bucht, einst größte Hafen der Region. Eine ganze Flotte an Binnenschiffen wurde bei den Aufräumungsarbeiten nach dem Unglück eingesetzt. Das Metall ist stark radioaktiv verseucht. Doch wie der strahlende Schrott entsorgt werden kann, dafür gibt es keine Lösung. Und auch der Schutzmantel des Unglücksreaktors bereitet den Behörden Sorgen. Die Hülle ist marode, vor zwei Jahren wäre sie beinahe eingestürzt. "Obwohl ich hier schon seit Jahren arbeite, habe ich noch immer Angst, wenn ich mich dem Katastrophenort nähere", sagt selbst Oleksandr Nowikow. Er ist Sicherheitschef und Vizedirektor in Tschernobyl. "Wir wissen Bescheid, welche Gefahren Reaktor 4 noch in sich birgt. Und wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Die Gefahr ist auch nach 22 Jahren noch nicht vorüber."

Nun soll es eine neue Schutzhülle richten, so hat es die ukrainische Regierung hat vor wenigen Monaten beschlossen. Umgerechnet 500 Millionen Dollar wird die Stahlbetonhaube kosten, finanziert zum Großteil von der Europäischen Union. Hundert Jahre Sicherheit versprechen die Planer. Doch der Generaldirektor der Atomruine, Igor Gramotkin, ist skeptisch. "Selbst wenn die neue Abdeckung für den zerstörten vierten Reaktor gebaut wird, ist das Problem noch lange nicht gelöst", sagte er SPIEGEL TV. "Es kommen noch schwerere Zeiten auf uns zu." Der radioaktive Müll, der durch den bisherigen Sarkophag abgeschirmt wird, müsse geborgen und entsorgt werden.

Diejenigen, die heute auf dem Areal arbeiten, warnen nun eindringlich vor einem grundlegenden Missverständnis. "Wir haben Angst davor, dass die ganze Welt glaubt: Eine neue Abdeckung wird gebaut, und die Gefahr ist damit gebannt. Das ist eine Lüge", sagte Gramotkin. Die Wahrheit sei eine andere: "Der harte Kampf um die Sicherung des Reaktors wird bestimmt noch 30 bis 50 Jahre dauern."

Mitarbeit: Friederike Freiburg / Quelle: www.spiegel.de

16.7.08

(Finanzen) Suchmaschine für ETF’s

Das Zürcher Start-up-Unternehmen FundExplorer GmbH lanciert die erste Suchmaschine für Exchange Traded Funds (ETF). ETFs können leicht gefunden und verglichen werden. Eine Ausweitung des ETF-Angebots auf internationale Börsenplätze wird bis Ende 2008 abgeschlossen sein. ETF sind Anlagefonds, die den Indizes der Börsen nachgebildet werden und über eine günstige Kostenstruktur verfügen.

FundExplorer will nun die Suche, Analyse und Auswahl von ETFs vereinfachen. FundExplorer (http://www.fundexplorer.ch) ist eine Such- und Informationsplattform im Internet, auf welcher sich Anleger selbständig in der komplexen Produktpalette des ETF-Angebots zurechtfinden können. „Wir reagieren damit auf das Bedürfnis der Anleger nach mehr Transparenz“, erklärt FundExplorer CEO Jakob Baur. Neben Kursentwicklung und Finanzkennzahlen wird auch die Analyse von Anlagestrategie, Kostenstruktur und Fondszusammensetzung berücksichtigt. „Wir wollen die erste Anlaufstelle für ETF-Anleger sein und jedem freien Zugang zu fondsrelevanten Informationen ermöglichen“, sagt Baur.

Benutzer können das ETF-Angebot nach individuellen Anlagekriterien wie Länder- und Branchenallokation, Performance oder Kostenstruktur filtern. Sie suchen nach Schlagwörtern und durchstöbern das ETF-Angebot nach Anlagethemen und Fondsanbietern, definieren wie viel sie in unterschiedliche Länder oder Branchen investieren wollen. So findet jeder Anleger seinen ETF - schnell, verständlich und übersichtlich.

Quelle: FundExplorer GmbH / www.fondstrends.ch

10.7.08

(Umwelt) Raus aus der atomaren Geiselhaft!

Der deutsche Energiejournalist Franz Alt (www.sonnenseite.com) hat einen flammenden Appell wider den neuen Atomwahn verfasst. Er sei im folgenden wiedergegeben und voll unterstützt:

Statt sich auf effiziente Maßnahmen zum Klimaschutz zu einigen, haben sich die G8-Staaten in dieser Woche in Japan einem neuen Atomrausch hingegeben. Ausgerechnet der größte Klimasünder George W. Bush will mit 100 neuen Atomkraftwerken das Klima retten. Ein Irrglaube, wie die Naturwissenschaftlerin und Atomfreundin Angela Merkel realistischerweise gleich richtig stellte. Denn Atomenergie liefert zurzeit nur 3 % der Weltenenergie. Sie bietet nicht die geringste Lösung für unsere weltweiten Energieprobleme.

Aber der US-Präsident schwafelt von der „Schönheit der Atomenergie“ und vergisst die über 80.000 Toten von Tschernobyl und einige andere Probleme mit der Atomkraft. So gibt es auf der ganzen Welt keinen einzigen Ort, an dem Atommüll „sicher“ gelagert werden könnte. Wir wissen nur eins: Atommüll strahlt bis zu einer Million Jahren. Je länger wir auf Atomkraft setzten desto mehr werden uns unsere Kinder und Enkel verfluchen. Wir hinterlassen ihnen Probleme, mit denen wir nicht fertig werden.

Weitere Investitionen und Subventionen in Kernenergie sind extrem kontraproduktiv, sie sind in erneuerbare Energien und in Energieeffizienz viel gewinnbringender und sicherer angelegt wie die Kanzlerin ebenfalls feststellte. Auch deutsche AKWs sind nicht 100 % sicher – jedes AKW hat ein Restrisiko und dieses könnte uns eines Tages den Rest geben. Allein in dieser Woche gab es in den acht spanischen AKWs vier Störfälle!

In Terror-Zeiten ist jedes AKW verantwortungsloser Leichtsinn und keine Problemlösung. Eine Renaissance der Atomenergie ist eine Einladung an Schurken und Schurkenstaaten – die vielleicht größte Gefahr neben dem Klimawandel im 21. Jahrhundert. Die neue Kampagne für die Atomkraft wird zusammenstürzen wie ein Kartenhaus, wenn es zu einer neuen Reaktor-Katastrophe kommt.

Einige Journalisten hierzulande befürchten einen deutschen Sonderweg, wenn es beim Ausstiegsbeschluss bleibt. Was aber ist schlimm an der Vorstellung, dass Deutschland als wichtiger Industriestandort der Welt den Ausweg aus der atomaren Sackgasse aufzeigt? Bei Photovoltaik, Windrädern und Biogas sind wir bereits Welttechnologieführer. Wir haben wieder Exportschlager. Deutschland hat bei Erneuerbaren Energien bereits achtmal mehr Arbeitsplätze als in all seinen 17 Atomkraftwerken zusammen. Es ist ökologisch, ökonomisch, sozial und ethisch vernünftig, auf diesem Weg unbeirrt weiterzugehen.

Deutschland ist erneuerbar, Europa ist erneuerbar, die Welt ist erneuerbar. Noch können wir uns aus der atomaren Geiselhaft befreien.

Quelle: Franz Alt 2008, www.sonnenseite.com

2.7.08

(Umwelt) Gigantisches Wachstum der Erneuerbaren Energien

Laut dem vom Umweltprogramm Unep der Vereinten Nationen veröffentlichten Jahresbericht zu den Investitionen in umweltschonende Energien ist deren Volumen mehr als 60 Prozent gewachsen. Von den 148 Milliarden Dollar (umgerechnet 94 Milliarden Euro) sei der Löwenanteil mit rund 50 Milliarden Dollar auf die Windkraft entfallen. Dagegen wurde für die Solarenergie die höchste Zuwachsrate verzeichnet. Ihr flossen im vergangenen Jahr weltweit knapp 29 Milliarden Dollar zu. Seit 2004 erzielte dieser Sektor dem Bericht zufolge jedes Jahr im Durchschnitt einen Zuwachs von 254 Prozent; damit liegt er deutlich vor den anderen Bereichen der erneuerbaren Energien. Windkraft und Solarenergie kamen 2007 zusammen auf 67 Prozent der Investitionen in regenerative Energien. Der Markt für Bioethanol war dagegen rückläufig, insbesondere in den Vereinigten Staaten.

Wie dem Bericht zu entnehmen ist, zogen zuletzt die Schwellenländer Brasilien, Indien und China vermehrtes Kapital für Erneuerbare Energien auf sich. 22 Prozent der weltweiten Investitionen in diesen Bereich flossen im vergangenen Jahr in diese Länder. Beim einwerben von Risikokapital liegen dagegen die Vereinigten Staaten an der Spitze. Rund 75 Prozent des weltweiten Wagniskapitals für regenerative Energien gingen an US-Firmen. Dennoch findet der Aufschwung bei den Erneuerbaren Energien weiter vorrangig in Europa statt. Hier stiegen die Ausgaben für Infrastrukturprojekte im letzten Jahr auf 49,5 Milliarden Dollar und damit fast 62 Prozent der weltweiten Ausgaben für regenerative Projekte.

Quelle: www.ecoreporter.de

12.6.08

(Finanzen / Umwelt) Solarindustrie wird für die Wirtschaft interessant

Wieso spielt sich der weltgrösste Autozulieferer Bosch plötzlich als Sonnenkönig auf? Knapp 1,1 Milliarden Euro will er insgesamt für Ersol, die Nummer 3 der deutschen Solarbranche, aufwerfen, wie Anfang Monat bekannt wurde. Mit dem Stuttgarter Konzern steigt erstmals ein deutscher Industrieriese in die Solartechnik ein. Überraschend kommt das Interesse an der Solarindustrie nicht: Mit Solarzellen kann man etwa auch in Zeiten knapper werdender Rohstoffe Batterien für Elektromotoren aufladen. Die Preise für Öl und Gas explodieren - alternative Energien gewinnen an Attraktivität. Je teurer die fossilen Brennstoffe, desto eher kann Solarstrom mit dem herkömmlichen Haushaltsstrompreis konkurrieren. «Bereits 2015 könnte es in Europa so weit sein», schätzt Erol Bilecen von der Basler Bank Sarasin.

Kein Wunder, setzen da auch die Solarunternehmen auf Wachstum und finanzstarke Investoren. Mit der deutsch-chinesischen Sinosol sowie der hessischen SMA Solar Technology wollen gleich zwei Solartechnikfirmen demnächst den Schritt aufs Frankfurter Börsenparkett wagen. Noch braucht die Branche jedoch den Schutz des Staates - und so erleben selbst die Sonnenkinder zwischendurch trübe Tage. In Deutschland zitterte die Solar -Lobby in den letzten Wochen vor drastischen Einschnitten bei der Förderung des Ökostroms; die Solaraktien von Q-Cells bis Solarworld mussten zeitweise herbe Kurseinbussen verkraften. Nachdem sich die Regierungsparteien trotz heftigem Widerstand des CDU-Wirtschaftsflügels auf kaum reduzierte Subventionen verständigt haben, scheint wieder die Sonne. Die mittlerweile fast 60 000 Beschäftigten in der deutschen Solarindustrie - viele von ihnen in den strukturschwachen neuen Bundesländern - atmen auf. Die Wachstumsstory der Branche, die ihren Umsatz laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln innert fünf Jahren um mehr als das 20fache auf 5,74 Milliarden Euro gesteigert hat, geht weiter.

Um durchschnittlich 25 Prozent soll die Fotovoltaik, die Sonnenenergie direkt in Strom umwandelt, bis 2010 in Deutschland zulegen. Dank der satten Fördergelder gilt das Land noch immer als weltweit bedeutendster Markt für Solarenergie, obwohl selbst da die Sonnenkraft nur mickrige 0,5 Prozent zur gesamten Stromerzeugung beiträgt. Langfristig bessere Perspektiven bietet der sonnige Süden, wo sich die frisch installierte Fotovoltaikleistung jährlich mehr oder weniger verdoppelt. Schub geben der Solarindustrie von Spanien über Italien bis Griechenland auch die ambitiösen Pläne der EU zum Klimaschutz. So soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix bis 2020 auf 20 Prozent ansteigen.

Hohe Wachstumschancen bieten auch Asien oder die USA. Die US-Solarbranche setzt dabei auf einen umweltfreundlicheren Präsidenten und Nachfolger von George W. Bush. Ob John McCain oder Barack Obama - beide dürften zu einer stärkeren Förderung von Ökoenergien neigen. Die deutschen Solarfirmen stehen in den Startlöchern. Bereits heute erzielen Vertreter wie Q-Cells oder Solarworld mehr Umsatz im Ausland als im Inland. Auch kleinere Anbieter ziehen mit. Letztere könnten laut Sarasin-Experte Bilecen nun aber vermehrt zu Übernahmekandidaten werden: «Die Konsolidierung wird sich fortsetzen.» Hübsche Prämien dürften dabei nicht nur Industrieriesen wie Bosch zu zahlen bereit sein; wenn nicht für Synergieeffekte, dann wegen der guten Wachstumsaussichten.

Quelle: TA 12.6.08